Umsonst, draußen und inzwischen eine Legende

Werden..  Huch, eine Schnapszahl! Zum 33. Mal steigt am Pfingstmontag auf dem Gelände des ehemaligen Strandbads am Löwental das Pfingst Open Air. Logisch, dass die Veranstalter daher etwas ausgeben: nämlich eine ganze Packung hochwertiger Musik gratis – also dasselbe wie immer eigentlich. Die Bandbreite ist abermals groß: von Punk über Pop bis hin zum Hip Hop. Damit hält das Festival seine eigene Tradition ein.

1980 – also vor 35 Jahren – fiel der Startschuss fürs Festival, das Jahr für Jahr Zehntausende nach Werden locken soll. Am damaligen Pfingstmontag dienten noch zwei Lkws als Bühne für Bands aus der Essener Szene. Abwechslungsreich ging’s schon bei der Premiere zu: Von Bluegrass über Folk bis hin zu Jazz und Psychadelic wurde wohl so ziemlich jede Stilrichtung bedient, die damals als Rock durchging. Zu dem Zeitpunkt war das Festival noch als einmaliges Ereignis gedacht – so ist es zu erklären, dass 1981 kein Pfingst Open Air stattfand. Doch schon ein Jahr darauf stellten die Initiatoren die Weichen, um aus der Idee, ein Forum für Essener Bands zu schaffen, etwas Längerfristiges erwachsen zu lassen. Verkehrschaos und eine feiernde Menge im Löwental im Jahr 1982 gaben die Laufrichtung für die kommenden Jahre und Jahrzehnte vor.

Zuschuss vom Kulturamt

Mit Finanzschwierigkeiten hatte das Festival schon seit dem Anfang seiner Existenz zu kämpfen, und so kam es einem kleinen Quantensprung gleich, als es 1985 erstmals einen Zuschuss vom Kulturamt gab. Dafür konnte eine Überdachung der Bühne finanziert werden – auch wenn der Schock erst einmal tief saß: Denn die mit der Überdachung beauftragte Gerüstbaufirma montierte die geschlossene Rückseite zur Publikumsseite hin. Doch die Situation wurde noch in letzter Sekunde gerettet, und so konnte unter anderem Stoppok einen umjubelten Auftritt in seiner damaligen Heimat absolvieren. Damals war der Barde durchaus schon überregional bekannt. Götz Alsmann dagegen stand noch am Anfang seiner Karriere, als er 1987 beim Open Air auftrat, das diesmal jedoch gar kein Open Air war, denn wegen des miesen Wetters wurde das Festival ins Jugendzentrum Papestraße verlegt.

1992 fand mit „Chicken Takes Time” erstmals Hip Hop den Weg auf die Werdener Bühne. Außerdem begeisterten die legendären Lassie Singers das Publikum. Zwei Jahre später kam dann zum ersten Mal in der Geschichte des Pfingst Open Airs ein internationaler Top Act nach Werden: Der französische Rapper Soon E MC blieb mit seiner neunköpfigen Band nachhaltig in Erinnerung.

Die Besucherzahlen stiegen Jahr für Jahr an und erreichten 1998 einen Höhepunkt: Überfüllte S-Bahnen und Verkehrschaos waren angesagt, denn niemand geringeres als 5 Sterne Deluxe hatten sich angekündigt. Finanziell blieb es wackelig: Zwar stiegen die Sponsorengelder und auch eine Stiftung trat erstmals auf den Plan, jedoch zog sich die öffentliche Hand mehr und mehr zurück.

1999 hatte eine damals noch junge Band ihren großen Auftritt in Werden, die aktuell wieder für Furore sorgt: die Donots.

2000 drohte der Top Act zu platzen: Samy Deluxe sagte zwei Wochen vor Pfingstmontag wegen einer Verletzung ab. Für ihn rappte Ferris MC ins Mikro.

Drei Jahre später wurde die Hauptbühne, auf der zuvor noch unter anderem Superpunk (2001) und Gentleman (2002) begeisterten, erstmals durch die elektronische Wiese ergänzt, die noch heute fester Bestandteil des Festivals ist. Einige Wermutstropfen trübten das Festival 2004: Der Hauptact Mia sagte kurzfristig ab. Gerüchte besagten, dass die Sängerin Übergriffe befürchtete, denn mit ihrem Song „Was es ist” machte sich Mia Feinde in der linken Szene: Nationalismus wurde ihr damals vorgeworfen. Zudem ließ die gefährliche Anhäufung von Glasscherben die Veranstalter erstmals über Einlasskontrollen nachdenken. Deshalb waren Glasflaschen ein Jahr später tabu: Caliban, Clueso, Slut & Co. sorgten jedoch dafür, dass niemand deshalb böse sein konnte.

Das Kulturhauptstadtjahr sprengte alle Erwartungen: Über 30.000 Besucher kamen 2010 ins Löwental, um Acts wie Gisbert zu Knyphausen, Soulfly und Callejon zu erleben. Mehr sollten es nie wieder werden – auch in Folge erhöhter Sicherheitsauflagen, die nach dem Duisburger Love-Parade-Unglück auf Großveranstaltungen zukamen. Diese – und der damit verbundene erhöhte finanzielle Aufwand – sorgten dafür, dass das Festival 2011 zum ersten Mal seit 1982 ausfallen musste.

Ein Jahr später ging es weiter – mit neuen Regeln, die besagten, dass nicht mehr als 13.200 Musikfans aufs Gelände dürfen. Die hohe Fluktuation sorgte dennoch dafür, dass insgesamt 20.000 Leute das Festival besuchten.

Panik beim Pfingststurm Ela

Im vergangenen Jahr zogen dann dunkle Wolken übers Festival: Ausgerechnet beim Top Act MC Fitti brach quasi aus dem Nichts der Pfingststurm Ela übers Gelände los und beendete das Festival jäh. Etliche durchnässte Besucher mussten unter Brücken, Dächern oder Kneipen in Werden Schutz suchen – der Verkehr war lahmgelegt. Für das Jugendamt und den Rockförderverein als Veranstalter brachte das Unwetter zusätzlich finanzielle Schäden – wieder einmal stand das Festival auf der Kippe. Doch mit viel Kraft, geschickter Öffentlichkeit und einem Benefiz-Fußballspiel, für das die Kicker von Rot-Weiss Essen auf den Löwental-Platz gekommen waren, sorgten dafür, dass auch dieses Jahr am Pfingstmontag wieder in Werden gerockt werden kann – bei diesmal hoffentlich durchgängig schönem Wetter.