Uni volksnah
28.11.2008 | 17:08 Uhr 2008-11-28T17:08:00+0100
Die Universität, der Campus Essen, hat endlich die Chance, in die neue, größer werdende Innenstadt integriert zu werden.
Die Planungen auf dem Berliner Platz, die das künftige Universitäts-Viertel betreffen, werden in der übernächsten Woche mit dem Baubeginn der zentralen Grünzone in die Verwirklichung gerückt. Erst danach wird der Platz entwickelt und durch den Abriss der hässlichen Bahngleise die Anbindung der Uni an die Nordcity ermöglichen. Das bislang triste Gelände und die ramponierten Buden an der Friedrich-Ebert-Straße weichen einer Bebauung, die so rasant verlaufen soll wie die Weststadt, in der inzwischen über 1000 neue Arbeitsplätze entstanden sind.
Die Universität muss bürgernah, sie muss von den Bürgern angenommen werden. Hans Martz, der Nachfolger des agilen Joachim Melchior als Vorsitzender der Freunde und Förderer der Uni, hat Recht, wenn er den Schwerpunkt seiner künftigen Aktivität u.a. auf dieses Thema lenken will. Noch immer ist die Schwellenangst groß, obwohl Uni für Senioren, Kinderuni, Alumni-Treffen erste Hürden abbauen helfen.
Der Campus Essen bietet im Grunde viele Möglichkeiten, die Bürger in das Uni-Gelände zu locken. Die rund 20 000 Studenten müssen ebenfalls ein Interesse daran haben, sich mit den Bürgern der Stadt enger zu vernetzen. Uni darf heute kein Tabu-Gebiet, kein Ghetto sein. Uni muss offen sein für jedermann, ob Kind oder Senior. Warum nicht mal ein großes Unifest im Rahmen von Essen.Original? Warum nicht ein großes Open-Air-Konzert mit dem hervorragenden Uni-Orchester? Warum nicht eine musikalische Brücke mit der Werdener Folkwang-Hochschule schlagen? Warum nicht eine Vernetzung mit der Academy von Thyssen-Krupp wagen? Das alles muss nicht viel Geld kosten.
Wichtig ist, dass die Universität bereit ist, sich den Bürgern mehr zu öffnen als bisher. Die baulichen Voraussetzungen werden jetzt durch die Wirtschaftsförderung geschaffen - endlich verschwindet die „Bronx” und weicht einem neuen attraktiven City-Quartier.
07:07
Mit einem Uni-Fest ist es leider nicht getan. Der Campus befindet sich inmitten der Autohölle von Essen. Diese Todesschwadronen sorgen dafür, dass die Uni nur über stinkende und feinstaubbelastete U-Bahn-Schächte zu erreichen ist. Wenn es eine Schwellenangst gibt, dann die, die Bürgersteige zu verlassen oder bezüglich der Nasenschleimhäute. Eine Alternative, neben der überfälligen Verbannung der Autos aus dem Innenstadtbereich bzw. dem Bereich innerhalb der Todesringe (Hans-Böckler-Strasse & Co), wurde kläglich von den stadtoberen Autoidioten (vielen Dank auch nochmal an die Krupp-Stiftung) gegen die Wand gefahren, mit der Entscheidung die Rad-und Fußgängerbrücke über den unsäglichen Berthold-Beitz-Boulevard nicht zu bauen, nachdem man ja die bereits vorhandene Bahn-bzw. Radtrasse mutwillig zerstört hatte. Ich habe mir übrigens noch ein Motto für die Kulturhauptstadtkampagne überlegt:
Essen stinkt.