Umtausch-Welle nach Weihnachten bleibt in Essen aus
27.12.2010 | 19:17 Uhr 2010-12-27T19:17:00+0100
Essen.Ein hässlicher Pullover, ein schlecht riechendes Parfüm oder wie jedes Jahr Socken von der Tante: Nach dem Fest ist vor dem Umtausch. Doch: Immer mehr Gutscheine unterm Weihnachtsbaum haben den „Umtausch-Wahn“ verhindert.
Dass der erste Verkaufstag nach Weihnachten der große Tag für Umtausch-Aktionen ist? Könnte man meinen, doch die Zeiten ändern sich. Gestern Nachmittag, kurz nach 16 Uhr: Die Innenstadt ist gut gefüllt, vor allem in der Limbecker Straße stehen die Passanten dicht gedrängt, beladen mit Einkaufstüten. Nach Schlangen mit unzufriedenen Kunden, die ihre Weihnachtspäckchen loswerden wollen, sucht man in den Buchhandlungen, Elektrogeschäften und Modeketten vergebens. Stattdessen kaufen die Essener neue Dinge oder lösen ihre Gutscheine ein.
Sollte ein Verkäufer sich weigern, einen einwandfreien (nicht defekten) Artikel umzutauschen, kann der Verbraucher nichts tun. Möglich ist es, den Artikel im Internet auf der Auktionsplattform Ebay zu verkaufen oder auf www.hitflip.de Geschenke mit anderen Nutzern zu tauschen. Wer den Weg ins Virtuelle nicht gehen mag, dem bleibt der nächste Trödelmarkt oder die Alternative des Weiterverschenkens.
Das berichtet auch Marion Hennig, Filialleiterin vom Karstadt im Limbecker Platz. Der „große Umtausch-Wahn“ wie es ihn vielleicht noch vor einigen Jahren gegeben habe, sei vorbei. „Immer mehr Kunden verschenken Gutscheine“, sagt Hennig.
Kunden können im Karstadt gegen Vorlage des Kassenbons alle Geschenke umtauschen, die noch nicht getragen oder gebraucht worden sind. Eine kulante Media-Markt-Mitarbeiterin (Gladbecker Straße) berichtet, dass alle DVDs oder CDs umgetauscht werden – auch wenn die Schutzfolie schon entfernt worden ist. Die Mayer'sche Buchhandlung, so steht es auf einem großen Plakat im Kassenbereich, tauscht Ware nur gegen Ware oder einen Gutschein, nicht aber gegen Bargeld.
Kein Umtauschrecht
Kaufrausch nach besinnlichen Fest-Tagen ist auch im Limbecker-Platz angesagt. Center-Manager Ulrich Schmitz: „Der Tag nach Weihnachten ist natürlich traditionell stark frequentiert.“ Allerdings würden die Kunden nach den Festtagen erstmal in Ruhe ausschlafen, so dass vor 12 Uhr sehr wenig los sei.
Ein offizielles Umtauschrecht für Kunden gibt es nicht. „Wenn die Ware bar bezahlt wurde und in einem einwandfreien Zustand ist, kommt es allein auf die Kulanz des Verkäufers an“, sagt Margret Schulte, Leiterin der Verbraucherzentrale Essen. Viele Händler würden aber bei Weihnachtsgeschenken Ausnahmen machen, wenn das Geschenk noch ordnungsgemäß verpackt ist. Schulte rät: Mit dem Umtausch nicht zu lange warten.
Umsatzplus im Einzelhandel erwartet
Der Vorstandsvorsitzende des Einzelhandelsverbandes Ruhr, Jürgen Bessel, ist mit dem Weihnachtsgeschäft „im Großen und Ganzen zufrieden“. Besonders beliebte Geschenke waren in diesem Jahr Schmuck, Uhren und – wenig verwunderlich – Winterbekleidung und besonders wetterfestes Schuhwerk. Beim iPhone von Apple kam es zu Lieferengpässen. Bessel rechnet im Weihnachtsgeschäft trotz Beeinträchtigungen durch Schnee mit einem Umsatzplus von zwei Prozent.
Da viele Kunden „mangels Fantasie für andere Geschenke“ Gutscheine oder Geld unter den Tannenbaum gelegt haben, glaubt Bessel, dass sich die alljährlichen Umtausche in Grenzen halten, was ein Blick in die Essener Innenstadt ja auch bestätigte.
Ein Grund für Warenumtausche war gestern nicht nur Missfallen, falsche Größe oder Farbe, sondern auch das Wetter: Eine Kundin tauscht ihren Leuchtturm-Kalender um. Sie habe es wegen der Wetterverhältnisse nicht zu ihren Verwandten geschafft. Statt bis zum nächsten Wiedersehen zu warten und das Geschenk dann zu überreichen, lässt sie sich einen Einkaufsgutschein geben, um sich selbst etwas Schönes auszusuchen.
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