Bilder mit Ecken und Kanten aus dem „ruhr.pott“
16.02.2010 | 14:30 Uhr 2010-02-16T14:30:00+0100
Mit seinem Erstlingswerk „ruhr.pott“ hat der Essener Hobby-Fotograf Stefan Kalscheid einen Bildband geschaffen, der in seiner Authentizität wohl einzigartig ist. Um seine Heimat genauso individuell einzufangen wie die Menschen, setzt der 34-Jährige auf analoge Fotografie.
Zeche Zollverein, Stadthafen, Tetraeder - allesamt Sehenswürdigkeiten, die wohl vor hunderten Linsen landeten und schließlich als Hochglanzfotografie im Wohnzimmer endeten. Doch Essen und das Ruhrgebiet sind eben nicht Hochglanz.
Offene Menschen
Bei den Aufnahmen, die in den vergangenen drei Jahren entstanden, rückte der 34-Jährige gleichermaßen Kulissen und Menschen in den Vordergrund. Egal ob beim Hot Rod Treffen in Bottrop, im Essener Stadthafen oder vor dem Hintergrund des Berliner Platzes - auf rund 100 Seiten zeigt Stefan Kalscheid, was ihn an seiner Heimat fasziniert. Dafür holte er vor allem enge Freunde und Bekannte vor seine Mittelformat-Kamera, eine analoge Pentacon.
„Die Kamera habe ich bereits Mitte der 80er-Jahre bekommen. Die wurde nach der Wende gar nicht mehr produziert“, so Kalscheid. Für seinen Fotoband entschied er sich ganz bewusst für die „veraltete“ Form der Fotografie. „Die Bilder sind viel individueller und das Ergebnis nicht planbar. Das war mir wichtig“, erklärt Kalscheid.
Auch seinen Foto-Models hat er alle Freiheiten gelassen. „Lieber drehe ich mich, als die Leute zu dirigieren. Ich wollte auch zeigen, wie locker und offen die Menschen hier sind“, sagt der Fotograf.
Ebenso wie seine Heimat haben auch die Bilder Ecken und Kanten. Kalscheid spielt mit dem Licht, stellt einen zerbrochenen Fernseher vor die Kulisse eines Hochhauses, lässt auf seinen Bildern Kaninchen an der Leine ausführen. Das Erstlings-Werk des Hobby-Fotografen, der als gelernter Kaufmann bei RWE Kunden berät, ist eine Herzensangelegenheit.
Innere Freiheit
Eine Kamera verleihe ihm das Gefühl von innerer Freiheit, sagt er. Schon als kleiner Junge fotografierte der Essener seine Fahrräder, wurde später von Freunden und Verwandtschaft immer als erstes angesprochen, wenn es Anlässe für die Ewigkeit festzuhalten galt.
„Vor dem Hintergrund der Kulturhauptstadt habe ich mir gedacht: Versuchst du es mal“, sagt Kalscheid.
Den Verlag übernahm er komplett selbst. Anschließend ging er in Essener Buchhandlungen fleißig Klinken putzen, um sein Werk, das in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen ist, an den Mann zu bringen.
Mehr Infos zu dem Fotografen gibt es auf seiner Homepage.
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