"Thurmfeld" an der Uni Essen zwischen Badespaß und Wohnstandort
04.04.2011 | 19:15 Uhr 2011-04-04T19:15:00+0200
Essen. Das seit langem brach liegende "Thurmfeld" am Nordrand des Uni-Campus war schon oft Objekt bauplanerischer Spiele. Mit dem symbolischen ersten Spatenstich startet die städtische Wohnungsgesellschaft nun den Bau von 78 Wohnungen im Univiertel.
Es ist des Univiertels kleinere Kopie : ein wenig versteckt am Nordrand des Campus, aber über all die Jahre nicht weniger verlottert und beklagenswert un(ter)genutzt. Vor allem aber ist dieses 70.000 Quadratmeter große Areal zwischen Bottroper-, Hilgerstraße und Auf der Union seit Jahrzehnten eine Spielwiese für alle möglichen und unmöglichen Planungen, die am Ende ohne viel Aufhebens wieder in der Versenkung verschwinden. So war es vor Jahr und Tag bei der angedachten Uni-Erweiterung, beim geplanten „Wissenschaftspark“ des Landes, beim möglichen Ersatz fürs marode Stadion an der Hafenstraße und bei der Werkbund-Siedlung , deren Bau zumindest noch als geduldiges Plänchen die Kulturhauptstadt schmückte.
Ersatz für drei Bäder
Jetzt kommt das so genannte „Thurmfeld“ zwischen Studentenwohnheim und Ökologischem Park Segeroth wieder mal in die Diskussion . Und man wird abwarten müssen, ob es am Ende nur „außer Spesen nichts gewesen“ heißt, wenn die Frage beantwortet ist, ob dieses Gelände hier nicht ein schöner Standort für ein Kombibad sein könnte.
Die FDP hat diese Idee in die Welt gesetzt, nachdem die Sozialdemokraten die bisherige gemeinsame Bäder-Linie verließen, und nun malen sich die Freien Demokraten hier in Gedanken schon mal den Multi-Ersatz fürs Hauptbad, das Stadtbad Borbeck und das Bad am Südpark aus – mit acht Wettkampfbahnen in einer großen Schwimmhalle samt Zuschauertribüne, verkehrlich bestens angebunden für Radler, U-Bahn-Nutzer und Autofahrer.
CDU und Grüne sind erklärtermaßen nicht abgeneigt, den Standort zu prüfen, während die Liberalen auch ohne die immer noch nicht vorliegenden Bäderzahlen zu wissen glauben, dass die Einspar-Effekte enorm sind.
Multi-Bad oder Wohnviertel?
Eher skeptisch zeigt sich dagegen Planungsdezernent Hans-Jürgen Best, der dem „Thurmfeld“ gute Chancen als attraktivem innenstadtnahen Wohnstandort einräumt, wenn erst einmal im Univiertel südlich des Campus die letzten vier Wände einen Abnehmer gefunden haben. Wasserspaß statt Wohnidyll? Für einen solchen Wechsel in der Planung sei das Gelände, so Best, „womöglich zu schade“. Und baden plus bauen? Da könnte es womöglich bei der Immobilien-Vermarktung hinterher ein Problem geben, wenn ein Kombiniertes Hallen- und Freibad sich als beliebtes Freizeitziel erweist.
Ob es dazu kommt, ist völlig offen: Vor allem die üppig vorhandenen Altlasten auf dem Industriegelände, das einst die städtische „Gasanstalt Reckhammerweg“ und die Maschinenbau AG Union beherbergte, könnten sich als teures Hindernis entpuppen, wie Planungsamtsleiter Thomas Franke mutmaßt. Gleichwohl: Man müsste in nähere Prüfungen einsteigen, und genau die will die Politik jetzt in die Wege leiten.
Als sicher gilt dabei, dass ein mögliches Kombibad im „Thurmfeld“ keine schnelle Lösung verspricht: Der Bebauungsplan gibt einen Badbetrieb bislang nicht her.
Attraktiver Platz für Anleger
Unter all den Wohnbau-Unternehmen, die auf der Nachfragewelle des Universitätsviertels segeln, hatten sie als erste die Nase im Wind. Kein Wunder, dass sie beim Allbau nun auch vorn dabei sind, wenn es darum geht, die Pläne des Rüttenscheider Architektenbüros KZA in die Tat umzusetzen: Mit dem symbolischen ersten Spatenstich gab die städtische Wohnungsgesellschaft am Montag (4.4.) den Startschuss zum Bau von 78 komfortablen 2-, 3- und 4-Raum-Wohnungen im Univiertel. „Pier78“ heißt das Projekt, dessen maritimer Titel neben der Zahl der Wohneinheiten ein Willkommen all jenen signalisieren soll, die an der neuen „grünen Mitte“ mit ihrer attraktiven Wasserlage anlegen wollen. Ein bisschen mehr Heuer wird man allerdings schon beisteuern müssen, um sich eine der 60 bis 160 Quadratmeter großen Mietwohnungen mit hochwertigem Parkett und Fußbodenheizung zu sichern. Immerhin lockt ein Concierge-Dienst genauso wie die Aussicht, dass einem Treppenhaus-Reinigung und Schneefegen hier abgenommen wird. Ende 2012 soll das Projekt bezugsfertig sein, und dass der Allbau mit diesem 20 Millionen Euro-Investment keinen Schiffbruch erleidet, dafür mag schon die Zahl von 140 Interessenten ein Indiz sein, die bereits vorgesprochen haben. Wer an „Pier78“ anlegen darf, sollen die nächsten Wochen zeigen.

10:29
Ich gebe es nur ungern zu, aber ich finde den Vorschlag der FDP den bis dato mit Abstand Besten.
Und bei allem Verständnis für die Bedenken von Herrn Best und Herrn Franke: eine vergleichbare Alternativ-Lösung zum Essener-Bäder-Dilemma gibt es Stand heute einfach nicht.
10:23
p.s.: ich bin Befürworter eines solchen Bads - aber bitte nicht an der Stelle.. Da würde ich mir auch Wohnungen wünschen..
10:23
...da werden mehrer Bäder incl. des Hauptbades geschlossen und dafür entsteht ein neues Bad. Da werden dann auch Tribünen notwendig, um das bisherige Hauptbad zu ersetzen.
..und richtig - weil kein Geld für die Sanierung aller Bäder vorhanden ist, werden einige geschlossen und durch ein neuwertiges ersetzt. Das kommt auf Dauer billiger, als an den Gammelbädern festzuhalten..
10:11
Wird da mal wieder Geld für ein Vorzeigeobjekt locker gemacht, während für die Sanierung der vorhandenen Bäder nichts da ist?
Wozu werden acht Wettkampfbahren und eine Zuschauertribüne gebraucht?