Trainingsrolle stoppt bei 1200 km

Überruhr..  Wenn ein Dutzend Radfahrer sich nachts auf das Fahrrad setzt und 1200 Kilometer im Sattel verbringt, dann muss das gute Gründe haben. Hatte es auch, denn jede Pedalumdrehung brachte Geld für den Deutschen Kinderverein Essen und die Aktion „A Night on bike for Children“.

Insgesamt 16 Stunden lang waren die Pedalritter „auf der Trainingsrolle“ und sorgten beim Strampeln für den guten Zweck für so manch verwundertes Gesicht unter den Zuschauern. „Du bist ein verrückter Vogel, und das hier ist eine super Aktion“, urteilte Rainer Rettinger, Vorsitzender des Deutschen Kinderverein Essen, und nahm Organisator Holger Zepper freundschaftlich in den Schwitzkasten. Zu dem Zeitpunkt hatte Zepper schon über 250 Kilometer in den Beinen und – genau wie seine Mitstreiter – die Nacht auf dem Fahrrad verbracht.

Pünktlich um 21 Uhr läutete Rainer Rettinger die Glocke in Überruhr und schickte die Sportler unter dem Applaus der begeisterten Zuschauer auf die Tour, die keine Route kennt, wohl aber ein Ziel hatte: 1200 Kilometer „abzureißen“. Auch der 11-jährige Melvin ging an den Start – ein großes Abenteuer für den Youngster.

Toter Punkt um halbfünf Uhr

Es war mächtig was los im Schatten der Neuapostolischen Kirche in Überruhr. Immer wieder hielten Autos an der Überruhrstraße, fragten die Insassen, was denn hier eigentlich passiert. Sogar einige Partygäste, die auf dem Heimweg waren, feuerten die Akteure an und machten eifrig Fotos. Zepper: „Selbst die Polizeistreife hob im Vorbeifahren den Daumen“. Trotz einer Nachttemperatur von 2 Grad Celsius ließen sich er und Ralf Schönert nicht davon abhalten, immer weiter Kilometer abzuspulen, während die anderen Teilnehmer auch mal eine verdiente Pause im Basislager einlegten – im Kirchengebäude der Neuapostolischen Kirchengemeinde Überruhr.

Als so langsam Ruhe auf den Straßen einkehrte, hatten auch Schönert und Zepper ein wenig zu kämpfen. „Zwischen 4 und 5 Uhr morgens mussten wir die Kaffeedosis erhöhen“, scherzt Zepper, ehe ein schöner Sonnenaufgang wieder neue Kraft und Motivation brachte. Nach dem Frühstück waren alle Räder wieder belegt und weiter ging es mit Sonne in den Speichen und bei angenehmen Temperaturen. Eine besondere Unterstützung rückte für Melvin an, der seine Kameraden der U12 des FC Kray vor Ort begrüßen konnte, die sich mit frischen Elan auf die Räder setzten. Am Ende war keiner glücklicher als Zepper selbst, der allen Helfern für ihre Unterstützung dankte – trotz 280 Kilometern in den Beinen.