Das aktuelle Wetter Essen 15°C
Szene

Essener verschicken das Lebensgefühl Rockabilly in die Welt

01.08.2014 | 09:30 Uhr
Stephan Stadie und ihre Mitarbeiterinnen Ivonne (l.) und Sonja im Laden in Rüttenscheid.Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool

Essen-Rüttenscheid.  Stephan und Silke Stadie, die an der Theklastraße in Essen-Rüttenscheid den Laden „Red, Hot and Blue“ betreiben, führen gleichzeitig einen der weltweit größten Versandhandel für die Szene. Seit 2007 haben sie ein eigenes Label, das mittlerweile auch in Japan und Mexiko getragen wird.

Stephan Stadie ist zarte 15 Jahre alt, als ihn das Lebensgefühl Rockabilly, also die Faszination für die Musik und die Kultur der 1950er-Jahre packt. Daran trägt in erster Linie James Dean die Schuld, der in den Achtzigern sein großes Idol wird. Die hübschen Mädels in den figurbetonten Kleidern, die lässige Musik und die coolen Autos tun ihr Übriges. „Von da an“, sagt der 45-Jährige, „hat mich das nie wieder losgelassen.“ Mit seinem Versandshop „Rockabilly Rules“ gehört er weltweit zu den drei größten der Szene, verkauft Jeans, Kleider, Schuhe und Accessoires im Fifties-Stil sowie Pomade in rauen Mengen mittlerweile nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, Mittel- und Südamerika und in Asien, wo die Rockabilly-Szene in Ländern wie Indonesien und Japan boomt.

Von Schuhen mit halsbrecherischen Absätzen... Foto: Sebastian Konopka

Sein Laden in der Theklastraße, den er ebenso wie den Versandhandel mit Ehefrau Silke führt, wird im nächsten Mai zehn Jahre alt – und hat sich mittlerweile zur Pilgerstätte für Rockabillys von Hamburg über Holland bis in die Schweiz entwickelt. „Viele kennen uns durch den Onlineshop und wollen sich den Laden ansehen. Das verbinden sie dann meist mit einem Kurztrip ins Ruhrgebiet. Auch Kunden aus Skandinavien kommen häufig hierher“, sagt Stephan Stadie, der diesen Lebensweg so nie geplant hatte.

Er studierte Marketing und betreute diesen Bereich für ein Möbelhaus, ehe er sich 2003 selbstständig machte. „Wir haben in unserer Garage in Stoppenberg ein paar Produkte selbst entworfen. T-Shirts und Ohrstecker, die wir dann bei Ebay verkauft haben. Weil das Interesse immer weiter wuchs, haben wir den Schritt schließlich gewagt“, so Stadie. Seine Frau ist Webdesignerin, gestaltet damals eine Homepage für die „Stray Cats“ – eine Neorockabilly-Band aus den USA. Gleichzeitig schaffen die beiden eines der ersten Online-Foren für Rockabilly in Deutschland, organisieren Treffen, vernetzen Fans von München bis Hamburg – und werden so bekannt in der Szene.

...bis hin zu Tassen gibt es an der Theklastraße alles, was Fans der Rockabilly-Szene brauchen. Foto: Sebastian Konopka

Parallel dazu wächst auch der Online-Shop, der seiner Zeit im Jahr 2003 schon um einiges voraus ist. Dennoch fehlt Stadie noch etwas: „Eine typische Jeans im 1950er-Jahre-Stil mit hohem Umschlag habe ich einfach nirgends gefunden. Also haben wir 2007 unser eigenes Label Rumble 59 gegründet“, sagt Stadie. Eine Designerin wird eingestellt, die mittlerweile auch Kleider, Pullover, Jacken entwirft. Selbst die Pomade – die seit dem wachsenden Bärte-Trend gefragt ist wie nie – lässt Stadie in Norddeutschland unter dem Markennamen herstellen. Kein Wunder also, dass die ursprünglich drei Kellerräume unter dem Ladenlokal als Lagerraum irgendwann zu klein wurden. Mittlerweile stapeln sich die Produkte in einem großen Hochregallager in einer Halle im Südviertel.

Szene ist offener geworden

Die auch auf der Straße sichtbar wachsende Begeisterung für das Lebensgefühl der 1950er-Jahre erklärt sich Stadie auch mit der größeren Offenheit der Szene: „In den Achtzigern war das alles strikt voneinander getrennt. Da wurde schief geguckt, wenn auf einmal ein Punk bei einem Rockabilly-Konzert auftauchte. Heute mischen sich die Szene mehr, haben Skater Spaß an Oldtimern oder lassen sich Hipster einen Bart wachsen und kaufen bei uns die Pomade.“ In Rüttenscheid schätzt er auch die gute Nachbarschaft – das in der Szene beliebte und im Ruhrgebiet ebenfalls ziemlich einzigartige Soul Hell Café liegt direkt nebenan, ist auch beim Straßenfest zum Zehnjährigen am 16. Mai nächsten Jahres mit im Boot. Stephan Stadie: „Die Rockabilly-Szene ist wie eine große Familie. Vielleicht verbindet uns auch ein wenig die Faszination für die Lebensfreude und die Aufbruchstimmung, die diese Zeit verkörpern.“

Alles für den Rock'n'Roller

 

Jennifer Schumacher

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Von Schönebeck bis Freisenbruch 1926
Bildgalerie
Historische Luftbilder
27. Rü-Fest
Bildgalerie
Essen-Rüttenscheid
article
9654116
Essener verschicken das Lebensgefühl Rockabilly in die Welt
Essener verschicken das Lebensgefühl Rockabilly in die Welt
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/essen/szene/essener-verschicken-das-lebensgefuehl-rockabilly-in-die-welt-id9654116.html
2014-08-01 09:30
Rockabilly, Musik, Kultur, James Dean, Szene, Kleidung, Online-Shop, Handel
Szene