Tätliche Angriffe auf Busfahrer - "Das Klima wird rauer"

Busfahrer haben anders als Bahnfahrer unmittelbaren Kontakt zu ihren Fahrgästen.
Busfahrer haben anders als Bahnfahrer unmittelbaren Kontakt zu ihren Fahrgästen.
Foto: Andreas Bartel / FUNKE Foto Services

Essen.. Anfang März ging ein 28-Jähriger im U-Bahnhof Altenessen auf einen Ticketprüfer mit einem Messer los. Der Kontrolleur hatte den Mann in der U 17 ohne Fahrschein erwischt. Dem Angriff konnte er gerade noch ausweichen. Übergriffe wie diese schaffen es in den Polizeibericht. Andere tauchen in der Statistik der Evag auf. Das Nahverkehrsunternehmen spricht von „sicherheitsrelevanten Vorkommnissen“. 13 registrierte die Evag im vergangenen Jahr.

Und dabei handelte es sich, wohl gemerkt, um die schwerwiegenden Fällen: „Tätlicher Angriff auf Fahrer“, „Sicherheitsdienst wird bedroht“ oder „Jugendliche werfen Knaller“. Die Zahlen sind seit Jahren in etwa konstant, heißt es bei der Evag. Das Klima aber sei spürbar rauer geworden, berichtet Fahrdienstleiter Torben Skuballa.

„Bei einem Piloten würden sich die Leute nicht so verhalten“

Zu spüren bekämen dies vor allem Busfahrer. Anders als ihre Kollegen in der Straßenbahn sitzen sie nicht in einer geschlossenen Fahrerkabine. Der Kontakt zu den Fahrgästen ist unmittelbar.

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Warum werden Fahrer zu Opfern? Skuballa kann darüber nur spekulieren. Der Fahrdienstleiter spricht von mangelndem Respekt. Der Beruf des Busfahrers sei augenscheinlich nicht sehr angesehen. „Bei einem Piloten oder einem Schiffskapitän würden sich die Leute nicht so verhalten.“ Seit Busfahrer angehalten sind, die Tickets ihrer Fahrgäste beim Einsteigen zu kontrollieren, seien Kollegen viel öfter Aggressionen ausgesetzt.

Mit einem dicken Fell ist es da nicht getan. Deeskalationstraining - bislang ein freiwilliges Angebot an Mitarbeiter im Fahrdienst - ist inzwischen verpflichtend. Fahrer sollen lernen, auch in kritischen Situationen ruhig und besonnen zu reagieren. Die Evag bemüht sich um Prävention bei Jugendlichen in Schulen und Moscheen. Ob es hilft? Gerade im Fahrdienst sei der Anteil an Langzeitkranken hoch, heißt es. Ein raues Klima gilt nicht als gesundheitsfördernd.