Unterwegs mit dem König von „Kaddernberg“
16.08.2010 | 13:56 Uhr 2010-08-16T13:56:00+0200
Essen.Er könnte nie ein Stoppenberger werden: Werner Dieker (77) ist stolz auf seinen Stadtteil und die Sanierung der ev. Kirche, das Gründerzentrum und die Denkmäler. Dennoch sieht Dieker noch Erneuerungsbedarf.
Zur evangelischen Kirche hat Werner Dieker eine besondere Beziehung: „Wie meine Urgroßeltern auch schon, bin ich hier getauft, konfirmiert und getraut worden“. In seiner Jugendzeit sei an Heiligabend keiner der 1434 Sitzplätze mehr frei gewesen, und auch heute betrachteten viele Familien die Kirche als ihre Heimat und Anlaufstelle.
Im Jahr 1999 las Dieker einen SOS-Ruf der Kirchengemeinde in der Zeitung. Im März hatte eine Wartungsfirma bemerkt, dass der Wetterhahn auf der Kirchturmspitze wackelte und der Glockenstuhl von Rost angefressen war. Dieker rückblickend: „Der Hahn wäre ‘runtergefallen, und die Kirche hätte man wohl schließen müssen.“ Deshalb nahm er sich vor: „Ich ziehe die Kirche.“ 2000 wurde ein Kirchbauverein gegründet, die Sanierungskosten mit mindestens 1,75 Millionen Euro veranschlagt. Der „Essener Konsens“ wurde mit an den Tisch geholt. Der über 100 Jahre alte romanische Bau war zwar im Laufe der Zeit mehrmals erneuert worden, dennoch fanden die Fachleute Bewuchs im Mauerwerk, poröse Steine und Fugen sowie völlig verwittertes Holz. „Ohne Werner Dieker hätten wir keinen Stein bewegt“, sagte rückblickend Dirk Treptow vom Gemeindeamt. Gestartet wurde eine nicht alltägliche Spendenaktion, bei der allein Dieker 1,2 Millionen Euro zusammentrug, darunter von wichtigen Sponsoren wie Sparkasse, Viterra und Goldschmidt.
Die Kirche und das benachbarte Stadtteilzentrum Kon-Takt seien wichtige Treffpunkte, für den Markt wünscht er sich mehr Frischewaren.
„Auch wenn schon vieles erreicht wurde: Katernberg ist ein Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“, stellt Werner Dieker gleich zu Anfang klar. Und räumt mit einem Irrglauben auf: „Natürlich freuen wir uns über das Weltkulturerbe, wir profitieren ja u.a. touristisch von ihm. Aber der Kern von Zollverein liegt nun einmal auf Stoppenberger Gebiet.“
Die Aufarbeitung der Katernberger Geschichte beginnt mit einem Irrtum. Als die Katernberger Bürger 1950 auf ihrem Marktplatz den 800. Geburtstag ihres Heimatortes feierten, hatten sie sich zu früh gefreut, denn der erste urkundliche Hinweis bezog sich auf Katernberg bei Elberfeld. Erst eine im Jahre 1220 entstandene Urkunde, die nach dem Zweiten Weltkrieg wiedergefunden wurde, weist auf den Essener Stadtteil hin. Es ist die große Vogteirolle des Grafen Friedrich von Isenberg-Altena aus dem Fürstlich Bentheimischen Archiv zu Rheda.
Die Zeche Zollverein änderte mit ihrer Gründung 1847 das Leben in Katernberg grundlegend. Die Zeche kaufte komplette Bauernhöfe mit ihrem Grundbesitz auf. Am Ende gehörte fast ganz Katernberg der Zeche. Sie entschied, wer hier leben und arbeiten durfte. Die Bevölkerungszahlen von Katernberg explodierten: Wurden 1815 nur 371 Seelen gezählt, waren es 1868 schon 1755 und 1900 bereits 15 376 Einwohner.
Werner Dieker arbeitete selbst von 1947 bis 1963 auf Zollverein. Mit dem Rückzug des Bergbaus Mitte der 80-er Jahre des letzten Jahrhunderts sei die Angst in Katernberg umgegangen: „Viele befürchteten, dass der Ort ausbluten könnte. Es ging vor allem um attraktiven Wohnraum und darum, junge Leute an den Stadtteil zu binden.“ Diese „soziologische Durchmischung“ mit Eigenheimen gelang. Dieker ist fest davon überzeugt, dass „es sich lohnt, hier zu wohnen“.
Auf das Auslaufen des Bergbaus wurde auch mit unkonventionellen Wegen reagiert. Die von den örtlichen Geschäftsleuten ins Leben gerufene „Katernberg-Konferenz“ erfuhr bundesweite Beachtung. „Die Weichen für die Zukunft zu stellen“, hatten sich die Gründer auf ihre Fahnen geschrieben und holten fortan wichtige Entscheidungsträger an einen Tisch. Ein „Kind“ der „Katernberg-Konferenz“ ist auch das Gründerzentrum Triple Z auf dem Zollverein-Schachtgelände 4/5/11. Seit Anfang an, von 1996 an, ist Dieker hier Aufsichtsratsvorsitzender. Heute zieht er Zwischenbilanz: „Dass wir jetzt schon im 13. Jahr schwarze Zahlen schreiben, darauf bin ich stolz. Triple Z ist das ökonomische Herz von Zollverein.“ Das Betriebskonzept setzt auf die Ansiedlung eines breiten Branchenmixes. Derzeit nutzen rund 85 Unternehmen mit rund 500 Beschäftigten das Zentrum. Unter ihnen finden sich klassische Handwerks- und Produktionsbetriebe ebenso wie Dienstleister aus den Bereichen IT, Kommunikation, Design und Gesundheitswirtschaft. Und Triple Z bleibt auf Expansionskurs.
„Mit den Katernbergern kann man gut reden“
Werner Dieker, mit 77 Jahren ein Katernberger Urgestein, startete 1979 seine kommunalpolitische Laufbahn in der Bezirksvertretung VI, 1987 kam er in den Stadtrat. 2004 nahm er Abschied von der Kommunalpolitik, aber gefragt ist sein Rat immer noch, vor allem, wenn er über den Markt bummelt, was oft ein längerer Termin wird. Besonders am Herzen lagen ihm die Sanierung der evangelischen Kirche, die Umgestaltung des Marktplatzes, der Wohnungsbau und das Zusammenleben von deutschen und ausländischen Bewohnern: „Mit den Katernbergern kann man gut reden.“ Und wie klappt das Miteinander von Deutschen und Nichtdeutschen? Er antwortet salomonisch: „Es gibt immer gute und faule Kartoffeln.“ Dann fügt er schnell hinzu: „Ich war gegen die Moschee, aber heute finde ich, dass sie ein Gewinn für den Stadtteil ist.“
Stolz ist Dieker auf die Katernberger Denkmäler. Dazu gehören die Polizeiwache und die Werksfürsorgestation 1 der Zeche Zollverein, die 1938 Architekt Fritz Schupp auf dem umgestalteten Bauernhof Schulte auf der Hege schuf. Hier berieten die Fürsorgerinnen die Bergmannsfrauen und halfen bei Anträgen auf wirtschaftliche Beihilfen. Es gab aber auch Mütterberatung, Kinderbetreuung und Nähkurse. Auch die Meerbruchstraße, in der Werner Dieker geboren wurde, steht unter Denkmalschutz. Die eingeschossigen Gebäude entstanden zwischen 1890 und 1895 und gelten als wichtiges Dokument der Lebensverhältnisse der Bergbauarbeiter seit 1860.
Gefragt war Diekers Rat auch bei den Traditionskickern der Sportfreunde Katernberg, u.a. im Förderverein: „Als kleiner Junge fuhr ich mit dem Bus schon bis nach Münster mit.“ Sportlich erlebte der Verein eine Berg- und Talfahrt, immer wieder ging es um Schuldenberge. Den größten sportlichen Erfolg feierte man 1948, als die Sportfreunde als Vizemeister der Oberliga West an der Endrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft teilnahm, gegen Eintracht Braunschweig aber mit 1:2 unterlagen. Die Chronik berichtet von dem ungewöhnlichen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg: „Da sportliche Betätigung in den Vereinen von den Besatzungsmächten noch nicht erlaubt war, ließ Gustav Aßmus seine Jugend als Mannschaft „Suppengrün“ auftreten, die gegen „Aschenkippe“ (Schalke 04) und Mannschaften mit ähnlichen Namen spielte.
Werner Dieker, den sie auch den „König von Kaddernberg“ nennen, macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Meine Heimat ist Katernberg, ich könnte nie ein Stoppenberger werden.“
11:54
Zu Kommentar 43 von Petra Menze , am 23.10.2010 um 12:43
ZU 26 und 27.Du hättes Dir mal dort Freunde gemacht
Das sind wenn nur alles Geschäftsverbindungen
und
wer den größten Nutzen bring ist der FREUND !
Die Zeiten von Old Shatterhand und Winnetou sind vorbei.
Aber nichts desto Trotz sammele ich die Figuren von Hauser Elastolin. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
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11:47
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11:44
Zu Kommentar 43 von Petra Menze , am 23.10.2010 um 12:43
NEIDINGSWERK
Dabei handelt es sich um eine schimpfliche und zutiefst verächtliche Handlung.
Mit der Sparkasse und der Politik im Rücken ist in Deutschland alles möglich.
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11:42
Das ist immer wieder das gleiche Vorurteil, Umsatz auch hoher Gewinn.
Nur leider falsch es verdienen Banken, Steuerberater und andere verkrachte Existenzen halten auch die Hand auf .
Dann brauch man nur noch einen Geschäftspartner (?) der betrügt und die Firmen ausblutet. Verdeckte Gewinnausschüttung und alles schön steuerfrei in die eigene Tasche.
Oder Provisionen in Höhe von 400.000 DM die eigentlich den Firmen zu stehen, aufs Privatkonto auch steuerfrei fließen lässt.
usw.
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20:25
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12:43
ZU 26 und 27.Du hättes Dir mal dort Freunde gemacht.Und wenn Du soviel Häuser gebaut hast,dann muß Du doch auch Geld in hülle und fülle haben.Und warum haben sie Dir das Haus Zwangsversteigert ,wohl kein Geld mehr gehabt,auf zu großen Fuß gelebt,was?oder so.
22:56
Zu Kommentar 36 von ralf , am 14.10.2010 um 09:16
Sie sind ein Held !!!
DANKE !!!
Helden stehen in einem Gegensatz zum Schurken oder Neiding !!!
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18:32
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18:11
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