Wohnheimbau auf altem Kirchengelände soll endlich starten

Hoffen, dass es bald losgeht: Architekt Stefan Marré (l.) und Günter Oelscher, Vorstand des Franz-Sales-Hauses.
Hoffen, dass es bald losgeht: Architekt Stefan Marré (l.) und Günter Oelscher, Vorstand des Franz-Sales-Hauses.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das Franz-Sales-Haus plant auf dem Gelände der ehemaligen Kirche St. Raphael ein Haus für geistig behinderte Mädchen. Eigentlich sollten die Bagger schon vor Jahren anrücken, doch es gab diverse Gründe, die den Start verzögerten.

Essen-Bergerhausen..  Die katholische Kirche St. Raphael ist längst Geschichte. Anfang 2009 wurde sie vom Bistum aufgegeben, 2013 abgerissen. Das Gelände an der Ahrfeldstaße ist umzäunt, doch von Arbeiten für die Folgenutzung - Hochtief plant dort Wohnbebauung, das Franz-Sales-Haus (FSH) auf einem Viertel des Areals ein Wohnheim für geistig behinderte Jugendliche - ist noch immer nichts zu sehen. „Das wird sich von unserer Seite aus in Kürze ändern“, verspricht Stefan Marré, Architekt und technischer Leiter des Franz-Sales-Hauses. Er rechnet mit dem Baubeginn für spätestens Anfang November. Denn seit dem 1. August sei das FSH endlich offiziell Eigentümer des Grundstücks.

Die lange Verzögerung hat offenbar diverse Gründe: So habe das FSH zwar bereits 2009 das ehemalige Kirchengrundstück erworben und ein kleineres Grundstück von der Stadt zugekauft, sei aber laut Vertrag erst dann Eigentümer des Geländes, wenn der Bauantrag genehmigt sei. Aber: Den Bauantrag könne das FSH nur stellen, wenn es Eigentümer des Grundstücks sei, versucht Marré die absurde Situation zu erklären. Die Baugenehmigung habe im Juli 2014 nur deshalb erteilt werden können, weil die Stadt sich selbst eine Übergangsbestätigung ausgestellt habe.

Zudem war für das ehemalige Kirchengelände ein neuer Bebauungsplan erforderlich. Das Architektenbüro Koschany und Zimmer fertigte nach den Vorstellungen des FSH einen Entwurf. Auf dieser Grundlage entstand der neue Bebauungsplan, der ausgelegt und Ende 2012 schließlich freigegeben wurde. Marré sieht weitere Gründe für die Verzögerung: Es habe Probleme bei der Kostenberechnung gegeben. Kostenträger ist der Landschaftsverband Rheinland (LVR). Und der habe wiederholt „Kostenüberschreitungen“ festgestellt. „Die Summe, die ein solches Haus pro Quadratmeter kosten darf, wurde vor acht Jahren festgelegt. Inzwischen sind natürlich die Preise, zum Beispiel für Handwerker, deutlich gestiegen“, erklärt Stefan Marré die Unstimmigkeiten. Auch die Quadratmeter-Vorgabe pro Zimmer der Wohngruppe habe sich im Laufe der letzten Jahre geändert, liege jetzt höher.

Doch auch in diese Probleme seien inzwischen gelöst. Der Landschaftverband habe eingelenkt und den Kostenrahmen erweitert. Dem Baubeginn stehe nichts mehr im Wege, wenn die entsprechenden Bescheinigungen des Amtsgerichts eingetroffen seien, hofft auch Günter Oelscher, Vorstand des FSH, dass jetzt zügig die Bagger anrollen. „Wir bauen keinen Luxus, müssen uns aber an die Energiesparverordnung halten und zukunftsorientiert handeln. Das entspricht ja auch unseren Leitlinien“, betont Valeska Ehlert, Sprecherin des Franz-Sales-Hauses.

An Erfahrung mit solchen Projekten mangelt es dem Franz-Sales-Haus laut Architekt Stefan Marré nicht: Fünf ehemalige Kirchengrundstücke in Essen und eines in Bochum wurden bereits übernommen. „Für die Gemeindemitglieder ist die Aufgabe ihrer Kirche immer schwierig und mit großen Emotionen verbunden. Viele wünschen sich dann eine weitere soziale Nutzung für die Grundstücke“, weiß der Architekt. Ein Umbau des Pfarrhauses, das auf dem vom FSH erworbenen Areal stand, habe sich nicht angeboten. So blieb nur der Abriss.

„Leerstehende Gebäude sind oft Ziel von Vandalismus. Deshalb ist ein zügiger Abriss sinnvoll“, so Marré. „Der Neubau soll einen Mehrwert für die Nachbarn darstellen, neue Infrastrukturen schaffen, ein Ort der Begegnung werden.“ Deshalb plane man einen kleinen Laden, der auch für die Stadtteilbewohner offen sei. Die ursprünglich geplante Bäckerei werde man wohl nicht verwirklichen, da inzwischen eine solche in dem ehemaligen Lebensmittelgeschäft an der Ecke Ruhrallee/Ahrfeldstraße eröffnet habe.

Die Bauzeit soll - abhängig von der Witterung - etwa 15 Monate betragen. In dem Neubau werden auf zwei Etagen je zehn Einzelzimmer entstehen.