Uniklinikum Essen wehrt sich gegen Hygiene-Vorwürfe

Das betagte, im Kern 80 Jahre alte Haus der Kinderklinik soll in einigen Jahren durch einen Neubau ersetzt werden.
Das betagte, im Kern 80 Jahre alte Haus der Kinderklinik soll in einigen Jahren durch einen Neubau ersetzt werden.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Im Uniklinikum Essen reagiert man alarmiert auf Berichte über Hygieneprobleme. Kommission überprüft ständig die Qualität: „Keine gravierenden Mängel bekannt“.

Essen.. Eine Frau, vielleicht 70 Kilogramm schwer, betritt das Uniklinikum Essen. Sie besucht einen Patienten. Neben Genesungswünschen und Fruchtsaft hat sie ein Kilogramm Bakterien dabei, die sie im Körper trägt. „Ein Durchschnittswert, der zeigt, womit wir zu kämpfen haben. Wir sind im ständigen Krieg mit Bakterien und Infektionserregern“, sagt Prof. Jan Buer, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Hufelandstraße.

Im Uniklinikum gibt es Unruhe. Laut einem Medienbericht soll es Hygieneprobleme in der Kinderklinik geben. Von erhöhten Infektionsraten ist die Rede. Prof. Walter Popp, Leiter der Krankenhaushygiene, weist die Vorwürfe kopfschüttelnd zurück. Er gehört zur Hygienekommission, mit der die Hygienequalität im Haus verbessert werden soll. Sogar der Verbrauch von Desinfektionsmitteln wird erfasst.

Ein keimfreies Krankenhaus wird es nie geben

„Wir überprüfen uns ständig, wollen besser werden“, erklärt Dr. Kurt Werner Schmid, Vorstandsmitglied des Uniklinikums. Ein keimfreies Krankenhaus wird es nie geben. „Man wird auch nie vollständig vermeiden können, dass sich ein Patient mit einem Keim infiziert.“

In das Uniklinikum kommen schwerkranke Patienten, die andernorts oft nicht mehr behandelt werden können. „Hochrisikopatienten“, erklärt Prof. Jan Buer, der auch Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni ist. Diese bringen ebenso Erreger und Keime mit wie Angehörige, die zu Besuch kommen. „Familie tut Kranken gut. Aber je nach dem, was der Besuch mitbringt, kann er eine Gefahr für unsere Patienten darstellen. Als Infektionsrisiko“, erklärt Prof. Buer den alltäglichen Balanceakt.

Stehen noch die Vorwürfe mangelnder Hygiene im Raum. Seit 2003 hat die Uniklinik eine mit der Reinigung betraute Tochtergesellschaft, in der sie derzeit mit dem Unternehmen Klüh aus Düsseldorf zusammenarbeitet. Der Service-Dienstleister kümmert sich auch um das Catering. Die Ausgliederung reduziert Kosten.

Die Reinigungskräfte müssen heute mehr als früher leisten. Patienten haben in der Kinderklinik beobachtet, dass Pflegekräfte nachgewischt haben, nachdem Putzfrauen da waren. „Uns sind weder akute Hygienemängel noch gravierende Qualitätsmängel bekannt“, sagt der Kaufmännischer Direktor, Dr. Nicolai Kranz. „Und die Frequenz der Reinigung hat sich in den letzten Jahren sehr erhöht“, betont Prof. Ursula Felderhoff-Müser, Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde.