Umwelt-Initiativen wehren sich gegen „Flächenfraß“

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Der „Runde Umwelttisch Essen“ lehnt die von der Planungsverwaltung vorgelegte Liste mit potenziellen Flächen für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlungen ab. Und er kritisiert massiv die Informationspolitik der Verantwortlichen.

Die Ausweisung neuer Baugebiete könne nicht die Antwort auf die Herausforderungen sein, denen Essen sich stellen muss. Heute schon stünden mehr als 10 000 Wohnungen leer. Es bestehe also kein Grund, neue Flächen im Außenbereich auszuweisen. Das gelte auch für die Bebauung von Grünflächen im Innenbereich, hieß es anlässlich des traditionellen Neujahrsempfang des Runden Umwelttisches.

Dessen Sprecher Dieter Küpper erinnerte daran, dass Prognosen einen Rückgang der Bevölkerungszahl im Ruhrgebiet erwarten ließen. Essens stehe dabei in Konkurrenz zu anderen Städten im Revier, die versuchen durch die Ausweisung neuer Baugebiete dem drohenden Einwohnerverlust entgegenzuwirken. Dabei biete eine „maßvoll geringere Bevölkerung“ auch Chancen: „Weniger Einwohner bedeutet mehr Platz für den Einzelnen; biete mehr Vorteile wie weniger Verkehr, weniger Lärm, geringere Luftbelastung, bessere Gesundheit, mehr Freiräume und Grünflächen.“

Um Bevölkerung zu halten, gelte es bestehende Quartiere zu entwickeln und zu verbessern. Unattraktive Lagen kämen hingegen für neue Nutzungen infrage, so Flächen entlang der A 40 für die Ansiedlung von Gewerbe oder für die Umgestaltung in Grünflächen.

Die Umweltinitiative kritisieren, dass die ausgeguckten Flächen bereits bei der Aufstellung des Regionalen Flächennutzungsplanes im Jahr 2008 zur Diskussion standen. Hart ins Gericht geht der Umwelttisch mit der Verwaltung dafür, dass diese es einmal mehr versäumt habe, Bürger bei unpopulären Entscheidungen „mitzunehmen“. Diese „Geheimniskrämerei“ gehe soweit, dass selbst das Bau- und Umweltdezernat bei der Auswahl nicht beteiligt worden sei. Rute sieht hier nicht zuletzt Oberbürgermeister Reinhard Paß in der Pflicht.