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Generationen-Kult-Haus

Unperfekthausgründer öffnet Mehrgenerationenhaus in Essen

24.01.2012 | 19:18 Uhr
Von der Dachterrasse des Generationen-Kult-Hauses hat Bauherr Reinhard Wiesemann einen guten Blick über die nördliche Innenstadt – und weit darüber hinaus. Foto: Matthias Graben

Essen.  Reinhard Wiesemann hat das Generationen-Kult-Haus eröffnet. Wohnungen und Wohngemeinschaften verteilt auf vier Etagen sollen Jung und Alt dort einander näher bringen. Wiesemann plant bereits zwei weitere Projekte – unter anderem ein „Clubs-Haus“ in einer Immobilie an der Ecke Rott-/Kronenstraße.

Es ist nicht lange her, da wären sie bei der Interessengemeinschaft Nördliche Innenstadt ob solcher Nachrichten in tiefe Depression verfallen. Ja, es geht nicht voran im Quartier rund um die Kreuzeskirche. Die Hoffnung, dass es doch noch etwas wird mit dem Abriss des maroden Parkhauses an der Rottstraße und einem städtebaulichen Neuanfang, will der Vorstand nicht aufgeben. Die Hoffnungen ruhen auf dem Allbau. Abhängig machen will sich die Interessengemeinschaft davon nicht. Die Erneuerung der nördlichen Innenstadt „muss von innen heraus kommen“, sagt Vorstandsmitglied Frank Baumeister und freut sich, „dass wir Reinhard Wiesemann in unseren Reihen haben“.

Generationenkulturhaus

Wiesemann, der 2005 schon mit dem Unperfekthaus an der Bert-Brecht-Straße ein eher unkonventionelles Projekt in Angriff nahm, stellte gestern sein Generationen-Kult-Haus (Ge-Ku-Haus) an der Viehhofer Straße vor. Wohnungen und Wohngemeinschaften verteilt auf vier Etagen sollen Jung und Alt einander näher bringen, Berührungspunkte schaffen zu den Mietern, die in der Ladengemeinschaft (Erdgeschoss) Verkaufsflächen haben, und den Co-Workern mit Büro in der fünften Etage. Leben und Arbeiten in Gemeinschaft in der nördlichen Innenstadt.

Weitere Aufträge folgen

Mehr Verantwortung übernehmen

In nicht allzu ferner Zukunft könnte eine Schlagzeile in dieser Zeitung so lauten: „Szene-Viertel läuft Rüttenscheid den Rang ab“. Zugegeben, davon ist die nördliche Innenstadt noch weit entfernt. Ja, die „Nord-City“ ist noch kein Kreativ-Viertel, aber sie kann es werden. „Man muss es halt machen“, sagt Reinhard Wiesemann, der Ideen und auch das nötige Kleingeld mitbringt. Sein Pioniergeist sollte ansteckend wirken. Ladenlokale sind günstig zu haben im Quartier. Dies darf die Stadt nicht aus der Verantwortung entlassen. Rund um die Kreuzeskirche muss sich etwas bewegen. Niemand will sein Gesicht verlieren, nicht der Projektentwickler Klaus Wolff, nicht der Allbau-Chef und auch nicht Oberbürgermeister Reinhard Paß.

Anfangs kritisch beäugt meldeten sich beim GeKu-Haus-Architekten Rainer Alt zwischenzeitlich weitere Hausbesitzer aus dem Nordviertel. „Einen Auftrag für eine Gebäudeerweiterung und Sanierung habe ich fest, einen anderen in Aussicht.“ Alt führt das aufkeimende Interesse an der Nordviertel-Aufwertung zurück auf Wiesemanns Engagement, und die Leuchtturmwirkung des Ge-Ku-Hauses. „Kleinteilige Sachen bringen oft mehr als ein Mega-Projekt, über das sechs Jahre geredet wird, bei dem aber lange nichts passiert“, so Alt.

„Man muss es halt machen“, lautet hingegen Wiesemanns Credo. Und so macht er. Das Ge-Ku-Haus ist fertig, „das Unperfekthaus schreibt in den meisten Monaten schwarze Zahlen“, so wendet sich Wiesemann seinem neuesten Projekt zu, dem „Clubs-Haus“, einer Immobilie an der Ecke Rott-/Kronenstraße – vis-à-vis dem maroden Parkhaus Rott­straße.

„Das Haus ist gedacht für ,Clubs’, also Gruppen, die sich im Unperfekthaus fest zusammen gefunden haben und Räume suchen, in denen sie ungestört arbeiten und sich treffen können.“ Das Sekten-Info-Büro, das auch vor dem Hauskauf durch Wiesemann schon Mieter war, ist zwischenzeitlich renoviert. Einige Wohnungen sind leer gezogen, „die werden für die Clubs renoviert“. Im Dachgeschoss entsteht neuer Wohnraum.

„Memorabilium“

 Eine eher ungewöhnliche Idee mit dem Arbeitstitel „Memorabilium“ will Wiesemann im Untergeschoss realisieren. „Dort wollen wir Raum schaffen, in dem Angehörige Vitrinen mieten können, um Erinnerungsstücke von einem Verstorbenen zu deponieren und es gibt die Möglichkeit von Verstorbenen zu erzählen.“ Ob er - angesichts des Engagements im Nordviertel - Interesse hat, für den abgesprungenen Investor Wolff in die Bresche zu springen? „Ich finde die Pläne für das Projekt gut, aber mir wäre es zu normal.“

So will die Interessengemeinschaft die Stadt nicht aus der Verantwortung entlassen. Nicht im Kreuzeskirchviertel und nicht beim Zuschnitt der Parkzonen, wurden die Gebühren doch sogar erhöht. „Wir sind noch kein Künstler-Viertel, aber wir sind auf dem besten Weg dahin“, resümiert Baumeister. Stolperfallen stören da nur.

Das Kreuzeskirchviertel

 

Claudia Pospieszny, Marcus Schymiczek



Kommentare
25.01.2012
10:54
Unperfekthausgründer öffnet Mehrgenerationenhaus in Essen
von foxtrott | #1

Wiesemann ist ein Glück für die Stadt, hoffentlich kann er noch viele innovative Ideen verwirklichen und unterstützen.

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