„Wir starten wieder durch“
31.01.2012 | 19:00 Uhr 2012-01-31T19:00:00+0100
Haarzopf. Vier Haarzopfer Geschäftsfrauen erlitten 2011 große Umsatzeinbußen durch die Baustelle. Jetzt gehen die Arbeiten in die Endphase, einige Parkplätze sind schon wieder nutzbar. Und die Geschäftsfrauen hoffen auf bessere Zeiten.
Ein hartes Jahr liegt hinter den Geschäftsleuten, die gegenüber der Neuen Mitte Haarzopf an der Humboldtstraße ansässig sind. Jetzt ist die Straße vor ihren Läden weitgehend wieder hergestellt, die Parkplätze sind seit Ende letzter Woche wieder nutzbar: Für vier Geschäftsfrauen ein Grund, mehr oder weniger optimistisch in die Zukunft zu blicken: „Wir starten wieder durch.“ Doch die Verluste der vergangenen Monate müssen erst einmal wieder reinkommen.
Besonders schlimm wirkte sich die Baustelle zur Durchstreckung der Fulerumer Straße und Neugestaltung der Kreuzung Erbach auf Silvia Vrenjak (72) aus, die die „Haarzopfer Modetruhe“ betreibt. „Ich habe 80 Prozent weniger Umsatz gemacht als im letzten Jahr. Hier ist keiner vorbei gekommen, niemand hat ins Schaufenster geschaut“, ärgert sie sich. „Wir haben schon sehr gelitten. Manchmal habe ich nur eine Hose in der Woche verkauft, da ja weder Fußgänger noch Autofahrer mich erreichen konnten. Wir konnten oft nicht mal die Tür öffnen, weil es so laut und dreckig war.“
Seit der Rewe-Markt nebenan geschlossen sei, käme auch niemand mehr auf dem Weg zum Einkauf vorbei. „Man hätte riesige Umwege laufen müssen, für die vielen älteren Damen, die bei mir kaufen, unmöglich“, so Silvia Vrenjak.
Sie nimmt auch Kleidungsstücke für eine Reinigung und eine Änderungsschneiderei entgegen, die die Sachen bei ihr abholen. Doch selbst diese Dienste seien in den letzten Monaten kaum angenommen worden. „Die Kunden haben gedacht, dass es mich hier nicht mehr gibt, dass ich Pleite gemacht habe“, hat Vrenjak gehört. „Die Geschäftsleute hier müssten eine Entschädigung für die Umsatzverluste erhalten“, fordert ihre langjährige Kundin Doris Katschinski, die eigens aus Mülheim kommt. „Gedämpft optimistisch“ blickt Silvia Vrenjak in die Zukunft. Die Frühlingsware sei da, aber noch nicht ausgepackt. . .
„Da bin ich wohl noch glimpflich davon abgekommen“, meint Goldschmiedemeisterin Karolin Auth, obwohl auch sie deutliche Einbußen zu verzeichnen hatte. Eigentlich laufe das Geschäft besser, seit die Neue Mitte Haarzopf auch Kunden aus Bredeney und Kettwig anziehe, die auch bei ihr herein schauten. Aber gerade freitags, früher einer ihrer Haupttage, sei es ruhig geworden: „Die Leute, die vielleicht nebenan Lotto eingezahlt haben und dann zu mir gekommen sind, um ein Geschenk für die Wochenend-Einladung zu kaufen, sind ausgeblieben.“
Ärgerlich sei, dass schon im März die Straße vor dem Haus abgesperrt war, sich aber vier Wochen nichts tat. „Ich habe jeden Tag damit gerechnet, dass die Arbeiter Striche ziehen, da ja der Verkehr hierher abgeleitet werden sollte“, erinnert sich Auth, die jetzt zum zehnjährigen Bestehen ihres Ladens 800 Karten verschickt hat, um wieder auf sich aufmerksam zu machen. „Ich hoffe, dass es jetzt wieder aufwärts geht“, sagt die gebürtige Haarzopferin, die viele ihrer Stammkunden noch von früher kennt.
„Für mich war die Bauzeit eine Katastrophe“, sagt Friseurin Maria Deschke. Die Situation sei auch für Fußgänger so kompliziert gewesen, dass viele Kunden weggeblieben seien. „Fürs Spitzenschneiden eine dreiviertel Stunde unterwegs - da muss ich mir ja ein Butterbrot mitnehmen“ - solche Aussagen habe sie oft gehört. Sie sei den Kunden dankbar, die ihr die Treue gehalten hätten und will sie jetzt mit besonderen Aktionen ein bisschen entschädigen. Teils habe sie die Kunden sogar zu Hause besucht, die den Weg zu ihr nicht mehr schafften.
Ähnlich versuchte sich auch Bettina Scholz von der benachbarten Lotto-Annahmestelle zu helfen. „Ich habe viele Kunden im Altenheim gegenüber, die nicht mehr zu mir kommen konnten. Da bin ich ‘rüber gelaufen, habe die Spielscheine abgeholt und wiedergebracht“, erklärt Scholz. Sie befürchtet, dass sich die Kunden teils eine andere Annahmestelle gesucht hätten, die besser zu erreichen sei. „Und wer einmal weg ist, kommt so schnell nicht wieder“, sagt sie und bedauert, dass sie bei Fragen, zum Beispiel zu den Absperrungen, oft keinen zuständigen Ansprechpartner gefunden hätte. „Die Stadt hat mich an die Baufirma verwiesen und umgekehrt.“ Aber das sei ja jetzt vorbei, hofft auch sie auf die Zukunft.
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