Unterwegs im Namen des Herrn

Charlotta (11), Charlotte (12) und Jasmin (13) von der Rüttenscheider Gemeinde St. Ludgerus und Martin liefen bei ihrem Sternsingen offene Türen ein.
Charlotta (11), Charlotte (12) und Jasmin (13) von der Rüttenscheider Gemeinde St. Ludgerus und Martin liefen bei ihrem Sternsingen offene Türen ein.
Foto: Funke Foto Services
In diesen Tagen sind hunderte Sternsinger in Essen auf Tour. Zumeist rennen die jungen Botschafter der Gemeinden offene Türen ein.

Essen..  Mies ist das Wetter an diesem Samstagvormittag, die Luft ist kalt, der Wind pfeift und dann regnet es auch noch. Gott sei Dank scheinen die Rüttenscheider ihre Sternsinger mehr zu mögen als Petrus das tut – denn wo immer Charlotta (11), Charlotte (12) und Jasmin (13) auf ihrer Tour eintreten, steht ihnen ein warmer Empfang bevor.

„Guten Tag, dürfen wir singen?“, stellt Charlotta eigentlich nur noch der Höflichkeit wegen die Eingangsfrage. Die wird auch im Edeka-Markt an der Rüttenscheider Straße bejaht. Die Kassiererin weiß zunächst nicht recht, wie sie angesichts der wartenden Kunden reagieren soll, doch schnell schaltet sich eine Kollegin ein.

So gut wie überall, wo die drei Mädels der Gemeinde St. Ludgerus und Martin mit ihren goldenen Pappkronen, den Gewändern und Mänteln, dem Stab mit rückseitigem Spickzettel, der Sammelbüchse und vor allem der Segensbitte auftauchen, ernten sie ein Lächeln. Geschätzte 40 Mal wird das Trio, wie die rund 30 anderen Mädchen und Jungen aus ihrer Gemeinde auch, bis zur Mittagspause singen.

„Schämen? Wieso denn?“, antwortet Charlotta ein bisschen entgeistert auf die Frage nach den Schwellenängsten. Sie und ihre Mitstreiterinnen sind Sternsinger-Profis, haben schon einige Dreikönigssingen hinter sich. „Es hat uns mal jemand aus einer Kneipe geschmissen, aber so etwas passiert fast nie“, berichtet Jasmin, bevor sie die nächste Ladentür aufstößt.

Kinder sammeln für Kinder

Die Mädels sind unbeirrbar. Sie lassen sich weder von der Hintergrundmusik im „Eigelstein“ aus dem Konzept bringen, noch von den vielen Gästen im „Miamamia“ oder vermutlich nicht-christlichen Geschäftsinhabern auf ihrem Weg. „Man muss einfach stehen bleiben und singen, am Ende spenden die meisten Leute doch etwas“, kommentiert Charlotta. Fünf Euro sind das im Schnitt. Motivieren muss man die Mädchen nicht, das schafft das Prinzip „Kinder sammeln für Kinder“. In diesem Jahr geht das Spenden-Geld auf die Philippinen. Jugendleiterin Shari Gleisenberg ist eine der Sternsinger-Organisatorinnen in Rüttenscheid. „Wir zeigen Filme über die Verwendung der Gelder. Es ist toll zu wissen, wo die Spenden hingehen“, erläutert sie. Auf geschätzte 6000 Euro werden die kleinen Könige von St. Ludgerus und Martin nach drei Tagen kommen.

Wer dies „Tausch-Geschäft“ nur von der Empfängerseite aus betrachtet, wird ihm nicht gerecht. Pastor Oliver Scherges erläutert: „Wir können gar nicht so viele Kinder losschicken, um die ganzen privaten Haushalte ohne Vorbestellung zu besuchen“, sagt er. Denn „seine“ Sternsinger, die drei Tage lang u.a. auch in Seniorenzentren unterwegs sind, sind auch so etwas wie Botschafter, ein Kontakt mit der Gemeinde und mit einem aktiven christlichen Leben, wo sonst Berührungspunkte fehlen.

„Ich war früher selbst Sternsinger und möchte darauf gar nicht verzichten“, berichtet der Rüttenscheider Friseur Helmut Sondermann, dessen Geschäft auf der Route von Charlotta, Charlotte und Jasmin liegt. Gut, dass es Mädchen und Jungen wie sie gibt.

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