„Und ewig wollen wir tanzen“

Überruhr..  Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz findet unter dem lebensbejahenden Motto „Und ewig wollen wir tanzen“ heute abend, 20 Uhr, in der Stephanuskirche ein Konzert mit der aus Polen stammenden Künstlerin Margaux Kier und ihrer Band statt.

„Margaux und die Banditen“ – das sind virtuose Musiker und eine singende Schauspielerin aus Köln. Die Chansonprogramme von Margaux Kier beinhalten polnische und deutsche Lieder die Geschichten aus dem Leben erzählen. Die melancholische, dann wieder freche und rhythmische Musik ist von der Band wunderbar arrangiert. Sie bildet den Rahmen, in den Margaux mit ihrer wandlungsfähigen Stimme hineintritt, während die Musiker mit überraschenden Partituren und Soli die Sprache für jeden verständlich machen. Für die Veranstaltung hat Margaux Kier Texte von Faye Cukier, einer in Köln geborenen Jüdin mit polnischen Wurzeln, und von Coco Schumann, dem als Ghetto Swinger bekannten Jazzmusiker, mit eigenen und geliehenen Musikstücken zusammengefügt. So entwirft die Band eine Collage, die zur Ode an das Leben wird.

Inspiriert wurde das Programm durch Begegnungen mit den beiden Überlebenden des Holocaust Faye Cukier und Coco Schumann. Sie haben bei Margaux tiefen Eindruck hinterlassen. Ganz besonders faszinierte sie der unverwüstliche Optimismus der Zeitzeugen, die mit Glück und Fantasie dem tragischen Schicksal von Millionen Juden entrinnen konnten. Zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz zelebriert sie mit den Jazzmusikern Frank Wingold an der Gitarre, Florian Stadler am Akkordeon und Daniel Speer am Kontrabass mit Improvisationen und Liedern aus der Vergangenheit das Bekenntnis: „Nichtsdestotrotz ... du bist schön, sag ich zum Leben!“

Kurz vor dem Konzerttermin entscheidet sich, ob es einen Überraschungsauftritt von Faye Cukier geben wird. Die heute 92-Jährige wuchs in Köln auf und floh mit ihrer Familie nach Belgien wo sie den Krieg überlebte. Nach dem Ende des Krieges wanderte Faye Cukier in die USA aus und arbeitete als Schauspielerin und Model. Heute lebt sie in Köln und in Philadelphia/USA, den Winter verbringt sie gerne auf Malta. Für eine Reihe von Auftritten blieb sie in diesem Winter länger in Deutschland als sonst üblich. Ihre Autobiografie hat das NS-Dokumentationszentrum Köln unter dem Titel „Flucht vor dem Hakenkreuz“ veröffentlicht. Zurzeit steht ein Dokumentarfilm über ihr Leben kurz vor der Fertigstellung. Wenn es der Gesundheitszustand der agilen Dame zulässt, ist sie bei dem Konzert dabei.