Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Prozess

Vergewaltigung - SPD-Ratsherr gibt Ämter auf

17.06.2011 | 11:55 Uhr
Vergewaltigung - SPD-Ratsherr gibt Ämter auf
Vor dem Essener Landgericht wird der Fall eines Ratsherren verhandelt, der nach einem Abend in der Zeche Carl seine Disko-Bekanntschaft zu bizarren Sex-Praktiken zwang.

Essen.   Erst war der Sex einvernehmlich - dann wurde eine Vergewaltigung daraus: Ein Essener Ratsherr hat vor Gericht gestanden, eine Disko-Bekanntschaft zu bizarren Sex-Praktiken gezwungen und misshandelt zu haben. Er hat 50.000 Euro an das Opfer gezahlt.

Ein Essener Ratsherr hat vor dem Landgericht Essen gestanden, eine Disko-Bekanntschaft vergewaltigt zu haben. Die SPD in Essen gab anschließend auf Nachfrage bekannt, dass der Mann sein Ratsmandat zurückgeben und von allen politischen Ämtern zurücktreten wird. Er ist Vorsitzender in einem Essener Ortsverein der SPD.

Außerdem zahlte der Ratsherr am Freitag 50.000 Euro an das mutmaßliche Opfer. Dieses Schmerzensgeld gehört zusammen mit seinem Geständnis zu den vor Gericht vereinbarten Bedingungen, für eine Bewährungsstrafe. Er müsste dann nicht ins Gefängnis.

Vor der XVII. Strafkammer waren die Prozessbeteiligten auf Antrag von Verteidiger Rüdiger Deckers vor allem bemüht, die Öffentlichkeit auszuschließen. Selbst die Anklage verlas Staatsanwalt Gabriel Wais in nicht öffentlicher Sitzung. Ein Vorgang von dem andere erwachsene Angeklagte nicht einmal zu träumen wagen. Hintergrund ist wohl die zwischen dem Angeklagten und dem mutmaßlichen Opfer getroffene Vereinbarung, die Tat zu gestehen und 50.000 Euro zu zahlen.

Sexualpraktiken aus dem Sado-Maso-Bereich

Kennengelernt hatten die beiden sich am 6. August 2009 auf einer „80er-Jahre-Nacht“ im Altenessener Kulturzentrum Zeche Carl. Gegen vier Uhr morgens gingen sie in die Wohnung des Angeklagten. Einvernehmlich kam es zum Sex. Doch plötzlich kippte die bis dahin romantische Stimmung. Der 48-Jährige, so die Anklage, misshandelte die 40-Jährige derart übel, dass sie diese von ihm gewählten Sexualpraktiken aus dem Sado-Maso-Bereich abgelehnt habe. Er soll sich aber darüber hinweggesetzt und den Sex an mehreren Orten in der Wohnung fortgesetzt haben.

Die Frau ging zur Polizei, die Verletzungen wurden per Foto dokumentiert. Über seinen früheren Verteidiger Karl Engels ließ der Angeklagte mitteilen, die gewalttätigen Übergriffe seien Teil der Sexualpraktiken gewesen und einvernehmlich mit der Frau erfolgt.

Rechtsgespräch bringt Strafkammer von Haft ab

Von dieser Linie wich der Angeklagte jetzt nach einem Verteidigerwechsel ab. Richter Bernd Koß teilte öffentlich mit, dass Rechtsanwalt Deckers ihn im Vorfeld der Hauptverhandlung angerufen habe: Sein Mandant sei bereit, auf die Schmerzensgeldforderung der Frau in Höhe von 50.000 Euro einzugehen. Ob für diesen Fall das Gericht zu einer Bewährung kommen könne? Das, so Koß, habe er aber nach Rücksprache mit seiner Richterkollegin abgelehnt. Die Kammer denke an eine Strafe zwischen zwei und drei Jahren Haft. Eine Bewährung ist dabei nicht mehr möglich.

Ein Rechtsgespräch zum Prozessauftakt änderte offenbar die Meinung der XVII. Strafkammer. Zuvor hatte das Gericht schon zur Kenntnis nehmen müssen, dass das mutmaßliche Opfer trotz Ladung nicht vor Gericht erscheinen wird. Ihr Anwalt Ernst van der Meulen: „Sie wird heute nicht erscheinen.“ Nach dem Rechtsgespräch gab Richter Koß dann die Vereinbarung zu Protokoll: Bei einem Geständnis und Zahlung der Schmerzengeldforderung von 50.000 Euro „kündigt die Kammer an, eine Strafe zu verhängen, die zwei Jahre Haft nicht überschreitet und zur Bewährung ausgesetzt werden kann“. Danach las er die Vereinbarung zwischen dem Angeklagten und der Nebenklägerin vor: Der Angeklagte übernimmt die Verantwortung für das Geschehen. Er entschuldigt sich. Die Nebenklägerin nimmt die Entschuldigung an. Außerdem sind mit Zahlung der 50.000 Euro „alle Ansprüche aus dem Schadensereignis abgegolten“.

15 Red Bull mit Wodka und zehn Bier getrunken

Nichtöffentlich ging es weiter. Offenbar legte der Angeklagte ein Geständnis ab und berief sich dabei auf reichlich Alkohol. Rechtsmediziner Kurt Trübner rechnete nach den Trinkangaben des 48-Jährigen („15 Red Bull mit Wodka und 10 Bier zwischen 21 und 4.30 Uhr“) aus, dass der Promillegrad rechnerisch zwischen 1,75 und 3,42 liegen müsse. Eine verminderte Schuldfähigkeit durch Enthemmung sei nicht auszuschließen. Aus den Angaben des Gutachters war zu schließen, dass der Angeklagte in seinem Geständnis gesagt hat, er habe das mehrfach geäußerte „Nein“ der Frau nicht wahrgenommen. Ende des Monats will das Gericht dann sein Urteil verkünden.

Die politische Karriere des Sozialdemokraten dürfte beendet sein. Führende Sozialdemokraten, darunter Essens Parteichef Dieter Hilser, zeigten sich „fassungslos“. Sie hätten vom Termin und vom Vorwurf im Vorfeld gehört, seien aber von der Unschuldsvermutung ausgegangen. Klar sei, dass er sein Ratsmandat aufgeben müsse. Das habe er jetzt auch schon angekündigt. SPD-Ratsfraktionschef Rainer Marschan erklärte: "Mit dem Entschluss, von allen Ämtern zu­rückzutreten" sei der Ratsherr "den notwendigen Konsequenzen, die Partei und Fraktion hätten ziehen müssen, zuvorgekommen." (mit woki)

Stefan Wette

Facebook
 
Kommentare
17.06.2011
15:03
Essener SPD-Ratsherr gesteht Vergewaltigung
von kollest | #26

...wie gut, daß Prof.Dr. amo17 dem gemeinen Pöbels eine rechtslektion erteilen kann...

17.06.2011
15:02
Blockierter Kommentar.
von kollest | #25

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.06.2011
15:01
Blockierter Kommentar.
von mitLINKSinsVERDERBEN | #24

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.06.2011
15:00
Essener SPD-Ratsherr gesteht Vergewaltigung
von Melete | #23

@#15von InFlames
„Ich will damit nur sagen das wir die Wahrheitsfindung dem Gericht überlassen sollten die sich alles ausführlich anhört !“ – Genau das ist meine Meinung. Das Gericht ist ja auch zu einem Urteil gekommen. Ich habe mich ja auch nicht zu dem Fall geäußert, sondern zum Beitrag von „ichsachmaso“, der sich hier abfälig über die „gnä Frau“ auslässt, der es „urplötzlich zu dreckig und zu hart“ wurde und die sich gegen ein „fürstliches Honorrar“ natürlich schnell geeinigt habe.
Mir ging es darum, dass jeder natürlich immer das Recht hat, nein zu sagen, wenn Dinge passieren, die er oder sie nicht will. Nur weil man in Sex einwilligt, gibt man nicht das Selbstbestimmungsrecht auf. Wenn es für mich zu hart wird, kann ich natürlich nein sagen. Mich hätte eine Antwort von ichsachmaso interessiert, ob er nicht doch irgendwo eine Grenze sieht, ab der ein Nein gilt. Wenn jemand, wie ichsachmaso, in einer solchen Situation denjenigen beschuldigt, der nein sagt und gezwungen wird (so sieht es zumindest das Gericht), finde ich das mehr als bedenklich.
Ich käme auch wahrlich nie auf die Idee „Männer immer direkt als Schweine abzustempeln“, ich habe nur ein Problem, wenn öffentlich das Selbstbestimmungsrecht von Frauen verneint wird.
Die Frage der Beweisbarkeit von Vergewaltigungen ist da noch eine ganz andere Frage. Verletzungen sind immer ein Indiz, nie ein direkter Beweis. Im Allgemeinen muss man aber sagen, dass es keine schwere Straftat gibt, die so selten juristisch gesühnt wird, wie die Vergewaltigung. Gerade die schlechte Beweislage lässt Frauen oft vor der Anzeige zurückschrecken. Dass eine ungerechtfertigte Vergewaltigungsklage auch schwerstes Unrecht ist, stellt wohl niemand in Abrede.

17.06.2011
14:51
Blockierter Kommentar.
von Erbeck1 | #22

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.06.2011
14:31
Essener SPD-Ratsherr gesteht Vergewaltigung
von amo17 | #21

#17
Wenn keine Ahnung hat, sollte man einfach mal den Rand halten und sich nicht total blamieren.
Manche sind einfach peinlich.

wikipedia klärt auf, zum Thema Vergewaltigung:
Jedermann, der in seiner sexuellen Selbstbestimmung verletzt wurde, hat unabhängig vom Geschlecht einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Das Opfer kann seine Ansprüche gegen den Täter, insbesondere den auf Zahlung eines Schmerzensgeldes, auch im Strafverfahren geltend machen (Adhäsionsverfahren). Dies leitet sich aus dem Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung her.

17.06.2011
14:26
Essener SPD-Ratsherr gesteht Vergewaltigung
von amo17 | #20

Warum sind die Kommentaren hier nicht alle Richter geworden.
Ohne genaue Details zu kennen können sie qualifiziert darlegen, dass das Strafmaß nicht korrekt ist.

17.06.2011
14:11
Essener SPD-Ratsherr gesteht Vergewaltigung
von oldbaer | #19

Ist ein Ratsherr schlimmer als ein Normalbürger? Warum wird das extra betont? Solche Schweine müssen hart bestraft werden.

17.06.2011
14:08
Essener SPD-Ratsherr gesteht Vergewaltigung
von stranger.73 | #18

Die ungenaue Beschreibung lässt Platz für Spekulationen. Was genau sind üble Misshandlungen? Peitschenhiebe?

Es werden in Deutschland ja auch Leute mit Bewährung belohnt, die anderen gegen den Kopf treten (und Schlimmeres).

17.06.2011
14:06
Blockierter Kommentar.
von dutsche | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4774199/create

Aktuelle Fotos und Videos
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
30. Pfingst Open Air
Bildgalerie
Festivals
Aus dem Ressort
Jäger und Landwirte retten Rehkitze in Essen vor Heuernte
Rehkitz-Rettung
Für Kitze wird die Heuernte zur Lebensgefahr, wenn die Ricke sie im Gras abgelegt hat. Die tierschutzgerechte Frühmahd, wie Jäger die Kitz-Rettung nennen, ist im Laufe der Jahre mit ständig größer werdenden Landmaschinen und schneller fahrenden Traktoren immer wichtiger geworden.
Ruhrmuseum und Kinemathek zeigen alte Krupp-Filme
Krupp
Im Rahmen der Ausstellung „200 Jahre Krupp“ haben Ruhrmuseum und Kinemathek im Ruhrgebiet sieben Kinoabende auf Zollverein und in der Lichtburg mit Filmen von und über Krupp zusammen gestellt. „In dieser Fülle hat es das bisher nicht mal im Ansatz gegeben“, sagt Museumschef Heinrich Theodor Grütter.
Foto Text