Und plötzlich sind zwei Briefkästen weg

In Schönebeck und Dellwig wurden jetzt Briefkästen abgebaut.
In Schönebeck und Dellwig wurden jetzt Briefkästen abgebaut.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In Schönebeck und Dellwig ließ die Deutsche Post jetzt Briefkästen entfernen. Ein Leser kritisiert, dass das nicht vorher bekannt gemacht wurde.

Essen.. Der Tarifstreit zwischen verdi und der Deutschen Post ist nach wochenlangen Verhandlungen endlich beendet, da fühlt sich Postkunde Klaus Heiermann (71) aus Essen-Schönebeck ebenfalls bestreikt. Zwei gelbe Briefkästen seien in den letzten Wochen ersatzlos beseitigt worden, berichtet er der Redaktion, und zwar an der Schönebecker Straße in Schönebeck sowie auf der Levinstraße in Dellwig.

Das allein sei schon bedauerlich genug. Ärgerlich sei hingegen, dass die Deutsche Post das zuvor nicht bekannt gemacht habe. „Es müsste mal eine Mitteilung erfolgen. Die Briefkästen abzubauen und keine Informationen darüber zu geben geht nicht“, sagt Klaus Heiermann.

Post-Sprecher sieht kein Problem

Die Deutsche Post bestätigt die Demontage der gelben Kästen, bestreitet aber, dadurch den Service für ihre Kunden zu verschlechtern.

Post-Sprecher Dieter Pietruck sieht im Abbau des Briefkastens an der Levinstraße 49 in Dellwig keine Problem. „Das ist schon vor einem Jahr geschehen, bisher hat es keine Reklamationen gegeben.“

Das bestreitet allerdings Klaus Heiermann: „Noch vor wenigen Wochen war der Briefkasten da. Und außerdem war er fast immer voll.“

Rechtlich alles im Pudel-V-Bereich

Anders liegt der Fall in Schönebeck, wo in der Nähe des Emmaus-Seniorenstifts ein Briefkasten mit einer Doppelkammer stand. „Das war ein altes Modell, das jetzt einen Defekt hatte. Es ist schon so alt, dass man es nicht mehr reparieren kann“, sagt Dieter Pietruck. Jetzt werde geprüft, ob der Briefkasten durch einen anderen ersetzt wird.

Im nahen Emmaus-Seniorenstift scheint den Kasten niemand zu vermissen. „Von den Bewohnern ist mir nichts zu Ohren gekommen“, berichtet Leiterin Helga Nottebohm.

Aus rechtlicher Sicht ist der Deutschen Post sowieso nichts vorzuwerfen. Denn in der sogenannten Postuniversaldienstleistungsverordnung – die von den Postlern selbst etwas spöttisch als Pudel-V bezeichnet wird – steht, dass den Kunden ein Weg von bis zu einem Kilometer bis zum nächsten Briefkasten durchaus zuzumuten ist. In Essen, so Dieter Pietruck, werde diese Entfernung bis zum nächsten Kasten – anders als in ländlichen Gebieten – bei weitem unterboten. So seien weitere Behälter in Schönebeck an der Schönebecker Straße 20 und an der Aktienstraße 120 zu finden.