„Unsere Streiche bleiben unter uns“

Moltkeviertel..  Dass die 18 älteren Herren, die sich im „Haus Wilmes“ trafen, zum letzten Mal vor 60 Jahren gemeinsam die Schulbank drückten, mag man beinahe nicht glauben: Sie schnattern durcheinander, tauschen Erinnerungen aus, lachen. Wie echte Schuljungs eben. Und obwohl ihr letzter Schultag an der Realschule Essen-Süd schon über ein halbes Jahrhundert zurückliegt und die Klasse sich seitdem regelmäßig trifft, scheint der Gesprächsstoff noch lange nicht ausgegangen zu sein. So mancher Streich an strengen Lehrern ist den Herren noch in lebhafter Erinnerung geblieben – erzählen will die verschworene Gemeinschaft nur wenige davon.

Gute Fußballer

Ruppiger ging es damals in der Schule auf jeden Fall zu: Die Prügelstrafe stand noch auf der Tagesordnung. Nichtsdestotrotz werden die rüstigen Rentner beinahe romantisch, wenn sie von ihrer Schulzeit erzählen.

„Wir hatten zum Beispiel eine hervorragende Klassenfußballmannschaft“, erinnert sich Klaus Holtstein. Auch die Erinnerungen an die Abschlussfahrt – inklusive verbotenem Alkoholkonsum – sind ihm noch in Erinnerung geblieben. Der 78-Jährige organisiert seit langem die Klassentreffen, „hält die Truppe zusammen“, wie er selbst sagen würde. Keine leichte Aufgabe – denn die Klasse ist mittlerweile weit verstreut. Holtstein selber reiste aus dem Augsburger Raum an, andere Klassenkameraden hat es in wiederum andere Winkel Deutschlands verschlagen und einen sogar bis nach Mittelschweden. Warum alle auch nach 60 Jahren noch anreisen? „Wir sind einfach eine gute Gruppe“, sagt Klaus Holtstein. Mobbing gab es damals nicht, und auch von der gemeinsamen Schulzeit abgesehen, scheinen die ehemaligen Klassenkameraden auf einer Wellenlänge zu sein, wie der Umgang miteinander zeigt. Auch an der Berufswahl zeigt sich die erstaunliche Homogenität der Gruppe: Viele haben noch das Abitur nachgeholt und studiert, die meisten haben den Weg in die Ingenieurwissenschaften eingeschlagen oder sind Lehrer geworden. Ein paar andere haben jedoch auch etwas außergewöhnlichere Karriereverläufe vorzuzeigen: Einer der ehemaligen Realschüler wurde Pilot bei der Bundeswehr, ein anderer Vorstandsvorsitzender eines großen Unternehmens.

Wie in alten Tagen zusammensitzen und plaudern, das können die Klassenkameraden nach wie vor. Dass ein 60-jähriges Klassentreffen etwas ganz Besonderes ist, dessen sind sie sich bewusst – und sichtlich stolz darauf.

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