Tierschützer kündigen der Stadt

Was wir bereits wissen
Die Verwaltung ließ das Verhandlungs-Ultimatum für eine bessere finanzielle Ausstattung des Tierheims ungenutzt verstreichen. Es sollen dennoch Gespräche geführt werden – das Ergebnis ist aber völlig offen

Essen..  Am liebsten würde sie alle Karnickel, Zwerghamster und auch die Meerschweinchen nehmen und denen im Rathaus auf die Treppe setzen. Sozusagen symbolisch: Soll die Stadt doch zusehen, wie sie künftig mit ihren Fundtieren klarkommt. Elke Esser-Weckmann, Vorsitzende des Essener Tierschutzvereins, ist nach eigenem Bekunden tief enttäuscht. Nach ihrem Brief, in dem sie die Kündigung des Tierheim-Vertrags ankündigte, sollte bis zum 27. Märze keine Verhandlung mit dem Erfolg abgeschlossen werden, dass die Tierschützer mehr Geld von der Kommnune bekommen, tat sich nichts. Rein gar nichts. Weder gab es eine politische Initiative, noch Anstrengungen der Stadt, die Kuh vom Eis zu bringen. Der zuständige Ordnungsdezernent Christian Kromberg ließ das heute ablaufende „Ultimatum“ des Tierschutzvereins verstreichen. Und Elke Esser-Weckmann will der Stadt heute nach ihrer Ankündigung Mitte des Monats die endgültige Kündigung des Vertrages übermitteln. Sicher ist sicher.

Während Kromberg auf Nachfrage sagte, die Verhandlungen mit dem Tierschutzverein noch führen zu wollen, um gleichzeitig einzuräumen: „wohin die Reise uns führt, wissen wir nicht“, rechnet Esser-Weckmann mit dem Rat der Stadt Essen ab: „Sie geben unseren Tieren nicht genügend Geld für Futter“, heißt es in einem Beitrag für die Vereins-Zeitschrift, die in der kommenden Woche erscheint.

Zur Erinnerung: 200.000 Euro überweist die Kommune den Kümmerern von der Grillostraße pro Jahr für die gern gesehenen Dienste. Der Verein übernimmt schließlich eine Pflichtaufgabe der Stadt, wenn er sich um tausende von Fundtieren kümmert. Allein die Futterkosten summieren sich auf 240.000 Euro im Jahr, so Esser. Zuletzt hatte die Stadt 260.000 Euro in Aussicht gestellt. Der Tierschutzverein hält aber eine Summe von 840.000 Euro gerade so für kostendeckend.

Um die ständig wachsende Zahl von Tieren angemessen versorgen zu können, müssten inzwischen 24 Hauptamtliche, unterstützt von 60 Ehrenamtlichen, im Schicht- und Wochenenddienst arbeiten. Allein die Personalkosten beliefen sich 2014 auf über 600.000 Euro. Durch den Mindestlohn rechnet der Verein für dieses Jahr mit noch höheren Ausgaben. Mit seiner Politik verhindere der Rat der Stadt, „dass wir angemessen oder auch nur nach der niedrigsten Lohngruppe des öffentlichen Dienstes bezahlen können“.

Mit der Minimalfinanzierung werde zudem der Fortbestand des Tierheims an der Grillostraße aufs Spiel gesetzt, so Esser. Eine anteilige städtische Finanzierung für das Gebäude, das allein aus Mitteln des Vereins instand gehalten werde, habe es nie gegeben.