Verdi schießt sich auf den Kämmerer ein

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat mit einem offenen Brief an die Beschäftigten der EVV auf die aktuelle Finanzkrise der städtischen Holdinggesellschaft reagiert. Eigentlicher Adressat des Schreibens ist jedoch Stadtkämmerer Lars-Martin Klieve, an dem Verdi-Geschäftsführer Lothar Grüll massive Kritik übt. Wörtlich heißt es in dem Brief: „Herr Kämmerer, arbeiten Sie endlich auch für diese Stadt.“

Grüll weist in seinem offenen Brief daraufhin, dass die EVV, die unter ihrem Dach große städtische Tochtergesellschaften wie die Evag, die Stadtwerke und die Allbau AG vereinigt, nicht durch eigenes Verschulden in die alarmierende Finanzlage geraten sei. Die Stadt habe die EVV vielmehr über Jahre dazu genutzt, die eigene finanzielle Situation „besser aussehen zu lassen“. Grüll erinnert an den „Verkauf“ des Allbau an die EVV Ende der 1990er Jahre und an die Tunnelanlagen der U-Stadtbahn, die Anfang des Jahrtausends der Evag übertragen wurden. Die Unterhaltung kostet die Evag 17 Millionen Euro pro Jahr.

Zum Problem sei die finanzielle Situation der EVV geworden, als sich der Kämmerer erstmals 2013 geweigert habe, das Defizit der Holding auszugleichen, betont Grüll. Die Tochtergesellschaften konnten sich stattdessen aus dem so genannten Cash-Pool, einer Art Dispo-Kredit, bedienen – bis Regierungspräsidentin Anne Lütkes einschritt, weil die mit dem Bau und Betrieb des neuen Stadions betraute Grundstücksverwaltung Essen (GVE) ihren Kredit zu sehr überzogen hatte, was Grüll in seinem Schreiben allerdings verschweigt. Klieve wirft er vor, die ohnehin prekäre Situation durch Vorwürfe an die Adresse der Evag anzuheizen. Statt an einer Lösung mitzuarbeiten, gefährde der Kämmerer so Arbeitsplätze.