Versuchter Mord an elf Heimbewohnern

Sie fühlte sich gemobbt und hasste ihre Mitbewohner. Um sich an ihren Zimmernachbarn in der Heimstatt Engelbert an der Manderscheidtstraße zu rächen, steckte eine 25-Jährige in der Nacht zum Mittwoch ihr Zimmer in Brand. Dabei riskierte die Frau bewusst nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das elf weiterer Menschen, die in ihren Betten schliefen. Ein wachsamer Mitarbeiter konnte die Katastrophe jedoch durch sein schnelles und beherztes Eingreifen verhindern.

Die Kripo überführte die Täterin schnell: Seit Donnerstag sitzt die 25-Jährige in Untersuchungshaft, berichtete die Polizei gestern. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf versuchter Mord und schwere Brandstiftung.

Dramatische Szenen

Um kurz nach Mitternacht am Mittwoch ging die Brandnachricht bei der Polizei ein. Kurze Zeit später spielten sich dramatische Szenen in dem Wohnheim für Menschen mit geistiger, körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung ab.

Die Besatzung des ersten eintreffenden Streifenwagens und ein 45-jähriger Oberhausener, der als Nachtwache von einem Rauchmelder alarmiert worden war, konnten die bereits bewusstlose 25-Jährige mit Unterstützung eines heimkehrenden weiteren Bewohners in letzter Minute aus ihrem Zimmer ziehen. Sie weckten die restlichen Bewohner und versuchten das Feuer zu löschen.

Alle Betroffenen fanden schließlich den Weg ins Freie und wurden sofort von Rettungssanitätern medizinisch versorgt, während die Feuerwehr die Flammen löschte.

Die Brandermittler des Kriminalkommissariats 11 übernahmen die Ermittlungen, die noch am Mittwoch zu der Festnahme der verletzten 25-Jährigen führten. Nach bisherigen Erkenntnissen war die Bewohnerin des Hauses gegen Mitternacht nach Hause gekommen und hatte an gleich mehreren Stellen in ihrem Zimmer das Feuer gelegt. Dabei atmete sie giftige Gase ein und brach wenige Minuten später zusammen.

Wäre der Brand nicht so frühzeitig entdeckt worden, hätte das Zimmer kurze Zeit später im Vollbrand gestanden. Zu diesem Schluss kam ein Sachverständiger am Tatort: Die Bewohner des Hauses wären vermutlich im Schlaf erstickt, die Rettungswege in dem Haus nicht mehr passierbar gewesen.

Am Donnerstag beantragte die zuständige Staatsanwältin Elke Hinterberg einen Haftbefehl, der durch einen Richter erlassen wurde. Seitdem sitzt die 25-Jährige in Untersuchungshaft.

Wie Elke Hinterberg gestern auf Nachfrage berichtete, ist die Frau offenbar schuldfähig. Bei einer Untersuchung im Huyssensstift hätten sich jedenfalls keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sie zum Zeitpunkt der Tat nicht zurechnungsfähig gewesen sei. Warum und wie lange die mutmaßliche Brandstifterin in der Heimstatt Engelbert lebte, war den Behörden gestern noch nicht bekannt.

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