Verfall der ehemaligen Polizeischule in Essen soll gestoppt werden

Das Kammgebäude mit seinen
Das Kammgebäude mit seinen
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Marode Leitungen, feuchte Wände: Die angekündigte Generalüberholung des Standorts an der Norbertstraße, wo 400 Polizisten arbeiten, ist überfällig.

Essen-Rüttenscheid.. Gebäude und Gelände der ehemaligen Polizeischule sollen endlich saniert werden: Das bestätigte das Innenministerium auf Anfrage der WAZ. Mit einem Generalplaner werden aktuell erste Gespräche geführt. Er soll die Interessen des Eigentümers, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, dem Polizeipräsidium Essen und dem Land bündeln.

Er steht vor einer großen Herausforderung: Schließlich steht das Hauptgebäude mit seinen fünf Riegeln unter Denkmalschutz. Was auf dem Areal mit direkter Anbindung an die A52 neugebaut und möglicherweise auch abgerissen werden kann, werden die nächsten Wochen zeigen. Schon 2012 war das Gelände an der Norbertstraße auserkoren und damit eine sieben Jahre lange Debatte um den Neubau beendet worden. Damals war davon die Rede, dort u.a. die Polizeiwache Süd, die aktuell gegenüber der Messe beheimatet ist, sowie ein Trainingszentrum und die Hundertschaft unterzubringen. Ob und zu welchem Preis es dabei bleibt, wird sich zeigen. Details zu den Plänen möchte der neue Polizeipräsident Frank Richter in der nächsten Woche bekannt geben.

Ortsbesuch: Wie sich der Verfall bemerkbar macht

„Das tropft gerade nur deswegen nicht, weil draußen so schönes Wetter ist“, sagt ein Polizist und deutet auf eine etwa einen Quadratmeter große, schimmlig-feuchte Stelle an der Decke, die sich bemerkenswert Richtung Erdboden wölbt. Wir setzen die Tour durch die schier unendlichen und mit abgewetztem Holzboden ausgelegten Gänge der ehemaligen Polizeischule fort. Dort arbeiten zurzeit rund 400 Polizisten verschiedener Kommissariate und Dienststellen.

Für sie Alltag: bröckelnder Putz, gesprungene Glasscheiben, defekte Heizungen, Toiletten mit Museums-Charakter, ein längst nicht mehr für seinen Zweck genutzter Speisesaal mit stillgelegter Küche und nicht zuletzt ein durch die maroden Rohre verursachter, beißender Gestank, der einem immer wieder in die Nase steigt. Vor zwei Jahren mussten wegen Legionellen-Befalls sogar Duschcontainer aufgestellt werden. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Eigentümerin des Geländes, tauschte zwar die betroffenen Leitungen aus. Am Ende schloss man damit aber nur ein weiteres, kleines Kapitel anhaltender Flickschusterei. Alles in allem sind die teilweise denkmalgeschützten Gebäude an der Norbertstraße in einem erkennbar desolaten Zustand.

Gleiches gilt für das weitläufige Außengelände mit direkter Anbindung an die A52: Die Sport- und Tennisplätze etwa hat sich die Natur zurück erobert, sie können längst nicht mehr bespielt werden. Ein Deck des Parkhauses ist meistens aus Sicherheitsgründen gesperrt – ebenso die Kellerabgänge mancher Gebäuderiegel, an denen sich die Bausubstanz langsam löst.

Bislang blieb es bei Lippenbekenntnissen

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„Haben Sie vielleicht Interesse an einer jungen Buche?“, fragt ein Polizist, der seine Zigarettenpause unter einem entsprechend verwilderten Vordach verbringt und deutet über sich. Hätten sie ihren Sarkasmus und die der Polizei ureigene Hemdsärmeligkeit nicht, viele Beamte wären wohl längst auf die Barrikaden gegangen. Schließlich ist der Verfall an der Norbertstraße kein neues, wohl aber ein wachsendes Problem. Sogar SPD-Politikerin Hannelore Kraft war vor ihrem Amtsantritt als NRW-Ministerpräsidentin zu Besuch und befand, dass dringend etwas geschehen müsse. Bislang aber blieb es bei Lippenbekenntnissen.

Entsprechend hoffnungsfroh stimmt Heiko Müller, Kreisvorsitzender der Polizeigewerkschaft, die Nachricht des Innenministeriums, dass sich an dieser Lage bald etwas ändern soll. „Seit meiner Ausbildung Ende der Siebziger ist hier nicht mehr groß ‘was gemacht worden. Damals waren die Zustände einigermaßen okay. Heute kann man dieses Arbeitsumfeld eigentlich niemandem mehr zumuten“, sagt Müller, der dennoch betont, wie sehr den Kollegen der Standort am Herzen liegt. Nicht nur wegen dessen nahezu perfekter Lage – außerhalb von Wohngebieten, mit einem großen, abgeschotteten Gelände und verkehrlich guter Anbindung. Auch aus historisch gewachsener Verbundenheit. Müller: „Ich wünsche mir für die Kollegen eine zeitnahe Lösung – knappe Kassen können nicht seit Jahrzehnten das Argument sein. Hier geht es auch um Wertschätzung für die Arbeit, die hier geleistet wird.“ Müller lobt den Einsatz der kürzlich verabschiedeten Polizeipräsidentin Stephania Fischer-Weinsziehr, die immer wieder auf eine Ertüchtigung des Standorts gepocht und zumindest im Kleinen Verbesserungen ermöglicht habe. Ihr Nachfolger Frank Richter tritt sein Amt in Essen also gleich auf einer Großbaustelle an. Müller: „Wir freuen uns, dass auch er das Thema weit oben auf die Prioritätenliste setzt. Die bislang geführten Gespräche stimmen uns hoffnungsfroh, dass mit einem Generalplaner hier bald endlich etwas passiert.“