Über Ruhrallee-Tunnel „ganz neu denken“
20.09.2010 | 19:47 Uhr 2010-09-20T19:47:00+0200
Essen. Die Positionen sind klar: Der Landesbetrieb „Straßen.NRW“ treibt das Linienbestimmungsverfahren für den Bau des Ruhrallee-Tunnel voran. Die Bürgerinitiative „Wege für Essen“ (BI) mahnt dagegen zur Aufgabe der Tunnelpläne.
Erstmals saßen beide Parteien nun an einem Tisch; dabei äußerten die BI-Mitglieder Georg Nesselhauf und Klaus-Dieter Bußmann durchaus Verständnis für die Position des Landesbetriebs, dessen originäre Aufgabe es sei, Straßen zu bauen. Doch: „Wir denken, dass wir modernere Verkehrskonzepte brauchen und nicht Pläne aus den 60er Jahren umsetzen sollten. Man muss da ganz neu denken“, betonte Bußmann.
Nach der neuesten Verkehrsplanung des Landesstraßenbetriebes NRW ist das Thema „Ruhrallee-Tunnel“ wieder auf der Tagesordnung in Essen: Seit einigen Wochen diskutieren die in vielen betroffenen Stadtteilen lebenden Menschen über den Weiterbau der Bundesautobahn A 44 zur A 52 als Tunnel. Vor zehn Jahren hat sich der Rat der Stadt mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP schon einmal für einen Ruhrallee-Tunnel ausgesprochen - nun muss er im November nochmals eine Empfehlung zum Ausbauplan beschließen. Diskutieren werden am heutigen Dienstag in der VHS Bürgermeister Rolf Fliß (Grüne), die Ratsherren Rainer Marschan (SPD), und Norbert Schick (CDU), Alfred Lützler (Straßen.NRW) und Georg Nesselhauf (BI) ab 21 Uhr im Großen Saal der VHS am Burgplatz 1. Der Eintritt ist frei.
Allein: Eine Lösung muss her. Mit dem A44-Lückenschluss zwischen Velbert und Ratingen kommen ab 2017, so rechnen Verkehrsgutachter, 15 000 Fahrzeuge zusätzlich auf der ohnedies überlasteten Strecke an.
Am Rande der Leistungsfähigkeit
„Man darf aber nicht nur den Teilabschnitt Ruhrallee sehen“, mahnte Bußmann und weiter: „Wir haben es hier mit einer Transitautobahn mitten durch die Stadt zu tun, die A3 und A43 verbindet. Auch wenn das in den Genehmigungsverfahren fatalerweise in neun Teilstücke gegliedert ist.“ Der prognostizierte Mehrverkehr jedoch, so betont Jörg Reißing, Projektleiter Straßen.NRW, sei nur ein Grund mehr für die Tunnellösung. Aus Sicht seiner Behörde, die im Auftrag des Bundes plant, die einzige Lösung, den Mehrverkehr aufzufangen.
Womit noch ein Streitpunkt auf die Tagesordnung kam: Die Verkehrszahlen. Geplant ist, die Ruhrallee im Zuge des Tunnelbaus von derzeit zwei auf eine Fahrspur zurück zu bauen. Derzeit rollen 65 000 Fahrzeuge täglich über die Strecke, wenn der Tunnel da ist, sollen es oberirdisch noch 30 000 Fahrzeuge sein – derweil 50 000 durch den Tunnel geführt werden. „Damit“, so Bußmann, „kalkuliert Straßen.NRW von Anfang an am Rande der Leistungsfähigkeit des Tunnels und der Straße.“
BI äußert Befürchtungen
Reißing betonte, der Tunnel sei in der geplanten Auslegung leistungsfähig genug. Die Einspurigkeit der Ruhrallee sei ebenfalls unproblematisch zu sehen. Der Zufluss solle nach den Plänen von Straßen.NRW mit Hilfe von Einbahnstraßen durch die angrenzenden Wohngebiete sowie durch Ampeln geregelt werden.
Zwischen Nordportal, also dem Tunnel-Ein- und Ausgang, und der A52-Anschlussstelle sei darüber hinaus vorgesehen, den oberirdischen sowie den aus dem Tunnel kommenden Verkehr, geschätzt rund 60 000 Fahrzeuge, dreispurig Richtung Innenstadt über die Brücke zu leiten. Platz genug sei dort, 20 000 Fahrzeuge würden schließlich gar nicht an die Oberfläche kommen, sondern durch den Tunnel direkt auf die A52 geleitet.
Stau wird verlagert
Die BI äußerte jedoch Befürchtungen, damit werde der Stau lediglich an die Kreuzung Kronprinzenstraße verlagert. Reißing winkte ab: Zäh fließender Verkehr auf der Ruhrallee entstehe nicht am Autobahnkreuz zur A52, sondern resultiere meist aus den Rückstaus, die sich an Marie-Juchacz- und Westfalenstraße bildeten.
Die Befürchtungen der BI, Häuser im Bereich des Nordportals müssten fallen, um Platz zu schaffen für die Tunnel-Aus- und Einfahrspuren, teilt Reißing nicht. Der Anschluss an die A52 erfolge schließlich unterirdisch. „Nach den anerkannten Regeln der Technik“, also unter Einhaltung der Sichtbeziehungen und Wechselspurlängen, lasse sich dies kaum umsetzen, gab jedoch Bußmann zu bedenken.
Am Lärmschutzkonzept wird gearbeitet
In der Kritik der BI steht auch das laufende Linienbestimmungsverfahren, das ohne Öffentlichkeitsbeteiligung läuft. „Wenn einmal eine Linie bestimmt ist, dann ist die Trasse vorgegeben und es gibt keine Möglichkeit mehr, ergebnisoffen nach alternativen Lösungen zu suchen“, betonte Nesselhauf, „im politischen Prozess werden die Überlegungen dann als abgeschlossen angesehen.“
Nach Rücksprache mit Politikern, Gremien und Fachleuten sei die BI sicher, binnen drei Jahren ein tragfähiges Verkehrskonzept für den gesamten Betrachtungsraum aufstellen zu können, das binnen zehn bis zwölf Jahren umsetzbar sei. Von Staßen.NRW-Projektleiter Reißing nach Alternativideen befragt konnten Bußmann und Nesselhaufkein Konzept präsentieren.
Arbeit am Lärmschutzkonzept
Reißing betonte die Sinnhaftigkeit der Straßen-NRW-Pläne: „Alle von uns vorgelegten Varianten würden im Vergleich zum jetzigen Zustand zu einer Reduzierung der Lärm- und Schadstoffbelastungen führen.“
Die BI bezweifelt dies: Im nördlichen Bereich der Ruhrallee auf Höhe der Ahrfeldstraße werde es zu einer erheblichen Lärm- und Schadstoffzunahme kommen, weil sich dort die verkehrliche Mehrbelastung nach dem Lückenschluss am stärksten auswirke. An einem Lärmschutzkonzept, entgegnete Reißing, arbeite man. Denkbar seien Lärmschutzwände oder eine Einhausung des Portals.
17:13
Hallo Pro Ausbau A52,
die Verkehrsteilnehmer aus Burgaltendorf, Überruhr und Rellinghausen/Stadtwald, haben GAR NICHTS von dem Ruhralleetunnel, da die Stadtteile nicht angebunden werden, d.h. ES WIRD WEITERHIN Stau auf der Ruhrallee geben.
WO BITTE IST DER VORTEIL?
22:46
Schon Sie sich die Planungen mal genauer an. Straßen NRW baut eine Transitautobahn für mehr LKW´s. Der Stau wird nicht verschwinden! Spätestens vor der A52 staut sich oberirdisch weiterhin der Verkehr Richtung Süden. Nur der Mehrverkehr wird unterirdisch Richtung Stau vor der A40 gelenkt. Das Projekt ist Blödsinn und die Kosten u.a. nur 9 Miliionen für die Verpressung des Bergbaugebiets Bergerhausen sind unrealistisch.
12:32
#2: Der Tunnel soll glaub ich länger als ein Tag genutzt werden,
damit ist ihre Rechnung mit 10.000 € pro Fahrzeug hinfällig.
Und die Idee mit der Ampelschaltung klappt auch nicht.
1. Ist die Grünphase auf der Strecke Velbert-Essen Innenstadt schon so lang,
das das Queren der Kreuzung aus den beiden anderen Richtungen jetzt schon problematisch ist.
2. Ist gerade morgens auf der gesamten Ruhrallee richtung Innenstadt so viel Rückstau,
das viele schon bei der jetzigen Schaltung trotz Grün nicht über die Kreuzung kommen.
#7: Die A44 war als DüBoDo als Ost-West Tangente geplant und in diese Richtung gibt es schon die A40/A42/A2 als Alternative (und wenn sie gebaut worden wäre,
hätten wir heut zu Tage warscheinlich ein Entlastung für die A40).
Bei dem Ruhralleetunnel bzw. der A52 Weiterführung handelt es sich aber um ein Nord-Süd Tangente,
zu der es in Essen leider keine Alternative gibt.
Da sieht es in Bochum und Dortmund mit der A43/A45/A1 ganz anders aus.
#10: Hier geht es nicht um eine neue Transit-Autobahn, um durch das Ruhrgebiet zu fahren,
sondern den Verkehr innerhalb vom Ruhrgebiet zu lenken/entlasten.
Ich kann aus beruflich Gründen leider nicht den ÖPNV nutzen und brauche um Essen in Nord-Süd Richtung zu queren meistens über ein Stunde.
Mit einer vernünftigen Autobahn auf dieser Strecke wäre das warscheinlich in 10-15 minuten erledigt und von dem eingesparten Sprit und den damit vermiedenen Abgasen mal ganz zu schweigen.
#18: Dann versuchen sie mal morgens von Velbert/Kupferdreh/Überruhr aus richtung Innestadt zu fahren und nachmittags (am besten wenn die A52 auch mal wieder dicht ist) zurück. Von einer erweiterung der Strecke nach Gladbeck mal ganz abgesehen...
16:51
Wo sind eigentlich die stundenlangen und tagelangen Staus auf der Ruhrallee?
Ich wohne direkt hinter der Esso-Tankstelle an der Ruhrallee und kann viele der Argumente nicht nachvollziehen.
Natürlich sind Tage dabei, da ist mal mehr mal weniger Verkehr und es ist immer viel los aber die besagten Staus, außer es ist eine Baustelle auf der Ruhrallee konnte ich noch nicht feststellen.
Auch morgens, wenn ich um 7:45Uhr mit dem Bus in die Innenstadt fahre, komme ich immer pünktlich um meinen Zug um 08:09Uhr nach Düsseldorf zu erreichen und abends um zwischen 18:00Uhr und 19:00Uhr das Gleiche!
18:39
Das Wort muss ja wohl total böse sein. Ich trenne es mal, vielleicht klappt es dann. Ein Gut Mensch. Ich sage es auch mal auf Englisch: do gooder also ein Gutes Macher (auch wenn sich mein Deutschlehrer dafür im Grabe umdreht)
Jemand der nur das Beste will, aber damit absolutes Chaos anrichtet, weil er alle anderen zwingen will, sich seiner höheren Einsicht unterzuordnen.
18:33
Ich habe G u t m e n s c h e n tum geschrieben, warum stehen da Sterne?
Ist das Wort etwa böse?
18:32
Es wäre gut, wenn die so genannten Umweltschützer sich mal den Realitäten stellen würden. Die stundenlangen, eigentlich tagelangen Staus auf der Ruhrallee helfen weder den Anwohnern noch den Autofahrern. Sinnvolle Alternativen gibt es nicht. Der regionale und der überregionale OPNV im Ruhrgebiet ist unzumutbar. Eine Abwandlung eines gerne genutzten grünen Zitats:
Erst wenn der letzte Betrieb geschlossen ist, der letzte Stromverbraucher ausgeschaltet ist, werdet ihr erkennen, dass man von Ideologie und Gutmenschentum alleine nicht leben kann.
Gruß, BB
13:51
Ich hoffe, dass nun in die richtige Richtung weitergeplant wird, neben dem Ruhralleeetunnel auch die A52 weiter zu planen. Statt das auch die Autogegner froh wären, dass der Ruhralleestau irgendwann somit der Vergangenheit angehört, nein es wird an allen Ecken und Enden blockiert und auf sturr gestellt.
Wenns nach diesen Personen ginge, würden wir immer noch zu Fuss oder mit einer Pferdekutsche durch die Gegend ziehen.
Also, ich hoffe das die Vernunft siegen wird.
12:46
Die Gegner der Tunnellösung sollten sich einmal über die Stadtgrenzen hinauswagen und sich Straßentunnel in Velbert-Birth (A44), Langenberg (Altstadttunnel), Wuppertal (Uni-Tunnel u.Kiesbergtunnel), Düsseldorf (A44, Flughafentunnel, Tunnel Nieder-Kassel, Rheinufertunnel, Bilkertunnel A46) und Ratingen (A44) anschauen, bzw. durchfahren. Ich hatte im Übrigen an der gestrigen Veranstaltung teilgenommen. Nach den Wortmeldungen zu beurteilen, sind wohl die meisten Teilnehmen mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Mein Eindruck war allerdings ein anderer.
06:53
#2
Mal an die eigene Nase gefasst und daran gedacht, daß all die Initiativen nur Geld kosten und alles um Jahre verzögern?
#10
Das Ruhrgebiet ist aber keine Großstadt mit einem historisch gewachsenen Stadtkern, von daher ist ein Autobahnring keine Lösung. ÖPVN ist auch keine Lösung, es gibt Leute die wollen einfach nicht mit Bus und Bahn fahren und das zu Recht. Dieses Land lebt auf dem Rücken der Autofahrer, da kann man auch ein entsprechend ausgebautes Straßennetz erwarten.