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Essener Banditen-Bar zeigt Raucher in allen Lebenslagen

30.05.2012 | 15:55 Uhr
Präsentierte „Raucher“ in der Banditen-Bar: Künstler und Musiker Nagel. Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Was vor Jahren noch zusammengehörte wie Pils und Schaumkrone, ist mittlerweile ein Politikum: Raucher in einer Kneipe. Der ehemalige Muff Potter-Sänger Nagel hat sich der nikotinkonsumierenden Spezies angenommen - und eine Ausstellung daraus gemacht, die seit Dienstag in der Banditen-Bar zu sehen ist.

Genüsslich zieht Thorsten „Nagel“ Nagelschmidt an seiner Zigarette. Ausgerechnet dieser umstrittene Akt aus Genuss und Selbstzerstörung ist das Thema der Ausstellung, mit der der ehemalige Muff Potter-Sänger seit eineinhalb Jahren durch deutsche Großstädte zieht. Seit Dienstag sind die Linoldrucke in der Banditen-Bar in Rüttenscheid zu sehen. Sie zeigen Raucher - berühmte und unbekannte, gelangweilte und sprachlose, verzweifelte und nachdenkliche. Raucher in einer Kneipe - was vor Jahren noch zusammengehörte wie Pils und Schaumkrone, ist mittlerweile ein Politikum. Auch in der Banditenbar, in der man dem Nikotin-Laster bislang aufgrund der Eckkneipen-Größe noch nachgehen darf.

Dabei geht es Nagel aber vor allem darum, mit seinen Bildern Stimmungen zu erzeugen. „Natürlich ist die Ausstellung aber auch ein Statement gegen das Gesundheitsdiktat. Ich möchte selbst bestimmen, ob ich meinem Körper schade“, sagt der 35-Jährige, für den Rauchen etwas „Subversives“ ist. Mit erst 26 Jahren hüllte er sich zum ersten Mal in blauen Dunst, „ich war erst klassischer Partyraucher“, erinnert er sich. Kritik habe er für seine Bilder noch nicht bekommen - im Gegenteil: Einige der auf sieben bis zwölf Stück limitierten Drucke, die neben Ex-Freundinnen und anderen Menschen aus Nagels Leben auch Persönlichkeiten wie Amy Winehouse und Albert Camus zeigen, sind schon ausverkauft. Zwischen 90 und 320 Euro kosten die Drucke, je nach Größe und Auflage.

An die Kunst kam Nagel dabei eher zufällig: Für sein Buch „Was kostet die Welt?“ gestaltete er sein Cover selbst und entdeckte so den Linoldruck für sich: „Ich bin handwerklich total unbegabt, deswegen bin ich immer ganz begeistert, wenn ich das fertige Bild in den Händen halte.“ Von der Musik und der Literatur also nun zur Kunst? Nagel, der mittlerweile in Berlin wohnt, lässt sich überraschen. Die Band Muff Potter ist und bleibt Geschichte. Dass von ihm weiterhin mehr zu erwarten ist als Schall und Rauch, steht fest.

Raucher als Kunstwerke

Die Ausstellung in der Banditenbar läuft noch bis zum 29. Juni, dienstags bis samstags ab 20 Uhr.

Jennifer Schumacher



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