Supermarkt-Öffnungszeiten gefährden Kioske
21.10.2010 | 07:57 Uhr 2010-10-21T07:57:00+0200
Essen.Immer mehr Supermärkte öffnen bis 22 oder sogar 24 Uhr. Das stellt Kioske vor Probleme. Viele Betreiber klagen über massive Einbußen. Vor allem bei Getränken sei der Umsatz zurück gegangen, klagt einer.
Die Öffnungszeiten bis Mitternacht werden bei den Rewe-Filialen Rüttenscheider Straße und Töpferstraße als „Test“ bezeichnet. Dieser geht mindestens bis Ende 2010. Diese Läden gehören zur Rewe-Group Köln. Rewe an der Steeler Straße (gehört Rewe Dortmund) will dauerhaft weiter bis 24 Uhr offen halten.
„Früher“, sagt Kiosk-Besitzer Wolfgang Hähn (57), „da hatte ich sogar Crème Fraîche und Kondome.“ Hähn betreibt seit 13 Jahren eine Trinkhalle an der Hedwigstraße in Rüttenscheid. Das Revier-Klischee von der pittoresken Klümpchen-Bude – hier und anderswo steht es noch in schönster Blüte. Leider muss man hinzufügen: Man weiß nicht, wie lange noch.
„Das Angebot hab’ ich doch schon zurückgefahren“, sagt Hähn. Denn fünf Fußminuten von seinem Kiosk hat seit Juni der Rewe-Supermarkt an der Rüttenscheider Straße täglich bis 24 Uhr geöffnet. Hähn seufzt. „Wir spüren das alle, da können Sie jeden fragen. Sogar die Tankstellen. Vor allem bei Getränken und Zeitschriften ist es viel weniger geworden.“
Dabei bekam Hähns Bude, hübsch umrahmt von einer Gründerzeitfassade und idyllisch gelegen an einem Spielplatz, erst in dieser Woche prominenten Besuch. Fritz Pleitgen und Oliver Scheytt, die Geschäftsführer der Kulturhauptstadt, ließen sich in der Bude fotografieren für eine Magazin-Reportage. Hähns Kiosk diente als Kulisse. Ob’s hilft?
„Wenn der Supermarkt abends zumacht, merken wir das“
Als erster Essener Supermarkt weitete im November 2009 Rewe an der Steeler Straße die Öffnungszeiten aus , macht seitdem von sieben bis 24 Uhr auf, montags bis samstags. Zwei weitere Filialen – Rüttenscheid und Rellinghauser/Ecke Töpferstraße – kamen im Juni hinzu. „Als Test“, betont eine Rewe-Sprecherin in Köln. Doch die Ergebnisse seien vielversprechend. Junge Kunden würden die ausgedehnten Zeiten gerne nutzen, ebenso Schichtarbeiter.
Im Südviertel, an der Franziskastraße, betreibt Begi Zadeh einen Kiosk – in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Edeka, der täglich bis 22 Uhr geöffnet hat. Die Strategie der Kiosk-Pächterin: Noch längere Öffnungszeiten. „Wenn der Supermarkt abends zumacht, merken wir das, ab zehn Uhr kommt noch ein ganzer Schwung.“
An der Rellinghauser Straße öffnet der „Kaiser’s“-Markt seit Oktober 2009 von 7 bis 22 Uhr. Gegenüber liegt der Kiosk von Mannikkavasaker Krishnar, einem Mann aus Sri Lanka. „Klar merken wir die neuen Öffnungszeiten“, sagt der Verkäufer, der die Trinkhalle seit elf Jahren betreibt. Vor allem bei Getränken gebe es ein starkes Minus. Das ist für Kiosk-Besitzer besonders schmerzhaft, denn: „Daran verdienen Sie mehr als an Zigaretten.“ Krishnar rettet sich mit dem Sonntag über die Runden – denn dann bleibt „Kaiser’s“ zu.
Schräg gegenüber vom Rüttenscheider Rewe, der erst um Mitternacht schließt, betreibt Stephan Schwill seinen Kiosk. Sein Trick: Er schließt abends zwar schon um 18.30 Uhr – aber: Dafür öffnet er morgens um halb sieben. Dreißig Minuten früher als Rewe. „Dann stehen hier schon die Handwerker“, sagt Schwill, „und verlangen nach Kaffee, Brötchen und einer Zeitung.“
17:44
Willst du keine Euros verlieren, musst du die Preise studieren, kauft der Budenbesitzer selbst bei Aldi ein, und macht dir ein Sonderangebot fein.
Unsere Politik ist an der Missere schuld, nach Abzug aller Abgaben bleibt uns nur 20% vom Euro übrig, und das ist zuwenig.
13:20
lange öffnungszeiten sind service am kunden....
meinetwegen 24h am stück.....
burger king zb macht an manchen stellen ja nur noch 3-4 std zum putzen zu und ansonsten rund um die uhr auf.....
richtig so....wenn man spät nachts fast food will soll man die auch bekommen,was ist daran so schlimm?
wir leben nicht mehr in den reguielerungswütigen 80er jahren wo es schon ein problem war wenn man nur ein brot um 18:25 im supermarkt kaufen wollte und von den verkäufern schon schief angesehen wurde wenn man um diese zeit noch den laden betrat....
heutzutage herrscht wettbewerb und brüssel hat die deutsche politik dazu gezwungen ins 21.jahrhundert aufzuschliessen....
und nur so nebenbei...niemand zwingt einen supermarkt bis 24 uhr oder länger zu öffnen....dann halt weniger umsatz.....
und was ist das ?
gut so...
18:43
@ 28. Wo habe ich die Marktwirtschaft nicht verstanden? Die Preise werden durch den Preiskampf der unterschiedlichen Supermarktketten niedrig bleiben, ob mit oder ohne Kiosken. Und was Scannerkassen sowie elektronische Preisschilder mit meinem Beitrag oder zu tun haben sollen erschließt sich mir nicht wirklich.
17:54
Nun, die große Vollzeitstellenflut hat es durch die Ausweitung der Öffnungszeiten nicht gerade gegeben. Aber viele Teilzeitstellen - teilweise auch für Frauen, die so den Weg zurück ins Berufsleben finden können, weil zwischen 20-24h auch der Partner auf die Kinder aufpassen kann.
Wie groß der Anteil von Leiharbeitern abends in den Supermärkten ist, kann ich nicht beurteilen: aber wer nimmt es denn dem Supermarkt übel, sich nicht langfristig zu binden - auf die Politik kann man sich nicht verlassen, dass sie nicht plötzlich wieder die Uhren zurückdreht.
Schlechte Bezahlung ist übrigens ein schlechtes Argument gegen die Supermärkte. Wirklich prekär ist doch die Lage der Tankstellenmitarbeiter und der Kioskbetreiber und ihrer Aushilfen - nur nehmen die für Alltägliches Wucherpreise.
Deshalb verstehe ich die einseitige Parteinahme und auch die Position des NRW-Arbeitsministers nicht.
16:45
#12 von werder
Ihre Beobachtung kann ich nur bestätigen.
Hier der O-Ton eines mir bekannten Budenbesitzers:
Den meisten Umsatz mach ich mit Leuten, die eigentlich kein Geld haben,
Hartz4 und Sozialhilfeempfänger.
Glück auf!!
13:37
#27 von Kitsune, nur ein Beispiel:
Die Konzerne verlangen von den eingegliederten Bäckern Vielfalt in den Sorten und stets volle Regale. Bis zum Feierabend. So produzieren diese 20% Müll am Tag. Der will bezahlt sein. Der Bäcker in der Fläche will aber das Regal am Ende leer haben und nichts weg schmeißen.
Zum MHD: das hat nur bei Fisch, Fleisch und Ei einen Infowert. Bei allem anderen Kram legt die Industrie das fest, viele denken das sei ein gesetzliches Verfahren. Und die Industrie verkürzt die Aufdruckfristen ständig. Und wer nie mal selber kocht, hält das dann für ungenießbar und muss natürlich schneller nachkaufen, zwecks Vorratshaltung wie auf der finalen Expedition. Und aussortiert wird das schon 2 Tage vor Termin, da bringen die 4h Abendlagerung eh nichts.
Und die Billigjobber am Abend, ohne Tarif, deren Wohngeldzuschuss will auch bezahlt sein. Nur damit die Vergessli-aber das sagt ich ja schon....
13:30
Hoffentlich verschwindet mit den Kiosken auch die berüchtigte Büdchensteherszene mit ihren ausufernden Alkoholexzessen und deren unschönen Begleiterscheinungen für das Umfeld, wie z.B. Speiflecken im großen Bogen auf Bürgersteig und Parkbänken, durch die Hundehalter und Schulkinder morgens ausrutschen können.
13:22
Fahrenb sie doch mal zum Kiosk an der HeinrichStrunkStraße in Altendorf. Dieser Kiosk ist oftmals sogar günstiger als der nicht weit entfernte PennyMarkt. Eine Flasche MArkenbier kostet dort ca 85cent, eine große Flasche Cola gerade mal 1.50€ oder so. Der Betreiber dort kann sich vor Kundschaft kaum retten. Und das völlig zurecht.
12:57
Öffnungszeiten anpassen und der leistungsfähige Kiosk mit kommunikativem Persoal wird es schaffen.
12:42
Tja, wenn es denn wenigstens einen steuerfreien Nachtzuschlag für die VerkäuferInnen gäbe ...
Oder beispielsweise Betriebskindergärten ...
(sorry, ich schwelge gerade in der Vergangenheit, aber wir haben es ja nicht anders gewollt)