Wie ein Schulorchester 5000 Manowar-Fans in Essen rockt

105 Kinder und Jugendliche spielten am Mittwochabend im Vorprogramm der Metal-Band „Manowar“.
105 Kinder und Jugendliche spielten am Mittwochabend im Vorprogramm der Metal-Band „Manowar“.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
105 junge Musiker des Essener Goethegymnasiums traten als Vorband für Manowar auf. Ganz besonders hatte es den Metal-Fans dabei die Triangel angetan.

Essen-Rüttenscheid.. In dem großen Aufenthaltsraum der Grugahalle ist die Stimmung gelöst. Noch. Ein schneller Biss von Butterbrot und Banane, dann macht ein Crew-Mitglied der amerikanischen Metalband Manowar Druck. „Noch fünf Minuten, dann geht’s los“, versucht er sich schreiend inmitten des 105-köpfigen Schulorchesters des Bredeneyer Goethegymnasiums Gehör zu verschaffen. Sie alle tragen T-Shirts mit „Immortal Warrior“-Aufdruck – eines der Manowar-Stücke, das sie gleich als klassisches Arrangement auf die Bühne bringen.

Lehrer und Dirigent Marcus Schönwitz hat sich mit Nieten besetzte Biker-Handschuhe übergezogen, „die hat mir ein Kollege eben gegeben“, sagt der 38-Jährige und lächelt angespannt. Auch für ihn ist dieser Abend nicht alltäglich: Mit klassischen Stücken wie „Neue Welt“ von Antonín Dvořák rund 5200 Metal-Fans auf das martialische und höllisch laute Manowar-Set einzustimmen, ist mehr als eine Herausforderung.

Joey DeMaio ist bekennender Richard-Wagner-Fan

Seit dem späten Herbst haben sich die Schüler trotz paralleler Proben für das Weihnachtskonzert auf diesen Abend in der Grugahalle vorbereitet. Manowar-Bassist und Richard-Wagner-Fan Joey DeMaio hatte die Kooperation mit dem klassischen Schulorchester angestoßen. „Ohne die Klassik hätten wir heute kein Metal, kein Pop kein Garnichts. Und die Klassik ist im Begriff zu schwinden. Das müssen wir verhindern“, hatte er bei der Vorstellung des Projekts erklärt.

„Ich bin hier mit einem super Orchester und wir haben viel geprobt. Das wird gut“, gibt sich Geigerin Franzi Nebel noch selbstbewusst, als es im Gänsemarsch durch das Foyer geht. Vorbei an meist langhaarigen, bevorzugt schwarz gekleideten Männern, die sich an der Theke aufs Konzert einstimmen. Ana Alba-Schmidt lässt ihren Blick über das ungewöhnliche Publikum schweifen „Mit Metal hatten die meisten von uns vorher nie etwas zu tun“, sagt die 16-Jährige, die seit mehr als sieben Jahren Klarinette spielt. Als sie wenig später gemeinsam mit ihren Orchester-Kollegen auf der riesigen Bühne Platz nimmt, brandet Jubel auf. „Hallo Essen, hallo Manowar-Fans“, begrüßt Marcus Schönwitz die Menge, die nun immer weiter anwächst.

„Klassik und Metal passen zusammen“

Statt fetter Basslinien, ohrenbetäubender Gitarrenriffs und der unverkennbaren Stimme von Manowar-Sänger Eric Adams klingen die ersten, sanften Töne der „Neuen Welt“ aus den Boxentürmen. „Lauter, lauter“, brüllen einige in der ersten Reihe und fordern eine Zugabe ein.

Die sollen sie haben: Als die drei Manowar-Stücke, die Marcus Schönwitz in Kooperation mit dem amerikanischen Band-Management umarrangierte, gespielt werden, gibt’s kein Halten mehr. Besonders heraus sticht Schüler Richard, der ausgerechnet an der Triangel die Fans mit Gesten anheizt. Als die später laut „Triangel, Triangel“ skandieren, kann sich auch Marcus Schönwitz das Lächeln nicht verkneifen.

Lokales „Es hat alles gepasst, ich bin richtig stolz auf unser Orchester“, zieht der Lehrer später Bilanz. Und auch den Manowar-Fans hat der ungewohnte Ausflug auf klassisches Terrain gefallen. „Die waren richtig gut. Und dass Klassik und harter Rock zusammenpassen, haben ja auch Deep Purple und andere schon bewiesen“, sagt Meinolf Obsölder aus Castrop-Rauxel nach dem Konzert. Viele Fans klopfen dem Orchester-Nachwuchs auf die Schulter, machen Komplimente.

Schade nur, dass es ihnen die Altmeister von Manowar nicht gleich tun und wenig später ihr bewährt lautes Bühnenprogramm abspulen. Es wäre eine große Geste gewesen.