Technik, die entgeistert

Es gibt Kommunikationsdienstleister, deren Monopolstellung am Markt so gewaltig ist, dass man ernsthaft um seine zwischenmenschlichen Kontakte bangen muss, wenn man sich ihnen widersetzt. Wenn ich mich im Freundeskreis oute, dass ich eben jenen verbreiteten Anbieter nicht nutze, ernte ich oft verständnisloses Kopfschütteln, Augenrollen und bissige Kommentare der Kategorie: „WAS? Das hast du NICHT?!“ Als hätte ich mein bisheriges Leben abgeschieden von der Zivilisation in einer Steinhöhle verbracht.

Dabei sehne ich mich manchmal nach ein wenig Entschleunigung zurück – in Worten: Ich vermisse das moosgrüne Telefon mit Wahlscheibe. Zwar muss man dieses Objekt der jungen Generation heute im Museum zeigen, doch hatte das Modell durchaus seine Vorzüge: So konnte man den geplanten Anruf noch einmal in Ruhe überdenken, während man sich die Finger in den vorgestanzten Löchern klemmte und nach jeder Zahl wartete, bis die Wahlscheibe wieder in ihre Ausgangsposition zurückfand. Will man wirklich die Einladung der Schwiegermutter zum Sonntagskaffee annehmen? Sollte man tatsächlich den Lehrer seines Sohnes wegen der letzten Schulhofprügelei anrufen? Fragen, die kritischer Abwägung bedürfen. Manches war früher eben doch besser.