Verbotene Fahrt durch die Baustelle

Verkehrsrowdytum oder nachvollziehbares Kavaliersdelikt? Manch Werdener hat genug von den Baustellen - statt die Umleitungen zu fahren, heizen sie einfach durch. Ein Verhalten, das andere wiederum als „asozial” bezeichnen.

Gebeutelt fühlen sich die Werdener momentan durch die vielen Baustellen – nicht zuletzt der Tagesbruch an der Propsteistraße stellt die Anlieger vor Geduldsproben – hinzu kommen die Baustellen des normalen „Tagesgeschäfts” – wie etwa die an der Huffmannstraße, mit der seit Januar die Fahrbahn wieder instand gesetzt wird.

Die Autofahrer müssen damit Umleitungen, die um die gesperrten Straßen herumführen, in Kauf nehmen. Oder besser gesagt, müssten: Denn manch ein Anwohner hat eine vermeintlich clevere Methode entdeckt, wie er den Mehrkilometern entgehen kann.

So jedenfalls hat es der Werdener Martin Winking ein ums andere Mal beobachtet: Seit Anfang vergangener Woche ist auch die Umleitung über Kirchhofsallee und Heskämpchen gesperrt. Doch das stört nicht jeden Autofahrer. „Da entfernen sie in Seelenruhe die Baustellenabsperrungen zwischen Heskämpchen und Huffmanstraße, um dann einfach gemütlich durch die Baustelle durchzufahren”, bestätigt er kopfschüttelnd. Noch gehe das, weil bisher nur am Straßenrand gearbeitet werde und nicht auf der Fahrbahnmitte. Verkehrsrowdytum in Werden – etwas, das er früher nicht für möglich gehalten hätte.

In der Stadt ist dieses Problem bekannt – und durchaus nicht nur an Baustellen in Werden. „Wir sind darüber informiert.” Frank Winkler, Fachgruppensprecher für Baumaßnahmen im südlichen Stadtgebiet: „Natürlich gehen wir solchen Informationen sofort nach und lassen die Absperrungen wieder an ihrem Platz aufstellen.” Martin Winking bestätigt: „Immer, wenn ich die Stadt informiert habe, wurde schnell reagiert.”

Doch was haben diejenigen, die sich die Abkürzung durchs Wegstellen der Absperrungen bauen und benutzen, zu fürchten? Wenn Vandalismus festgestellt werde, informiere man zusätzlich die Polizei und versuche Anzeige zu erstatten, stellt Frank Winkler fest.

Es ist aber anzuzweifeln, dass das pure Verstellen einer Absperrung gleich als Vandalismus gewertet werden kann, wenn dabei eben nichts beschädigt worden ist. Und wer lediglich beim Durchfahren erwischt worden ist, muss mit gerade mal 15 Euro Strafe rechnen – nicht einmal einen Punkt in Flensburg gibt es laut Bußgeldkatalog für diese Ordnungswidrigkeit.

Wenn jedoch das Wegstellen der Absperrungen als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr gewertet wird, muss derjenige, der erwischt wird, laut Strafgesetzbuch sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.

Eine solche Gefährdung ist nach Winkings Einschätzung durchaus gegeben. „Für Fußgänger ist die Straße nicht gesperrt”, sagt er. „Jemand, der im guten Glauben dort entlang spaziert, wird durch Autos, die dort entlangfahren, gefährdet!”

Für Winking jedoch sind die Baustellensünder kein Einzelfall. Für ihn ist es vielmehr mehr ein Beispiel, dass „das Niveau hier massiv runter geht”, kritisiert er „sein” Werden. Halteverbote würden ignoriert, Müll zunehmend unachtsam auf den Boden geworfen, zudem ließen Hundebesitzer den Kot ihrer Tiere einfach auf den Straßen liegen.

Doch mehr Kontrollen werden nichts bringen, ist Winking überzeugt. „Da ärgert sich der, der erwischt wurde, und der nächste macht’s wieder genauso.” Er wünscht sich mehr Rücksichtnahme. „Es gibt doch klare Regeln, die man zum Wohle aller einhalten sollte.”, betont er.