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Kita-Eröffnung

Thyssen-Krupp eröffnet neue Kindertagesstätte mit 100 Plätzen in Essen

30.07.2012 | 18:59 Uhr
Tassilo, Clemens und Julius (v. l.) haben’s gut: Die Drei durften gestern schon einmal „probespielen“.Foto: Lena Hedermann

Essen.   Morgen ziehen die ersten Kinder in die neue Betriebstagesstätte des Thyssen-Krupp-Quartiers ein. Die rund 100 Kita-Plätze sollen aber nicht nur Betriebsangehörige entlasten – etwa jeder fünfte geht an Eltern, die nicht bei dem Unternehmen arbeiten.

Es riecht alles noch nach „neu“. Das Spielzeug ist akkurat drapiert, der grasgrüne, weiche Spielboden glänzt makellos und auch die Schaukel draußen wartet noch unberührt auf ihren ersten Einsatz.

Nach zwei Jahren Vorbereitungs- und gut einem Jahr Bauzeit steht sie nun bereit: Die Kindertagesstätte „Miniapolis“ im Thyssen-Krupp-Quartier , die nicht nur betriebsangehörige Eltern entlasten soll, sondern auch die Kita -Quote der Stadt ein wenig verbessern wird. Denn ab nächstem Jahr haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ein Drittel aller Unter-Dreijährigen.

Als Thyssen-Krupp 2010 das neue Quartier an der Weststadt bezog, war an Stelle der jetzigen Kita nur Wiese. Heute ergrünt dort wieder „nur“ Wiese – aber kindgerecht und „maßgefertigt“ mit echter Spielplatzatmosphäre. Nach zwölfmonatiger Bauzeit warten mehr als 1500 Quadratmeter nun auf die Bevölkerung des Nachwuchses im Alter von 4 Monaten bis 6 Jahren, dessen Eltern nicht unbedingt bei Thyssen-Krupp angestellt sein müssen: Zwanzig Prozent der Plätze werden sozusagen „frei“ vergeben. Träger der Kita ist das Deutsche Rote Kreuz.

Eine gute Mischung

„Bereits jetzt sind von den 81 Kindern bereits zwanzig Prozent aus anliegenden Stadtteilen wie zum Beispiel Altendorf oder Bergeborbeck darunter, deren Eltern eben nicht Betriebsangehörige sind“, erklärt Sabine Reinhardt, Leiterin der Kita „Miniapolis“.

Miniapolis bei Krupp

Die Platzvergabe liefe wie in jeder Kita ab: Die Eltern füllen ein Anmeldeformular aus, werden zum Gespräch eingeladen und am Ende wird (gemeinsam mit ThyssenKrupp) über die einzelne Platzvergabe entschieden. Dabei würden sie auf eine gute Mischung aus Jungen und Mädchen, sowie eine gemischte Altersstruktur besonders achten.

Kinderfreundliche Computer-Ecke

Dass man bei Kindern aus Altendorf oder Bergeborbeck manchmal einen sozial schwächeren Hintergrund bemerke, ist, so Reinhardt, gewollt: „Die Unterschiede sind wichtig, nur so können die Kleinen voneinander lernen“, betont die 47-Jährige, die zuvor eine Kita in Duisburg geleitet hat.

Die Kita „Miniapolis“
Reggio-Pädagogik nach Loris Malaguzzi

Ende der 1960er Jahre entwickelte Professor Loris Malaguzzi das Konzept der Reggio-Pädagogik für ganzheitliches Erfahrungslernen. In der Betreuung werden alle Dimensionen des Wahrnehmens, des Erlebens und Ausdrucks berücksichtigt. Die verbale Sprache wird hierbei als eine von vielen Ausdrucks- und Mitteilungssprachen angesehen - die alle gleichsam zu fördern sind. Der Entwicklung des Kindes entsprechend wird die Selbstständigkeit gefördert. Die Erzieher setzen Bildungsimpulse, gestalten anregende Umgebungen und unterstützen die Kinder in ihrem Tun. Lernimpulse werden überwiegend in Projekten erlebt.

Zusammen mit 25 weiteren Mitarbeitern - darunter Pädagogen, Erzieherinnen und eine hauseigene Köchin - ist Reinhardt wochentags von 7.30 bis 18.30 Uhr für rund 100 Kinder zuständig. Mit 81 starten sie, bis zum Jahresende sollen es 90 Kurze sein, die sich hier austoben können: Von Holzspielzeug, über einen Sport-, Ruhe- und einen Werkraum, bis hin zur kinderfreundlichen Computer-Ecke – es gibt wenig, was es für die Nachkommen hier nicht gibt.

Herausfinden, Selbstentwickeln, Ausprobieren

Die Kita „Miniapolis“, was so viel bedeuten soll wie „die Stadt in der Stadt“, verfolgt das Prinzip der bildungsorientierten „Reggio-Pädagogik“. Die Kita soll Raum für Neugierde bieten, „Lust am Forschen, Herausfinden, Selberentwickeln, und Ausprobieren“ wecken, wie es in der Broschüre heißt.

Erzieherinnen samt kistenweise Spielzeug stehen in den Gruppenräumen bereit, die Fotos von einigen der Kinder, die ab morgen Leben nach „Miniapolis“ bringen werden, hängen schon an ihren Fächern. Fehlen nur noch: die Kleinen.

Julia Rathcke



Kommentare
31.07.2012
09:24
@von petrahollmann | #1
von amo17 | #2

"„Die Unterschiede sind wichtig, nur so können die Kleinen voneinander lernen“ - naja, die Mittelschichtkinder werden wohl kaum von den Unterschichtkindern lernen, "

Hallo Petra,

ich glaube, dass Kindern im Umgang mit nicht so gegüterten Kindern viel lernen können.

- Geld ist ein Mangel
- nicht jedem in der Gesellschaft geht es wirtschaftlich gut
- wenn etwas kaput geht, wird es nicht direkt ersetzt
- nicht jeder materielle Wunsch wird jedem erfüllt

Nicht zuletzt lernen die Kinder besser, dankbar zu sein, dass es ihnen wirtschaftlich gut geht und öffnet ihnen ein Blick ein in Leben von Kindern, die in Familien mit ganz anderen Problemen aufwachsen.
Durch den direkten Umgang werden auch Vorurteile abgebaut oder entstehen in den Köpfen erst gar nicht.

30.07.2012
22:09
Spielen, wo die Eltern arbeiten
von petrahollmann | #1

Es ist eine gute Entscheidung der Unternehmen, selber Kitas einzurichten. Diese Kitas haben so gut wie immer ein sehr hochwertiges Konzept und bieten vernünftige Öffnungszeiten. Ich finde auch gut, dass nicht nur Mitarbeiterkinder, sondern auch Kinder auch der Nachbarschaft dort aufgenommen werden, schließlich sind gute Betreuungsplätze wirklich rar.
„Die Unterschiede sind wichtig, nur so können die Kleinen voneinander lernen“ - naja, die Mittelschichtkinder werden wohl kaum von den Unterschichtkindern lernen, aber für letztere finde ich es eine super Sache, weil sie so doch wesentlich besser gefördert werden als nur unter Gleichen. Das müsste es noch viel häufiger geben.

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