Das aktuelle Wetter Essen 9°C
Prozess

Verführung übers Internet endet mit Freispruch

29.11.2012 | 16:44 Uhr
Verführung übers Internet endet mit Freispruch
Foto: Oliver Müller

Essen. Aussage stand gegen Aussage. Und so blieben der Jugendschutzkammer am Landgericht Essen Zweifel an der Schuld des 25 Jahre alten Essener Angeklagten. Es sei ihm nicht nachzuweisen, dass er wirklich wusste, wie jung die heute 15-jährige Gelsenkirchenerin war, als er sexuell mit ihr verkehrte.

Tatsächlich war sie im Frühjahr 2011 erst 13 Jahre alt, jegliche sexuelle Handlung mit ihr ist deshalb nach dem Gesetz strafbar. Aber wissen muss es der Täter schon, dass er ein Kind vor sich hat. Über die Internet-Plattform „Schüler VZ“ hatten die beiden sich kennengelernt. Irgendwann vereinbarten sie ein Treffen, und die Gelsenkirchenerin besuchte den weich und jung wirkenden Essener in dessen Wohnung.

Es kam zu sexuellen Kontakten, die sie eigentlich nicht wollte. Gewalt oder Zwang war nicht im Spiel. Zwei Wochen später kam die 13-Jährige erneut zu ihm. Das sei aber nur geschehen, weil er drohte, schlecht über sie zu reden. So wolle er verbreiten, dass sie mit ihm geschlafen hätte, was tatsächlich nicht der Fall war.

Belästigungen folgten

Danach lehnte sie jeden weiteren Kontakt ab, fühlte sich von dem Älteren aber weiter bei Facebook belästigt. Um diese Stalkerei zu unterbinden, ging sie später zur Polizei. Auf Nachfrage sagte sie, der Angeklagte habe natürlich gewusst, dass sie erst 13 Jahre alt sei. Er selbst hätte sich zudem als 17-Jähriger ausgegeben.

Der 25-Jährige hatte jeglichen Kontakt zunächst strikt bestritten. Im Gegenteil, das Mädchen sei wohl sauer, dass er ihre Liebe verschmähe. Erst nach und nach gab er immer mehr zu, räumte am ersten Prozesstag auch die sexuellen Handlungen ein. Aber der Vorwurf, er habe das Alter des Mädchens gekannt, stimme einfach nicht. Nachzuweisen sei ihm dieser Vorwurf auch nicht angesichts der sich widersprechenden Aussagen, sagte Richterin Luise Nünning. Freispruch hatten auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragt. Die Nebenklageanwältin, die das Mädchen vertrat, akzeptierte den Freispruch.

Stefan Wette



Kommentare
Aus dem Ressort
Stadt Essen will Standards für Asylheime festschreiben
Flüchtlinge
Der Sozialausschuss kommt am heutigen Donnerstag zu einer Sondersitzung zum Thema Asyl zusammen: Es soll um feste Qualitätsstandards für Flüchtlingsheime und um eine verlässliche Kontrolle gehen. Die Partei-Piraten fordern gar einen „Heim-TÜV“.
Gutachten im Brustkrebs-Skandal entlastet Essener Radiologen
Brustkrebs-Skandal
Im Brustkrebs-Skandal um den Essener Radiologen Dr. Karl-Georg Krüger hat die Staatsanwalt den Fall einer Patientin untersuchen lassen. Der Gutachter spricht Krüger von den Vorwürfen frei. Unterdessen weist der Geschäftsführer des Huyssensstift den Verdacht gezielter Patienten-Verschiebung von sich.
Die Zukunft des Traditionscafés Overbeck ist weiter ungewiss
Traditionsbetrieb
Drei Wochen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens sparen die Kunden auf der Kettwiger Straße in Essen nicht mit aufmunternden Worten. Doch ob das Café Overbeck die drohende Pleite abwenden kann, ist derzeit offen. Ein neuer Betreiber wird noch gesucht. Bis Ende des Jahres geht der Betrieb weiter.
Freie Fahrt zur A 40 - Stadt und Tüv Nord legen Streit bei
A 40
Dem Bau der geplanten Erschließungsstraße zur A 40 über das ehemalige DMT-Gelände im Besitz des Tüv steht nichts mehr im Wege. Die Stadt Essen wird den notwendigen Geländestreifen kaufen. Eine Enteignung des Tüv ist nun vom Tisch und ein eineinhalb Jahre währender Streit beigelegt.
Mord an Madeleine W. - Angeklagter Stiefvater ist Psychopath
Prozess
Dem Mann, der seine Stieftochter, Madeleine W., umgebracht und in seinem Kleingarten einbetoniert haben soll, bescheinigt die psychiatrische Gutachterin vor dem Landgericht Essen „psychopathische Züge“. Er manipuliere und kontrolliere sein Umfeld, denke immer nur an eigene Interessen.
Umfrage
Die AOK hat die Qualität von Operationen in Krankenhäusern bewertet – und dabei auch Essener Häuser unter die Lupe genommen. Wie wählen Sie ein Krankenhaus aus, wenn Sie operiert werden müssen?

Die AOK hat die Qualität von Operationen in Krankenhäusern bewertet – und dabei auch Essener Häuser unter die Lupe genommen. Wie wählen Sie ein Krankenhaus aus, wenn Sie operiert werden müssen?

 
Fotos und Videos
Von Kettwig bis Kupferdreh
Bildgalerie
Luftbilder
Komm auf Tour
Video
Video