Verstörender Umgang mit dem Erbe von Berthold Beitz

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Was wir bereits wissen
Das Versteigern persönlicher Erinnerungsstücke und Kunstgegenstände ist ein Bruch mit Traditionen, für die auch Beitz stand. Und auch das Wohnhaus ist kaum zu retten.

Essen..  Der Umgang mit dem Privateigentum von Berthold Beitz ist zunächst einmal das: privat. Dennoch darf man sich über die Art und Weise wundern, wie die Familie Kunstgegenstände und Erinnerungsstücke des 2013 verstorbenen Krupp-Patriarchen über einen kleinen Antiquitätenhändler in Münster in alle Winde verstreuen lässt. „Fehlt nur noch, dass seine Bundesverdienstkreuze demnächst auf dem Flohmarkt in Essen auftauchen“, ätzte gestern das Handelsblatt.

Tatsächlich sind die Billig-Versteigerungen ein Bruch mit Traditionen, für die Krupp stand. Wenn es je ein Unternehmen gab, das aus der eigenen, wenn auch wechselvollen Geschichte Kraft schöpfte und sie mit Leidenschaft hochhielt, dann dieses. Berthold Beitz hatte daran sieben Jahrzehnte lang einen großen, oft entscheidenden Anteil, weil er etwas verstand von Bildern, Symbolen und positiver Image-Produktion.

Wer je erlebt hat, mit welcher Akribie und welchem Stolz die von Beitz geprägte Krupp-Stiftung und das Historische Archiv Krupp geschichtlich Wertvolles aus der Unternehmens- und Familienhistorie bewahren, der kann sich ungefähr vorstellen, wie die Stimmung auf dem Hügel derzeit ist. Der ganze Vorgang lässt einen ratlos zurück.

Der Nachlass ist das eine, das Schicksal des Privathauses das andere große Thema. Es ist ein verständlicher Impuls, wenn viele spontan fordern, die Beitz-Villa am Weg zur Platte nicht abzureißen. Mag sie architektonisch nicht von allergrößtem Wert sein, so ist dieses Haus doch ein wichtiger Essener Erinnerungsort. Doch stellt sich natürlich die Frage, wie die Villa mit Leben gefüllt werden soll. Ein Beitz-Museum? Wer soll das finanzieren und was soll drinnen gezeigt werden, da das Haus ja soeben restlos leer geräumt wurde? Die Stadt hat kein Geld und im Übrigen bereits die Denkmalwürdigkeit verneint, dabei eine Kühle an den Tag gelegt, die zu Recht viele verstört hat.

Auch Thyssen-Krupp setzt andere Akzente. Der Hügel als Erinnerungsort - das müsse reichen, heißt es. Der Konzern verkauft auch wegen seiner immer noch nicht ausgestandenen Krise alles, was nicht dem eigentlichen Unternehmenszweck dient. Und das Beitz-Anwesen wird nicht gebraucht, dort geben sich vielmehr längst die Immobilien-Entwickler die Klinke in die Hand. Sicher, Krisen gab es früher auch, ohne dass Krupp Symbolträchtiges verkauft hat. Doch die Zeiten sind andere.

Man darf sich nichts vormachen: Wenn sich nicht ein sehr reicher Gönner findet, der ohne Neubau-Absichten kauft, ist nicht erkennbar, wie das Beitz-Haus zu retten sein sollte. Bitter, aber wahr.