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Üben für den Ernstfall: Wenn die Pandemie da ist

29.08.2009 | 17:07 Uhr

Essen. Wenn Massenseuchen die Menschheit heimsuchen, ist es für Übungen zu spät. Deshalb sorgt Essen vor: mit Medizinstudenten als Impfhelfern im Falle einer Massenkrankheit. "Wir üben Pandemie", nennt es Feuerwehr-Sprecher Mike Filzen. Sie üben, bevor der Ernstfall eintritt. Gespenstisch bleibt es.

Eins ist Thomas Lembeck, dem stellvertretenden Amtsleiter der Essener Feuerwehr, enorm wichtig: "Ich sage es in aller Deutlichkeit. Das, was wir hier machen, hat nichts mit der aktuellen Situation um die Schweinegrippe zu tun." Die Pläne, etwas zu tun im Falle einer Pandemie, die reiften der Feuerwehr "deutlich bevor dieses Thema hochkochte". Gefragt habe man sich, wer bei einer Pandemie zusätzlich zu den etablierten Kräften zur Verfügung stünde. Zum Beispiel rund 50 Medizin-Studenten - das Uniklinikum ist mit im Boot. Zwei Tage dauerte die theoretische Ausbildung zum Impfhelfer, am Samstag steht die Praxis auf dem Programm. 250 Probanden rücken zur (Schein-)Impfung an - stockend. Die Strecke bei der Massenimpfung hat vier Stationen - streng geregelt in der Sprache der Wehr: Registrierung und Aufklärung, Desinfektion und Impfung, ärztliche Begutachtung, Abschlussregistrierung - Schluss.

Die Spitze bleibt auf der Spritze

Wenn Massenseuchen die Menschheit heimsuchen, ist es für Übungen zu spät. Deshalb sorgt Essen vor: mit Medizinstudenten als Impfhelfern im Falle einer Massenkrankheit. "Wir üben Pandemie", nennt es Feuerwehr-Sprecher Mike Filzen. Sie üben, bevor der Ernstfall eintritt. Gespenstisch bleibt es. Foto: Arnold Rennemeyer

Während sich die Studenten versuchsweise Kochsalz injizierten, bleibt am Samstag die Spitze auf der Spritze. Aber so ernst wie möglich soll es schon sein. Um halb zehn morgens knubbeln sich die Kranken vor dem Feuerwehr-Gelände. Gerade beim "Empfang" der Impf-Station stockt es - das ist eine der ersten Erkenntnisse. Auch insgesamt "dauert alles länger, als wir es vorher erwartet haben", zieht Gesundheitsamtsleiter Dr. Rainer Kundt hinter der Absperrung eine erste Zwischenbilanz.

Etwas Gespenstisches hat es schon in der Halle, die vielen Menschen in Kitteln, mit Mundschutz, den auch die "Patienten" tragen, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Auch der kleine Trupp am Rande der Impfstrecke, die für die harten Fälle, die, bei denen der komplette Körper in einer Schutzmontur steckt, sollen im Verlauf des Vormittags noch Arbeit bekommen. "Achtung, Achtung", schreit eine Gruppe Helfer, und fährt einen Mann auf einer Pritsche zur Spezialbehandlung. Es kann nicht allen so locker ergehen wie Thomas Sprenger, der die Impfstrecke gerade durchlaufen hat - ungeimpft. Seine Rolle im Drehbuch: eine Eiweiß-Allergie, womit er fürs Gespritztwerden ausschied: "Ist interessant zu sehen, wie so die Abläufe sind", sagt Sprenger, der seine Rolle "so realistisch wie möglich" gegeben hat, und zieht von dannen.

Gesundheitsamtsleiter Dr. Rainer Kundt hilft mit. Foto: Arnold Rennemeyer

"Was wir möchten, ist Sicherheit zu erzeugen", erklärt der stellvertretende Feuerwehr-Chef Lembeck die Idee hinter der Aktion. Wohl auch deshalb ist das Spektrum der Erkrankten so weit wie nur irgend möglich: ein Kleinkind von gerade drei Monaten, eine 87-Jährige, Schwangere, chronisch Kranke - die Studenten sollen an der Vielfalt lernen. Für 15 Monate haben sie sich auf freiwilliger Basis vertraglich verpflichtet, als Impfhelfer einzuspringen. Die nächsten 50 stehen quasi schon in den Startlöchern.

Resumee in den nächsten Tagen

Nach einer kurzen Einsatz-Bilanz am Mittag werden die Verantwortlichen ein Resumee erst in den nächsten Tagen gezogen haben. Bei den Probanden geht das am Samstag schon etwas flotter. Froh sind zwei ältere Damen, als sie die Impfstrecke verlassen haben und sich vor allem von ihren Schutzmasken wieder befreit haben. "So, jetzt gehen wir erstmal einen Kaffee trinken", sagt die eine zur anderen. Die nickt. Dieser Tag kommt ohne Ernstfall aus. Pandemie planen entspannt.

Üben für den Ernstfall: Wenn die...

Stefan Kober

Kommentare
01.09.2009
00:45
Üben für den Ernstfall: Wenn die Pandemie da ist
von van Helsing | #14

Berichtigung zu oben!
Es muss heißen:

Jede Minute sterben mehr Kinder Weltweit den Hungertod,
wie Menschen bisher Weltweit an dieser...
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Üben für den Ernstfall: Wenn die Pandemie da ist
Üben für den Ernstfall: Wenn die Pandemie da ist
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/ueben-fuer-den-ernstfall-wenn-die-pandemie-da-ist-id90550.html?doply=true
2009-08-29 17:07
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