Umbruch bei den Essener Taxi-Genossen

Taxis am Hauptbahnhof Essen.
Taxis am Hauptbahnhof Essen.
Foto: WAZ FotoPool
Albert Mertes ist nach 28 Jahren an der Spitze der Genossenschaft in den Ruhestand gegangen. Sein Nachfolger kämpft mit Mindestlohn und Mitgliederrückgang.

Essen.. Zum Jahreswechsel hat sich fast lautlos ein Urgestein der Essener Taxi-Branche in den Ruhestand verabschiedet: Albert Mertes stand 28 Jahre lang an der Spitze der Essener Taxi-Genossenschaft E-Tax als deren Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer. Zur jüngsten Wahl trat der über 70-Jährige nicht mehr an. Ob freiwillig oder am Ende doch auf leises Drängen, dazu wollte sich die Genossenschaft nicht äußern.

Die Taxi-Genossen haben sich einen neuen Vorstand gewählt, an dessen Spitze nun Michael Rosmanek die Interessen der angeschlossenen Taxi-Betriebe vertritt. Der 61-Jährige steht dabei eher für Kontinuität statt für Neuanfang. Schließlich ist auch er schon zwölf Jahre im Vorstand an der Seite von Mertes tätig gewesen.

Taxigenossenschaft spürt den Rückgang

Dennoch übernimmt Rosmanek die Taxi-Genossenschaft in bewegten Zeiten. Seit Anfang des Jahres gilt für das Taxi-Gewerbe der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro. Er trifft die Branche in einer Zeit, in der die Unternehmen schon länger darüber klagen, dass sich immer weniger Essener ein Taxi leisten wollen.

Die Taxigenossenschaft spürt den Rückgang und den wachsenden Konkurrenzkampf auch an den Mitgliederzahlen. Zählte sie zu Spitzenzeiten bis zu 500 angeschlossene Taxen, sind es heute knapp unter 300. Auch Ende des vergangenen Jahres kehrten weitere Unternehmer mit knapp 40 Fahrzeugen der Genossenschaft den Rücken.

Giepmann hält den Verantwortlichen Arroganz vor

Aus Sicht von so manchem Taxi-Betrieb lohnt sich die Mitgliedschaft offenbar nicht mehr. Wolfgang Giepmann ist einer von ihnen, der ausgestiegen ist. Rund 60.000 Euro musste er im Jahr an Beitrag für seine Taxen zahlen, um als Gegenleistung Fahrten vermittelt zu bekommen. „Das muss man erst einmal wieder einfahren“, sagte er. Er wäre gern mit drei oder vier Taxen statt der bisher 15 in der Genossenschaft geblieben, doch die zeigte sich hart. „Genau das wollen wir nicht mehr. Entweder alle Wagen oder gar keine“, machte Rosmanek deutlich. Giepmann hält den Verantwortlichen Arroganz vor.

Möglicherweise hat sich der eine oder andere zuletzt auch wegen der Angst vor Mindestlohn-Kontrollen aus der Genossenschaft verabschiedet. 2009 hatte der Zoll Daten von Computern der Genossenschaft beschlagnahmt. Rosmanek will nicht ausschließen, dass diese Erfahrung nun neue Ängste geschürt hat.

Er kann dem jüngsten Mitgliederrückgang in der Genossenschaft sogar etwas Gutes abgewinnen. „Dann bleibt für unsere Mitglieder mehr vom Kuchen übrig“, sagte er. Man werde zwar niemanden ausschließen, aber am Ende sei die Genossenschaft „vielleicht mit 150 bis 200 Taxen lebensfähig“.

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