Träger lässt Zimmer des vermissten Pierre Pahlke räumen

Für die Dreharbeiten zum Aktenzeichen XY-Spezial wurde Pierre Pahlkes Zimmer nachgebaut. Unser Bild zeigt den Darsteller Philipp Kornalewski. Pierre Pahlkes Zimmer wurde nun für einen neuen Bewohner geräumt.
Für die Dreharbeiten zum Aktenzeichen XY-Spezial wurde Pierre Pahlkes Zimmer nachgebaut. Unser Bild zeigt den Darsteller Philipp Kornalewski. Pierre Pahlkes Zimmer wurde nun für einen neuen Bewohner geräumt.
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Heimstatt Engelbert hält trotzdem Erinnerung an Pierre Pahlke wach. Am Montag wird der Vermisste 23 Jahre alt. Verzweifelter Appell seiner Großmutter.

Essen.. Je näher der 9. Februar heranrückt, desto schlimmer steigert sich Vera-Petra Panns Schmerz. Die Seniorin aus Essen-Steele ist die Großmutter des vermissten Pierre Pahlke, des behinderten jungen Mannes, der seit bald anderthalb Jahren spurlos verschwunden ist. Der nächste Montag ist Pierre Pahlkes 23. Geburtstag – und aufs Neue quält die Angehörigen die Ungewissheit über das Schicksal des Vermissten.

Vera-Petra Pann hofft inständig, dass der verschwundene Enkelsohn noch lebt. „Er muss irgendwo festgehalten werden“, sagt sie beschwörend. Und fügt hinzu: „Ich wünsche mir, dass sie den Jungen endlich freilassen.“ Es ist der spektakuläre Vermisstenfall Natascha Kampusch, aus dem die Angehörigen letzte Kraft schöpfen. Die junge Österreicherin wurde mehr als acht Jahre gefangen gehalten und kam doch wieder frei.

„Wir haben das Zimmer nicht angetastet"

Seit dem 17. September 2013, dem Tag von Pierres spurlosem Verschwinden, kämpft Vera-Petra Pann wie eine Löwin dafür, den geliebten Enkel wieder in die Arme schließen zu können.

Ihre Tochter, Pierres leibliche Mutter, ist bei der komplizierten Geburt auf tragische Weise ums Leben gekommen. Infolge einer Sauerstoffunterversorgung des Hirns trug der Säugling bleibende Schäden davon. Pierre, der sympathische Blondschopf, ist das einzige, was ihr von der geliebten Tochter geblieben ist. Nun haben sie ihr auch Pierre genommen.

Vermisstenfall Als der völlig hilf- und wehrlose junge Mann am 17. September 2013 spurlos verschwand, war er in der Heimstatt Engelbert auf der Manderscheidtstraße untergebracht, einem Haus für Menschen mit Behinderung. Auch dort leiden sie – die Bewohner wie die Mitarbeiter – unendlich unter seinem Verschwinden. Noch nie ist es vorgekommen, dass jemand auf so brutale Weise aus ihrer behüteten Mitte herausgerissen wurde.

Um ein Zeichen der Hoffnung zu setzen, wird Pierres Platz am Esstisch immer noch frei gehalten.

Auch sein Zimmer ist lange unberührt geblieben. „Pierre ist im Haus sehr beliebt“, sagt die Sprecherin des Franz-Sales-Hauses, zu der die Heimstatt gehört. Und fügt hinzu: „Wir haben das Zimmer nicht angetastet, weil wir hoffen, dass Pierre lebt und zu uns zurückkommt.“

Pierres Familie hat 20.000 Euro Belohnung zusammengetragen

Inzwischen bestand der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Kostenträger jedoch kühl darauf, dass das Zimmer jetzt geräumt und an einen neuen Bewohner weitergegeben werden musste. Ein schmerzhafter Einschnitt, besonders für die leidenden Angehörigen.

20.000 Euro Belohnung hat die Familie aus privaten Ersparnissen zusammengetragen. „Wir können bald nicht mehr“, sagt Vera-Petra Pann und appelliert an mutmaßliche Zeugen des Kriminalfalls, sich endlich zu melden. Die Mobilfunknummer lautet 01575 /482 1625.