Das aktuelle Wetter Essen 19°C
RWE-Erinnerungen

Über den RWE-Bazillus, Bierkisten und rote Fahnen

20.05.2012 | 20:34 Uhr
Foto: Ulrich von Born

Essen.   Für Lena Schrepper ist das letzte Punktspiel im alten Stadion das erste an der Hafenstraße überhaupt, und wer weiß, vielleicht diktiert sie in 30 Jahren mal jemandem in den Block, wie ihr Vater sie damals, anno 2012, das RWE-Fandasein lehrte. Erinnerungen an die Hafenstraße und an das alte Stadion sammelte die NRZ beim letzten Pflichtspiel.

Er war zwölf, als ihn sein Vater, ein Polizeibeamter, zum ersten Spiel an die Hafenstraße mitnahm, und damit der kleine Hans-Peter mehr vom Spiel mitbekam, stellte der sich auf eine leere Bierkiste. Danach ging’s in eine der beiden Kneipen links oder rechts der Bergeborbecker Wache, je nachdem – „nach links, wenn die Jungs schlecht, nach rechts wenn sie gut gespielt hatten“. 45 Jahre ist das jetzt her, und Hans-Peter Schöneweiß ist nicht nur beruflich in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sondern auch, was die Vorliebe für RWE angeht: Der Chef der FDP-Fraktion im Rat war in den 1970ern sogar Mitglied, verließ den Verein, weil ihn die Misswirtschaft dort ärgerte, und kehrte in den 1990ern zurück. Das Abschiedsbier aufs alte Stadion trank er am Wochenende im VIP-Zelt, die alten Kneipen sind längst dicht. So ändern sich die Zeiten.

FDP-Fraktionschef Hans-Peter Schöneweiß. Foto: woki

„Einfach ist es nicht“, sagt Walter Knippschild, und lässt den Blick noch ein letztes Mal im alten Stadionrund schweifen. Vier Jahrzehnte zählt sich der einstige Chef der Grugahalle nun schon zu den treusten RWE-Fans, einer, der die Geburt seines Sohnes mit Rot-Weiss-Fahnen im Krankenhaus würdigen wollte und seiner Frau Marianne „drohte“, einer Tochter würde er einen roten und einen weißen Zopf färben. Geboren wurde Sohn Markus, und der ist vom RWE-Bazillus ebenso befallen wie Knippschild, der noch heute glänzende Augen bekommt, wenn er an seinen Einsatz auf heiligem RWE-Rasen bei einem Promi-Spiel denkt: Horst Hrubesch und Frank Kurth waren dabei wie er ein Tor schoss. Walter vor, noch ein…

Walter und Marianne Knippschild. Foto: woki

Für Lena Schrepper ist das letzte Punktspiel im alten Stadion das erste an der Hafenstraße überhaupt, und wer weiß, vielleicht diktiert sie in 30 Jahren mal jemandem in den Block, wie ihr Vater sie damals, anno 2012, das RWE-Fandasein lehrte. Für den theoretischen Unterbau ist dabei gesorgt, denn Georg Schrepper ist nicht nur Oberstudienrat am Don-Bosco Gymnasium, sondern auch Mitautor zweier Bücher über die Geschichte von Verein und Stadion. „Ein wenig schwermütig“ fühlt er sich vor dem Umzug und bei den vielen Blicken zurück, aber das mag auch daran liegen, dass er 1975 hier seine ersten Spiele sah. Und da war Rot-Weiss Essen erstklassig.

Nein, er wird sich kein Schild abschrauben, von der Ruine kein Bröckchen Beton für die Wohnzimmer-Vitrine sichern. Denn bei aller Rührseligkeit für ein Stadion, in dem er 1957als Siebenjähriger noch Helmut Rahn hat spielen sehen – Christian Hülsmann ist am Ende doch vor allem anderen froh, dass es zu diesen Abschied von einer Stadionlegende gekommen ist. „Bei mir überwiegt die Vorfreude.“ Kein Wunder, der einstige Büroleiter von CDU-Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger und Stadtdirektor hat das Projekt eines Neubaus schon „mehr als einmal im Keller liegen sehen“, das ist er am Ende auch ein gutes Stück „stolz darauf, dass wir das letztlich doch noch hinbekommen haben“.

CDU-Fraktionschef Thomas Kufen. Foto: woki
Ehrenrunde im RWE-Stadion
RWE - das letzte Spiel

Was tut man nicht alles, um Rot-Weiss Essen anzufeuern und ein eindrucksvolles Abschiedsbild aus dem alten Stadion zu liefern: Thomas Kufen, frisch gewählter CDU-Landtagsabgeordneter und Chef des von den Christdemokraten angeführten Viererbündnisses im Rat, musste sich am Samstag jedenfalls fühlen wie beim XXVI. Parteitag der KPdSU, als die RWE-Ultras zum kollektiven Fahnenfoto baten. Kufen saß in Block A und sah sich darum genötigt, wie alle um ihn herum, revoluzzergleich die rote Fahne zu schwenken – was wiederum die Pressesprecherin der Stadt, Nicole Mause, und Andre Seibert aus dem OB-Büro lachend quittierten. Wenn das die Merkel erfährt…

Von Wolfgang Kintscher


Kommentare
22.05.2012
18:24
Über den RWE-Bazillus, Bierkisten und rote Fahnen
von Ente | #1

Ja, so ist der rot-weisse Bazillus: Er wirkt über alle (Partei-) Grenzen hinweg. Eine Frage bleibt noch: Wo war eigentlich der OB in all den Abschiedstagen?

Aus dem Ressort
Was die Bandidos zum Verbot der Rocker-Symbole sagen
Rocker
Rocker-Symbole sind nun auch in Essen verboten – und die Staatsanwaltschaft rechnet mit einem Präzedenzfall: Ein Sprecher der Bandidos kündigte an, der Motorcycle Club werde rechtliche Schritte prüfen – auch gegen das Symbol-Verbot im Internet, das NRW-Innenminister Ralf Jäger am Dienstag erließ.
Möglicher Schlag mit Bierflasche in Essener Diskothek
Ermittlungen
Die Polizei ermittelt nach einer Auseinandersetzung in einer Essener Diskothek am vergangenen Wochenende. Ein 25-jähriger Oberhausener erlitt Schnittverletzungen und erklärte, er sei mit einer Bierflasche geschlagen worden. Ein 24-jähriger Bottroper, der verdächtigt wird, stritt die Tat ab.
Messe und Turnhallen als Asylunterkünfte in Essen vom Tisch
Asylbewerber
Asylbewerber in Essen werden vorerst doch nicht in Turnhallen oder gar in der Messe untergebracht werden müssen. Die Stadt hat nach eigenem Bekunden private Anbieter gefunden, die Häuser zur Anmietung bereitstellen wollen. Das Thema Turnhallen ist damit zumindest für dieses Jahr vom Tisch.
Zwei Spürhunde finden Drogen in einer Tiefkühltruhe
Polizei
Zwei Spürhunde der Polizei haben in einer Essener Wohnung Marihuana und Haschisch mit einem Straßenverkaufswert von rund 40.000 Euro in einer Tiefkühltruhe gefunden. Außerdem fanden die Polizisten in der Wohnung Drogengeld, Kleinkaliber-Gewehr und Munition.
Brand in einem Taubenschlag – Feuerwehr rettet Vögel
Feuer
Die Feuerwehr musste am Montagabend ein Feuer in einem Taubenschlag in Essen-Kettwig löschen. Die Einsatzkräfte retteten dutzende Tauben, die sich in dem Schlag befanden. Die zuständige Brandermittlerin geht derzeit von einem technischen Defekt der Stromversorgung aus.
Umfrage
Auch sechs Wochen nach dem Sturm sind Stadt, EBE, Feuerwehr und Firmen damit beschäftigt, Unwetterschäden – etwa in den Baumkronen – zu beseitigen. Wie bewerten Sie das Tempo der Aufräumarbeiten in Ihrer Nachbarschaft?

Auch sechs Wochen nach dem Sturm sind Stadt, EBE, Feuerwehr und Firmen damit beschäftigt, Unwetterschäden – etwa in den Baumkronen – zu beseitigen. Wie bewerten Sie das Tempo der Aufräumarbeiten in Ihrer Nachbarschaft?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Fotos und Videos
Überwachungs-Experiment
Bildgalerie
Glascontainer
Das sagen die Essener zum gläsernen Reporter
Video
Galileo-Experiment