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Übernachten in der Betonröhre

19.11.2009 | 15:00 Uhr
Übernachten in der Betonröhre

Essen. "Parkhotel" - das ist das ungewöhnliche Projekt an der Stadtgrenze zu Bottrop. Übernachten kann man dort in großen Betonröhren des österreichischen Künstlers Andreas Strauss. Zahlen müssen die Übernachtungsgäste das, was ihnen die Übernachtung wert war.

In die Röhre gucken – das ist jedem schon passiert. In einer Röhre wohnen – das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Sich aber in einer Betonröhre wohl fühlen – das geht vom nächsten Sommer an in Bottrop-Ebel. „Parkhotel” nennt Sebastian Ortmann von der Essener Emschergenossenschaft die originelle Bleibe am Emscherstrand auf dem Gelände des ehemaligen Berne-Klärwerks gleich hinter der Stadtgrenze zu Essen.

Attraktionen links und rechts vom Kanal

Die Genossen haben die Anlage bereits vor Jahren stillgelegt. Im Zuge des Emscherumbaus entsteht hier zwischen der Autobahn und der idyllischen kleinen Bergarbeitersiedlung Bottrop-Ebel ein Park mit Gastronomie für die Anwohner, aber vor allem auch für die Nutzer des Emscherradweges. Denn das Gelände hat vor allem für Radler einen großen Vorteil: Es liegt nur wenige hundert Meter vom Bottroper Hauptbahnhof mit seinem Fahrradverleih entfernt. Ein idealer Einstieg in die Erkundung des neuen Emschertales mit seinen künftig umgestalteten Gewässern und den Attraktionen links und rechts vom Kanal.

Eine Sehenswürdigkeit wird auch das Klärwerk selbst: Das Maschinengebäude wird für ein kleines Restaurant umgebaut. Einer der Klärteiche wird zu einem für die Kulturhauptstadt angelegtes Pflanzenbeet mit rund 21000 Stauden und Gräsern, ein weiteres Becken bleibt voll Wasser mit einer schwimmenden Plattform für die Besucher. Im ehemaligen Sandlager wird ein Kinderspielplatz eingerichtet. Was noch fehlt, sind Übernachtungsmöglichkeiten für die Häupter der erschöpften Radwanderer. Und die schafft der österreichische Künstler Andreas Strauss.

Bettenburgen zur weiteren Gestaltung

Er hat schon in der gegenwärtigen Kulturhauptstadt Linz in Österreich seine Röhren hinterlassen, inzwischen aber aus der turbulenten Innenstadt in ein Nachbarstädtchen namens Ottensheim verfrachtet. Nun zweigt die Emschergenossenschaft fünf der Röhren aus der großen Emscherrenovierung im Ruhrgebiet ab und stellt sie als Bettenburgen zur weiteren Gestaltung zu Verfügung.

Und das erwartet die müden Radwanderer: Die Röhren haben einen Durchmesser von 2,40 Meter. Die Rückwand wird geschlossen, in die vordere Wand wird eine Tür eingebaut. In die Decke kommt ein Oberlicht. So wird der Mond von Wanne-Eickel, der auch in Bottrop scheint, in die Röhre strahlen. Dort wartet dann ein Doppelbett und ein Nachtlicht auf die Hotelgäste.

Ungewöhnliches Bezahlsystem

„Wir stellen zunächst fünf Röhren mit insgesamt zehn Übernachtungsmöglichkeiten auf,” berichtet Sebastian Ortmann. Sie stehen dann unter den Bäumen über dem künftigen Pflanzen-Becken, erklärt er. „Wenn das Konzept sich bewährt, könnten auch noch mehr Röhren dazukommen.” Die Betten im Parkhotel sollen von den Betreibern der Gastronomie im Verwaltungsgebäude mit betreut werden. Und das zu einem ungewöhnlichen Preis. „Jeder zahlt das, was ihm die Übernachtung wert war,” sagt Ortmann.

Der österreichische Künstler Strauss freut sich über die Aktion im Ruhrgebiet. „Ich bin sicher schon zwanzig Mal durch den Ruhrpott gefahren”, berichtet er. „Nun habe ich die Gegend mit seinen Übergängen zwischen Industriestadt und Landschaft zum ersten Mal intensiver kennengelernt. Und bin sehr angetan.”

Gespannt sein dürfte er, wer hier als Erster in seine ungewöhnlichen Koje nächtigt.

Bernd Drescher

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