Vandalen stoppen täglich über 20 Evag-Rolltreppen in U-Bahnhöfen

Dienstag, U-Bahnhof Bismarckplatz: Die Rolltreppe steht schon wieder. Leidtragende des Vandalismus sind die Fahrgäste, die viele Stufen bis zur U-Bahn runtergehen müssen.
Dienstag, U-Bahnhof Bismarckplatz: Die Rolltreppe steht schon wieder. Leidtragende des Vandalismus sind die Fahrgäste, die viele Stufen bis zur U-Bahn runtergehen müssen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
  • 243 Rolltreppen gibt es im unterirdischen Liniennetz der Essener Evag
  • Trotz modernster Technik sind die Rolltreppen vor Vandalismus nicht sicher
  • Für eine flächendeckende Kontrolle fehlt das Personal

Essen.. Bismarckplatz – immer wieder die U-Bahnstation Bismarckplatz. Schon wieder steht die Rolltreppe. Der ältere Herr mit dem Gehstock, die Mutter mit der schweren Einkaufstüte und die Seniorin mit dem Rollator stöhnen. Sie müssen mühselig Stufe für Stufe zwölf Meter Höhenunterschied überwinden, bis sie ins Freie gelangen. Und das, weil sich andere einen Spaß daraus machen, mit einfachen Tricks einen Nothalt der Fahrtreppe herbeizuführen.

Jörg Brand, Via-Abteilungsleiter für die technische Gebäudeausrüstung und damit zuständig für die 143 Rolltreppen im unterirdischen Liniennetz der Essener Verkehrsgesellschaft Evag, stellt diese Art von Vandalismus schwerpunktmäßig an Stationen fest, wo sich Schulen in der Nähe befinden. Etwa im U-Bahnhof Bismarckplatz oder an der Nordstrecke in Altenessen. Vor allem jüngere, übermütige Fahrgäste bringen die Rolltreppen zum Stillstand. Mehr als 20 solcher mutwillig herbeigeführter Ausfälle registriert das Verkehrsunternehmen durchschnittlich jeden Tag.

Notstopp-Schalter an Rolltreppen wegen Vandalismus abgeschafft

Der Schaden für die Evag selbst hält sich zwar in Grenzen, weil der herbeigerufene Stördienst die Rolltreppe in der Regel mit wenigen Handgriffen wieder in Gang setzt. Nur: Bis er vor Ort ist, können im schlechtesten Fall abhängig von der Zahl der Einsätze auch schon mal Stunden vergehen. Die Leidtragenden sind Mobilitätsbehinderte und Senioren, die auf der Treppe nicht mehr so fit sind – also gerade diejenigen, die auf den öffentlichen Nahverkehr besonders angewiesen sind.

„Technisch lässt sich da derzeit nichts mehr machen“, gibt Jörg Brand zu bedenken. Früher hatten vor allem Jugendliche eine Rolltreppe gestoppt, in dem sie einfach nur auf den für jedermann zugänglichen Notstopp-Schalter drückten. Dann musste extra ein Techniker raus, um für freie Fahrt zu sorgen. Inzwischen bieten die Hersteller nur noch Rolltreppen an, die sich wieder automatisch einschalten. Dies ist dann möglich, sobald eine Lichtschranke signalisiert, dass sich keiner mehr auf der Rolltreppe aufhält. „Denn sonst könnte es beim plötzlichen Anfahren zu einem Sturz kommen“, betont Abteilungsleiter Brand.

Kein Personal für ständige Kontrollen der U-Bahnhöfe

Die Evag hat nachgerüstet – inzwischen sind 95 Prozent ihrer Treppen mit diesem Mechanismus ausgestattet. Geholfen hat das letztlich wenig, weil es Vandalen immer wieder schaffen, einen besonderen, nicht sichtbaren Sicherheitsmechanismus zu aktivieren, der eigentlich nur dafür sorgen soll, dass keine Person eingeklemmt wird. „Und diesen Schalter muss dann unser Stördienst vor Ort wieder zurücksetzen“, erklärt Jörg Brand.

Abhilfe ist nicht in Sicht – eine ständige Kontrolle in U-Bahnhöfen ist aufgrund der Personalkapazitäten nicht möglich. Die Evag kann lediglich appellieren, mit diesen Streichen endlich aufzuhören. Evag-Sprecher Olaf Frei: „Jeder unserer Kunden sollte sich als Teil einer Fahrgemeinschaft verstehen, in der man sich nicht gegenseitig Knüppel zwischen die Beine wirft und gerade den Älteren die Mobilität noch schwerer macht.“