U 3-Betreuung - Stadt Essen kritisiert NRW-Statistikamt
12.11.2011 | 14:57 Uhr 2011-11-12T14:57:00+0100
Essen.Die Stadt weist die vom NRW-Statistikamt für 2011 ermittelten Zahlen bei der Betreuung unter Dreijähriger in Essen als falsch zurück. Statt einem gemessenen Anteil von 14,9 Prozent liege die Versorgung bereits bei 22,9 Prozent, so Sozialdezernent Peter Renzel (CDU).
„Nicht alles ist bis auf den Punkt planbar“, lautet das Resümee von OB Reinhard Paß (SPD) zur aktuellen Lage der Kinderbetreuung in Essen. Die soll in den nächsten Jahren wegen fehlender Kita-Plätze und dem ab 2013 geltenden Rechtsanspruch auf Betreuung unter Dreijähriger (U3) ausgebaut werden. Bis 2016 soll für die Jüngsten eine stadtweite Versorgungsquote von 35 Prozent erreicht werden, aufgeteilt zu drei Vierteln auf Kitas und zu einem Viertel auf Tagespflege. Bis 2013 soll sie bei über Dreijährigen (Ü3) schon 100 Prozent betragen.
Dass Paß und sein Sozialdezernent Peter Renzel (CDU) bei diesem Schwerpunktthema der Verwaltung aber nicht immer das Heft des Handelns selbst in der Hand halten, mussten beide verstimmt nach dem 7. November feststellen: Da veröffentlichte der Landesbetrieb für Information und Technik „IT.NRW“ aktuelle Zahlen zur Kindertagesbetreuung von unter Dreijährigen. Zur Verwunderung des Dezernenten bezifferten die Landesstatistiker den U3-Anteil in Essen auf 14,9 Prozent. Für die Erhebung mit dem Stichtag 1. März 2011 ermittelten sie insgesamt 2080 kleine Essenerinnen und Essener im Alter von unter drei Jahren, die bereits in den Genuss einer Kindertageseinrichtung oder einer öffentlich geförderten Tagespflege kamen.
Weniger als es in Wirklichkeit schon gibt, betonte man gestern bei einer Pressekonferenz im Rathaus: „IT-NRW hat falsche Daten geliefert, auch für andere Städte“, sagte Renzel und legte seine Zahlen für das Kindergarten-Jahr 2011/2012 vor: Demnach zählt die Verwaltung 3047 unter Dreijährige, die in öffentlichen und privat-gewerblichen Kitas sowie in Tagespflege betreut werden. Das entspreche einer Versorgungsquote von 22,4 Prozent. „Damit haben wir unser Planziel von 20,2 Prozent für das Jahr 2012 bereits in diesem Jahr erreicht“, sagt der Christdemokrat. Man wisse nicht, woher der Landesbetrieb die Zahlen habe. „Ich kann ausschließen, dass die Zahlen falsch sind“, sagte dagegen „IT.NRW“-Pressesprecherin Birgit Kempf gestern auf NRZ-Anfrage. Sie machte deutlich, dass man andere Erhebungsgrundlagen habe. So bezieht der Landesbetrieb nur die unter Dreijährigen in seine Statistiken ein, die in öffentlich-geförderten Kitas und Tagespflegeeinrichtungen betreut werden. Private Institutionen fielen heraus. „Die Zahlen selber bekommen wir von den Trägern“, erklärt sie. Eine Brüskierung der Essener Verwaltung verfolgte die Erhebung definitiv nicht.
Der Ball liegt nun wieder im Rathaus: Nächste Möglichkeit wäre im Februar 2012, dann will Renzel dem Rat und Jugendhilfeausschuss die Gesamtplanung bis 2016 mit allen Details vorlegen.
0mitdiskutieren