Verdi hält Chef-Gehälter der Stadttochter GSE für angemessen
15.11.2012 | 06:23 Uhr 2012-11-15T06:23:00+0100
Essen. Bei der Sozialgesellschaft GSE erkennt die Gewerkschaft keinen Skandal. Die Vergütungshöhe bewege sich im Vergleich mit anderen Stadttöchtern im mittleren Bereich, gute Leute hätten eben ihren Preis. Mit Unverständnis dagegen reagiert Verdi auf die Spar-Forderungen des Kämmerers.
Die Gewerkschaft Verdi hat Aufsichtsräten und Geschäftsführern der Sozialgesellschaft GSE in der Gehälter-Affäre den Rücken gestärkt. Die 170.000 Euro Jahresgehalt gingen gemessen an der Verantwortung für rund 1300 Mitarbeiter „in Ordnung“, sagte der Geschäftsführer von Verdi Essen, Lothar Grüll. Die Vergütungshöhe bewege sich im Vergleich mit anderen Stadttöchtern „im mittleren Bereich“, gute Leute hätten eben ihren Preis.
„Wir haben nichts davon, wenn die Gehälter niedriger sind und die Aufgaben nicht ordentlich erledigt werden.“ Zudem agiere die GSE etwa mit dem Betrieb von Altenheimen durchaus unter Marktbedingungen. Grüll: „Da muss ja keiner rein.“ Ob es klug gewesen sei, die Gehälter mit einem Schlag um 50 Prozent zu erhöhen, sei eine andere Frage.
Gewerkschaft fordert deutliches Wort von OB
So groß also Verdis Verständnis für die GSE-Verantwortlichen, so groß ist andererseits der Zorn über Stadtkämmerer Lars Martin Klieve. Dass Klieve die städtischen Töchter auch unter Hinweis auf hohe Chef-Gehälter pauschal zu mehr Spar-Anstrengungen aufforderte, „ist eine Unverschämtheit“, schimpft Grüll. „Für mich hat der Kämmerer seine Kompetenzen weit überschritten, wenn er sich anmaßt, das Wohl der Stadt nur übers Sparen zu definieren.“
Die Gewerkschaft fordere hierzu ein deutliches Wort von Oberbürgermeister Reinhard Paß: „Natürlich erwarten wir, dass er den Kämmerer zurückpfeift“, so Grüll, auch wenn dies wegen der Mehrheiten im Rat nicht ganz einfach sei. Der Kämmerer ist Mitglied der CDU, die zusammen mit Grünen, EBB und FDP im Rat das Sagen hat.
Der Gewerkschaft Verdi ist der gesamte Kurs der Stadt Essen nicht geheuer. Seit Jahrzehnten werde nun konsolidiert und am defizitären Haushalt laboriert, „gleichzeitig leistet sich die Stadt etwa im Kulturbereich sehr viel“, sagt Lothar Grüll. Wer eine Philharmonie baue und sich ein neues großes Museum schenken lasse, der dürfe dann nicht über die Betriebskosten etwa im Personalbereich jammern. „Die müssen dann bezahlt werden, denn der Rat wollte es doch so.“ Gerade weil Essen in mancher Hinsicht auf großem Fuß lebe, sei der Ratsbeschluss, 1000 Stellen zu streichen, nach Ansicht von Verdi „ignorant“ gewesen. Grüll ließ im WAZ-Gespräch durchblicken, dass er aber auch Reinhard Paß zu sehr als Etat-Sanierer wahrnehme. Generell empfehle Verdi dem OB, sich „neben der Perspektive 2030 mehr um die Perspektiven 2012 oder 2013 zu kümmern“. Das Unbehagen an der Finanzpolitik des OB soll dem Vernehmen nach auch bei der Klausur der SPD-Ratsfraktion am Wochenende breiten Raum einnehmen.
„Die Wirkung solcher Aussagen bei den Arbeitnehmern ist katastrophal“
Der Kämmerer liege falsch, wenn er suggeriere, bei den Stadttöchtern würde zu wenig gespart. „Die Wirkung solcher Aussagen bei den Arbeitnehmern ist katastrophal“, sagt Thomas Altenbeck, Betriebsratschef der Entsorgungsbetriebe (EBE). Wenn der Kämmerer glaube, dass der Service für den Bürger mit noch weniger Mitarbeitern aufrecht zu erhalten sei, wisse er zu wenig.
„Die Arbeitsverdichtung hat jetzt schon ein enormes Ausmaß und die Leute werden ja nicht jünger.“ Der Altersdurchschnitt bei der EBE betrage 52 Jahre. Folge: „Die Krankmeldungen fliegen uns nur so um die Ohren.“ Dabei verschließe sich der Betriebsrat nicht dem Sparen. Aber dies habe eben Grenzen und erfordere den Aufbau von Vertrauen. „Klieves Forderung an die Stadttöchter, die Tariferhöhungen durch Personalkürzungen selbst zu erwirtschaften, ist da eine absolute Frechheit“, so Altenbeck, denn: „Wir können schlicht nicht mehr, und wir sind auch Bürger dieser Stadt.“
Auch Evag-Betriebsratschef Wolfgang Hausmann betonte, man wisse genau um die finanzielle Lage. „Wir wollen ja helfen, schon um unsere Arbeitsplätze zu sichern.“ Jeder Euro, der verschwendet werde, fehle woanders. Sparchancen sehe er aber nur noch durch Fusionen mit anderen Verkehrsgesellschaften, nicht mit Kürzungen bei der Evag .

06:24
Dann soll die " Verdi " mal dafür sorgen das Arbeiter so viel verdienen das es für ein Menschenwürdiges Leben reicht.....
Bis zu 18% Reallohnverlust nach Einführung des TVöD 2005 !!!
14:39
Weiter als H. Grüll am Thema vorbei kann man überhaupt nicht schwadronieren.
Hat er nicht verstanden, dass es nicht um die Gehälter der Beschäftigten auf den Arbeitsebenen geht, sondern ausschliesslich um die Gehälter in den Chefetagen?
Würden die Gehälter der Chefs in vernünftiger Relation zu den Gehältern auf den Arbeitsebenen stehen, es könnte noch Personal eingestellt und trotzdem einiges eingespart werden.
Aber, der selbstgefällige H. Grüll hat natürlich recht mit seiner Aussage: "da muss ja keiner rein."
Nur eine kleine Bitte an H. Grüll, wie hoch ist ihr karges Einkommen eigentlich so pro Jahr?
12:20
na da sorgt aber der Herr Funktionär schon mal vor. Schließlich spekuliert er vielleicht ja auch auf ein Pöstchen bei Mama Stadt. Da muß doch das vergleichbare Gehalt schon hoch sein.
12:00
ein Selbstbedienungsladen ohne Haftung!
Wie lange noch?
Das Recht auf Faulheit
Widerlegung des »Rechts auf Arbeit« von 1848
Paul Lafargue, 1883
auf Wikipedia ist das nachzulesen
ebenso ist sehr lesenwert
Lord Ralf Dahrendorf "Welt ohne Halt"
10:17
Klar die Gewerkschaftsoberen, die stecken sich ja auch gern die Taschen bei Aufsichtsratspöstchen voll. Die Gewerkschaftsbosse haben sich von den Mitgliedern genauso weit entfernt wie unsere Politiker vom Volk.
09:21
.... da darf Herr Grüll gerne bei sich anfangen ! Über Verdi muss man ja hier wohl nicht gesondert reden , denn das würde den Rahmen einiger Kurzzeilen mit Sicherheit sprengen.
Die um die Ohren fliegenden Krankmeldungen sind bei weitem nicht nur einem Alter von 52 Lebensjahren geschuldet !
Jeder strikt sich seine Erklärungen hier nach Lust und Laune zusammen . Gott sei Dank fällt darauf nicht jede Bürger rein .
09:16
Nicht die Aussage "Mehr Sparen" wirkt bei den Mitarbeiter katastrophal: Die Aussage "Gute Leute kosten nunmal was" i.V.m der 50%igen Erhöhung sind katastrophal ! Das heißt nämlich nichts anderes, dass die Malocher, die jedes Jahr mit Einkommenseinbußen abgespeist werden, alles andere als gut sind !
08:43
Politiker und DB Filz vom Allerfeinsten.Da wir sich gegenseitig schön der Rücken gestärkt.
Über den Punkt "Die Vergütungshöhe bewege sich im Vergleich mit anderen Stadttöchtern „im mittleren Bereich“, gute Leute hätten eben ihren Preis." gibt man lieber keinen Kommentar ab. Es fragt sichh, wo man die Messlatte anlegt.
Folgender Vorschlag an die Herren vom DGB und Politik.
Erst einmal durch massive Strukturreformen alle Stadttöchter geradeziehen und dann bei genanntem Gehalt fachkompetente und erfahrene Leute aus der Wirtschaft und nicht gem. Parteibuch einstellen, die auch die unternehmerische Verantwortung übernehmen!
Vor dem Hintergrund der kommunalen Überschuldung und deutlichen eforderlichen Einsparungen auf Mitarbeiterebene bei den Stadttöchtern, sind Erhöhungen der Chefgehälter dieser Güte zudem grotesk und moralisch vewerflich.
Es sind bei einigen Leuten anscheinend die Relationen verloren gegangen.... Offensichtlich herrscht Realitätsverlust.
08:29
Wenn ich meinen Chef nach ner Erhöhung frage kommt idR. die Rückfrage welche zusätzlichen Leistungen ich mittlerweile für das Unternehmen erbringe. Die Erhöhung ist unverschämt!!
08:08
Schön, daß die Chefetage mal wieder eben schnell ne Gehaltserhöhung bekommt, während zig kleinere "Lichter" seit Jahren auf ihre Beförderung warten...
Mit der Ausrede es seie kein Geld da, wird man auf die lange Wartebank gesetzt und dann liest man soetwas.
Mit welch großer Motivation geht man dann noch zum Dienst?