Tennisabteilung des Turnerbund Frintrop startet in die neue Saison

Frintrop..  Rote Asche, weiße Kleidung und gelbe Bälle: Am Wochenende war Saisoneröffnung auf der Tennisplatzanlage des Turnerbund Essen-Frintrop. Etwas mehr als 1000 Sportler sind in dem 1903 gegründeten Verein organisiert. 140 Menschen, davon mehr als ein Drittel Kinder und Jugendliche, sind Mitglied der Tennisabteilung. „Es könnten mehr sein“, sagt der Erste Vorsitzende des Vereins, Rainer W. Seck (57). „Aber es gibt ja allgemein den Trend, dass die Tennisabteilungen der Vereine rückläufige Zahlen bemerken. Bei uns sinken sie nicht, sie bleiben gleich.“ Aktuell sei es so, dass die Tennisabteilung sich finanziell selbst tragen kann. „Es dürften aber auch nicht weniger Mitglieder werden“, sagt Seck. Sonst müsse man die Frage aufwerfen, ob der Verein es sich noch leisten kann, fünf Sportplätze und das Vereinsheim im gewohnten Umfang zu unterhalten. Derzeit sucht die Abteilung einen neuen Vorsitzenden. Vor einem Jahr hat Heinz Maaßen (58) diesen Posten kommissarisch übernommen. „Die Arbeit muss ja gemacht werden“, sagt er.

Beim Tennis mangele es an Vorbildern, sagt Seck. Vorbei sind die Zeiten, als Idole wie Boris Becker und Steffi Graf internationale Erfolge feierten. Damals, in den 1980ern und 1990ern, habe es lange Wartelisten gegeben, weil der Verein dem Ansturm der vielen Tennis-Fans gar nicht gerecht werden konnte. „Tennis war früher ein Selbstläufer, heute muss man um die Leute buhlen“, blickt Seck zurück. Andernorts, sagt er, hätten sich bereits mehrere Vereine zusammenschließen müssen, um ihren Fortbestand zu sichern. „Wir hoffen aber, dass wir auch weiterhin unsere Selbstständigkeit behalten können.“

Der Verein möchte daran arbeiten, seine Tennisabteilung bei den Menschen im Stadtteil stärker in Erinnerung zu rufen. Gelingen soll dies zum Beispiel durch das Veranstalten von Turnieren, bei denen auch Interessierte mit dem Sport in Kontakt kommen können.

Für jeden etwas im Angebot

Das Sportangebot des Turnerbunds Essen-Frintrop beschränkt sich aber nicht nur auf Tennis. „Wir haben für jeden etwas im Angebot“, sagt Seck. „Wir wehren uns immer gegen die Annahme, dass wir ein reiner Turnverein sind.“ Die übrigen Abteilungen seinen allesamt „gut aufgestellt“. Obwohl der Verein seit Einführung des Offenen Ganztags und der verkürzten Schullaufbahn „G8“ rund 350 Mitglieder im Kindes- und Jugendalter verloren habe. „Ich frage mich, wo das mal hinführen soll“, sagt Seck. „Sportland NRW? Ob wir das in ein paar Jahren immer noch sein werden?“

Dennoch: Bei den Geräteturnern sei der Andrang sogar so groß, dass derzeit eine Warteliste geführt werden muss. Die Kampfsportart Jiu-Jitsu sei traditionell stark nachgefragt. Und Trendsportarten wie der Fitness-Tanz „Zumba“ heißen nicht ohne Grund Trendsportart. „Erstaunlich“, scherzt Seck. „Denn eigentlich ist Zumba ja nur etwas Altes in neuem Gewand. Früher sagte man dazu wohl ,Aerobic’.“

Rainer Seck ist seit 1996 der Erste Vorsitzende des Vereins. Bereits seit 1976 ist er im Vorstand des Turnerbunds tätig. Er selbst bezeichnet sich daher scherzhaft als „Vorstandsdino“. Mit dieser langen Amtszeit ist er sicher eine Ausnahme in der Vereinslandschaft. Im Falle des Turnerbunds passt diese jahrelange Treue aber durchaus ins Bild: Auch bei der Mitgliederhauptversammlung vor knapp einer Woche hat es viele Jubilar-Ehrungen aufgrund von langjähriger Mitgliedschaft gegeben. „Das zeugt davon, dass es unter den Mitgliedern eine große Loyalität gegenüber dem Verein gibt“, sagt Seck. Fragt man ihn, wie er sich über fast vier Jahrzehnte für die ehrenamtliche Arbeit im Verein motivieren konnte, sagt er: „Wenn man das so lange macht, denkt man da gar nicht mehr drüber nach. Das ist für mich meine Freizeit, mein Hobby, und meine ganze Familie macht dabei mit.“ Ans Aufhören denkt Seck noch nicht. Obwohl er sagt, auch ihm sei bewusst, dass es langsam an der Zeit sei, einen Generationenwechsel einzuläuten. „Aber gerade ist bei uns so viel in Bewegung, und man muss auch erstmal Leute finden, die bereit sind, diesen Posten zu übernehmen.“

Engagement im Stadtteil

Ein Sportverein sei wichtig für einen Stadtteil, sagt Seck. Auch wegen der sozialen Verantwortung – für seine Mitglieder und für den Stadtteil. Als jüngst eine Anpassung der Mitgliedsbeiträge anstand, habe man im Verein Wert darauf gelegt, dass diese moderat ausfalle. Die Kosten sollten schließlich niemanden davon abhalten, sich in seiner Freizeit sportlich zu betätigen.