Uschis Abschiedsspiel in Blau-Weiß

Foto: FUNKE Foto Services

Rüttenscheid..  Viele Jahre hat Uschi de Buhr den Bewohnern des Seniorenstiftes St. Andreas in Rüttenscheid Herzenswünsche erfüllt: Hat für betagte Menschen Hubschrauberflug, Casinobesuch oder Reise organisiert. Nun, da sich die populäre Einrichtungsleiterin in den Ruhestand verabschiedete, wurde auch ihr ein Herzenswunsch erfüllt.

Zwar hatte Uschi de Buhr anders als die Senioren keinen Wunschzettel ausgefüllt, doch ihr Arbeitgeber – die Contilia GmbH – wusste wohl genau, womit man die 67-Jährige beglücken kann: Uschi de Buhr ist leidenschaftlicher Schalke-Fan, seit sie sechs Jahre alt ist. Also wurde das Seniorenstift an der Paulinenstraße an diesem Freitag für „Uschis Abschiedsspiel“ in blau-weiß geschmückt, wurde neben Kollegen und Bewohnern auch Werner Hansch als Ehrengast eingeladen. „Ich versteck’ mich“, rief die sonst so couragierte de Buhr, als der Kultreporter angekündigt wurde. Und als er sie zu sich auf die Bühne bat, seufzte sie: „Ich bin sprachlos.“

Hansch konterte trocken: „Das wäre schlecht, ich wollte mich gern ein wenig mit Ihnen unterhalten.“ Tatsächlich sollte er dann ein lockeres Interview mit ihr führen, in dem er ihre Persönlichkeit würdigte und ihren Lebensweg nachzeichnete. Uschi de Buhr ist eine Spätberufene, die erst zehn Jahre als Chefsekretärin arbeitete, sich dann zu Hause um die beiden Töchter kümmerte, bevor sie zur Altenarbeit kam.

Als die Kinder größer wurden, wuchs auch ihre Unzufriedenheit: Sie suchte eine Aufgabe, wollte aber aus Respekt vor der Arbeit mit dem Computer nicht zurück ins Büro. Der Pfarrer ermutigte sie, mit Senioren zu arbeiten, als ehrenamtliche Familienpflegerin. „Da merkte ich, dass ich alte Menschen und ihre Geschichten mag“, erinnert sie sich. Nach acht Jahren Ehrenamt, ließ sie sich erst zur Altenpflegehelferin ausbilden, machte mit 42 Jahren die Ausbildung zur Altenpflegerin.

So entdeckte die Frau, die sich den PC nicht zugetraut hatte, das lebenslange Lernen, sattelte in den Folgejahren manche Weiterbildung drauf und machte bei der Contilia Karriere. Dass sie einmal „Leiterin Pflege und Betreuung“ würde, hat de Buhr bei ihrem Start in St. Andreas vor 18 Jahren nicht geglaubt. „Es war ein düsteres, verschachteltes Haus, eingerichtet in Gelsenkirchener Barock, und ich dachte: ,Uschi, hier wirst Du nicht alt.’“

Dass es anders kommen sollte, sei auch der Contilia zu verdanken, die als neue Trägerin den lichten Neubau spendierte, in dem das Stift bis heute sitzt. Dass nun viele Menschen hier alt werden wollen, ist Uschi de Buhrs Verdienst. Herzensbildung und christliche Werte benennt sie als Basis ihrer Arbeit, beides strahlt sie aus. Dazu hat sie Humor und respektiert die Würde der (alten) Menschen, die schon bei Kleinigkeiten beginne: „Es ist wichtig, dass man anklopft oder die Bewohner siezt.“

Daneben sorgt man in St. Andreas auch immer für die großen Ereignisse, mit denen das Leben gefeiert wird. Da ist die genannte Herzenswunsch-Aktion, da sind Reisen oder die Teilnahme am Karnevalszug. Viele dieser Ideen hat Uschi de Buhrs Tochter Veronika mitgebracht, die bei einem Praktikum während des Pädagogik-Studiums Feuer fing und inzwischen auch schon seit 16 Jahren im Haus arbeitet. Auch sie sagt, dass sie Uschi de Buhr als Chefin vermissen werde; sich aber freue, dass sie als Oma nun mehr Zeit für die Enkel hat.