Turnhalle? Essen greift beim Flüchtlingsthema zu Notfallplan

Das sollte in Essen nicht mehr passieren: Im Oktober 2012 wurden Balkan-Flüchtlinge in einer Turnhalle in Bedingrade einquartiert.
Das sollte in Essen nicht mehr passieren: Im Oktober 2012 wurden Balkan-Flüchtlinge in einer Turnhalle in Bedingrade einquartiert.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Einer steigenden Zahl von Flüchtlingen stehen nur noch 100 freie Plätze gegenüber. Eine Unterbringung in Turnhallen ist nicht mehr auszuschließen.

Essen.. Unter der Last stetig steigender Flüchtlingszahlen bereitet sich die Stadt auf das denkbar schlechteste Szenario vor: Eine Belegung von Turnhallen kann notwendig werden. Dafür wird jetzt ein Notfallplan vorbereitet. Dies hat der Verwaltungsvorstand um Oberbürgermeister Reinhard Paß gestern beschlossen, um handlungsfähig zu bleiben. „Wir stehen unter enormem Druck“, räumte Sozialdezernent Peter Renzel auf Nachfrage der NRZ ein: „Wir brauchen sehr schnell neue Unterbringungsmöglichkeiten.“

Was heißen soll: Man werde zwar weiterhin alles versuchen, um die Flüchtlinge angemessen und nicht in unwürdigen Noteinrichtungen unterzubringen. Ob das angesichts der derzeitigen Situation jedoch gelingen kann, sei nicht zu garantieren. Darauf wolle man vorbereitet sein und nicht von einem plötzlichen Engpass überrascht werden. Zur Zeit stehen nur noch rund 100 Plätze zur Verfügung. Ende des Monats werden auch die belegt sein.

Trotz Anstrengungen immer noch zu wenig Platz

Nach der jüngsten Prognose des Bundesinnenministeriums, das die Zahl der für dieses Jahr zu erwartenden Asylbewerber von 300.000 auf mindestens 450.000 nach oben korrigierte, werden Essen allein in diesem Jahr 2.865 Menschen zugewiesen. Für die Planer bedeutet dies, 1.403 zusätzliche Unterbringungsplätze schaffen zu müssen. Da die vom Rat der Stadt beschlossenen fünf neuen Asylunterkünfte erst im kommenden Jahr fertiggestellt werden können, muss die Stadt derzeit nehmen, was sie kriegen kann: Die umstrittenen Behelfsunterkünfte wurden bereits um knapp 300 Plätze ausgebaut. Von einer Schließung ist derzeit keine Rede mehr.

Zudem mietete die Sozialverwaltung das Centerhotel an der Hachestraße in der Innenstadt an. 72 Menschen finden dort ein Dach über dem Kopf. Voraussichtlich ab dem 1. August soll die ehemalige Boecker-Hauptverwaltung an der Hülsenbruchstraße in Altenessen-Süd bezugsfertig sein, die Platz für 200 Flüchtlinge bietet. 70 weitere Plätze können in einem angemieteten Appartementhaus an der Karl-Meyer-Straße in Schonnebeck realisiert werden. Diese Unterkunft geht ab dem 1. Juli in Betrieb.

Es fehlen Plätze für 760 Asylbewerber

Trotz dieser Anstrengungen fehlen unterm Strich immer noch Kapazitäten für rund 760 Asylbewerber, für die die Stadt aktuell acht weitere Standorte auf ihre Eignung als Flüchtlingsunterkunft überprüft. Mit ersten greifbaren Ergebnissen: Im Handballleistungszentrum an der Raumerstraße in Frohnhausen und im Berufsförderungswerk der Bauindustrie an der Lüschershofstraße in Bergeborbeck sind kurzfristige Belegungen möglich. Das Schulgebäude Schetters Busch an der Bonifaciusstraße in Schonnebeck stünde ab Oktober zur Verfügung. Zudem klopft die Stadt weitere Immobilien auf ihre Eignung hin ab: Natorpstraße 27 im Ostviertel, Am Funkturm 8 in Holsterhausen, Am Zehnthof 100 in Kray, Helmstraße 5 in Dellwig und Münchener Straße 67 in Holsterhausen.