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„Hinterhaus“ bietet freier Szene Raum zur Entfaltung

30.04.2010 | 15:12 Uhr
„Hinterhaus“ bietet freier Szene Raum zur Entfaltung

Essen.Beim „Hinterhaus“ ist der Name Programm - gut versteckt an der Rellinghauser Straße entsteht dort seit August vergangenen Jahres ein Zuhause für die freie Szene. Deren Kritik an der Kulturhauptstadt ist nichts Neues. Dass sie ihr Schicksal in die eigene Hand nimmt, schon.

Das Hinterhaus zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Schließlich ist der Name Programm. Dabei lohnt sich der Weg, am Bahnhof vorbei an Graffiti beschmierten Wänden und abgerissenen Plakaten hin zu einem unscheinbaren Hinterhof an der Rellinghauser Straße. Seit August vergangenen Jahres entsteht dort auf 168 Quadratmetern ein Zuhause für die freie Szene.

Gastgeber sind der Werbedesigner Frank Dobry und der frei schaffende Bildhauer Lex Spielmann, die die Ruhrgebietsszene kennen wie ihre Westentasche. Schon lange reift in den beiden die Idee, Kreativen ihre eigenen vier Wände zu geben. Dass die freie Szene gegen das Konstrukt Kulturhauptstadt schießt, ist nichts Neues, dass sie ihr Schicksal in die eigene Hand nimmt, schon.

„Wenn wir etwas gut finden, soll es bei uns auch eine Plattform bekommen“

Lex Spielmann und Frank Dobry (links auf der Baustelle im Hinterhaus. Schon im Mai soll die Location mit „A week at the unique“ ihre erste Feuerprobe bestehen. Foto: Kerstin Kokoska

„Durch die Kulturhauptstadt wird eine Zwei-Klassen-Gesellschaft gefördert. Bist du nicht bekannt, wirst du auch nicht gefördert. Dabei gibt es vor allem in Essen zig Kreative, die es verdient hätten“, ist Dobry überzeugt. Das „Hinterhaus“ ist deswegen auch vielmehr eine Herzensangelegenheit, die er mit Spielmann privat stemmte - komplett ohne Förderung. Dabei setzen die beiden auf Vielfalt: Egal ob Künstler, Musiker, Schauspieler, Tänzer oder Autor: „Wenn wir etwas gut finden, soll es bei uns auch eine Plattform bekommen“, so Spielmann. Das kann eben so gut eine Ausstellung, ein Konzert oder eine Party sein.

Bei der Suche nach geeigneten Räumen wurden sie schließlich direkt in der Nähe des Hauptbahnhofs fündig. In dem verfallenen Gebäude, das früher unter anderem einen kroatischen Basketballverein beheimatete, gab es allerdings noch allerhand zu tun: „Hier lag so ziemlich alles im Argen. Wir haben die komplette Bausubstanz von Grund auf erneuert“, sagt Frank Dobry. Mittlerweile sind die Arbeiten fast abgeschlossen. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Piano geliefert, das nun inmitten von Bauschutt auf seinen ersten Einsatz wartet. In Planung sind außerdem ein Kreativbüro und ein separates Tonstudio.

„Das Ruhrgebiet ist wieder zum Magneten geworden“

Selbst der Fußboden wurde von frei schaffenden Künstlern gestaltet. Foto: Hinterhaus

Nach mehreren privaten Anlässen soll die Location vom 8. bis 15. Mai ihre erste offizielle Feuerprobe bestehen. Dann ersteht für eine Woche der legendäre Düsseldorfer „Unique Club“ wieder auf. Initiator ist DJ und Musikjournalist Kai-Uwe Müller, der sich das Konzept „Club Temporär“ ausgedacht hat. Das mobile Kunst-, Musik- und Clubprojekt verwandelt die Räume mit Hilfe von Lichtinstallationen, typischen Einrichtungsgegegenständen und Soundkonzepten in das ehemalige Unique. Das DJ-Set liest sich mit Henry Storch, den Homewreckers, Dr. Ben und Andrew Quarterman wie die Tanzbibel des Ruhrgebiets. 60’s, Funk, HipHop und Soul sollen am 8., 12. und 15. Mai bei Feierwütigen keine Wünsche offen lassen.

Nach der Premiere in Düsseldorf ist Essen als Fortsetzungsstandort des Club Temporär für Kai-Uwe Müller ideal: „Das Ruhrgebiet ist wieder zum Magneten geworden. Früher sind Künstler und Freischaffenden am liebsten nach Berlin gegangen, heute kommen viele wieder.“

Eben das wollen Dobry und Spielmann mit ihrem Hinterhaus erreichen. „Es ist ein Ort der Chancen - vor allem für Projekte, die sonst kein Forum haben“, sagt Dobry. Bislang sind die beiden damit nur auf offene Ohren gestoßen, wie Dobry zusammenfasst: „Wir haben hier Räume mit echtem Wohlfühlcharakter. Es ist zwar schwer, sie zu finden aber noch schwieriger, wieder zu gehen.“

Jennifer Schumacher

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