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Wie Essen vor 100 Jahren das begehrte Bredeney umwarb

25.01.2015 | 14:00 Uhr
Wie Essen vor 100 Jahren das begehrte Bredeney umwarb
Kaffeetrinken auf der Terrasse vom Luftkurhaus Ruhrstein mit Blick auf die Villa Hügel. Das Bild entstand 1909.

Essen-Bredeney.   Nach nur kurzer Unabhängigkeit wollte der reiche Stadtteil zunächst nicht eingemeindet werden. Aber Krupp hatte Expansionspläne.

Seit 100 Jahren gehört Bredeney zu Essen. Für die Bredeneyer Anlass genug, auf die Zeit der Eingemeindung, die am 1. April 1915 vollzogen wurde, zurückzublicken. Lange hatte Bredeney dafür gekämpft, selbstständig zu werden. 1902 war dieses Ziel endlich erreicht. Doch lange währte die Freude nicht, obwohl man 1901/02 eigens ein prunkvolles Rathaus erbaut hatte, das in den folgenden Jahren als Verwaltungssitz diente.

Der Eingemeindung 1915 gingen zähe Verhandlungen voraus. Zu unterschiedlich waren die Interessen, die unter einen Hut gebracht werden mussten. Dem ist Hobbyhistoriker Jürgen Lindenlaub nachgegangen. Er stützt sich dabei auf die wissenschaftliche Arbeit von Klaus Wisotzky, Leiter des Stadtarchivs, der auch den Festvortrag hält.

Eingemeindung jährt sich zum 100.Mal

Nicht ohne Grund jährt sich auch die Eingemeindung von Borbeck, Altenessen und Haarzopf zum 100. Mal. „Die Stadt Essen hatte damals unter Oberbürgermeister Zweigert ein regelrechtes Eingemeindungsprogramm entwickelt“, so Lindenlaub. Borbeck und Altenessen waren aufgrund ihrer Lage am damals neu gebauten Rhein-Herne-Kanal attraktiv. Da beide Stadtteile aber arm waren, bedeutete die Eingemeindung für die ebenfalls klamme Stadt Essen eine große Belastung. „Das reiche Bredeney kam da als Ausgleich gerade recht. Das Umfeld der Villa Hügel entwickelte sich zum beliebten Wohnort des gehobenen Bürgertums“, so Lindenlaub. Und gute Steuerzahler konnte Essen natürlich gebrauchen.

Auch Krupp hatte ein Wörtchen mitzureden: „Krupp wollte unbedingt ein Gelände in Borbeck, um dort ein zweites Stahlwerk zu errichten. Und das hatte die Stadt damals bereits unter falschem Namen erworben“, referiert Lindenlaub. Der Grunderwerb war über die Essen-Bredeneyer Terrain- und Baugesellschaft Gartenstadt GmbH erfolgt. Zwischen dieser, der Stadt Essen und Krupp sei 1911 ein Geheimvertrag geschlossen werden. Darin war festgelegt, dass keine größeren Entscheidungen über Grundstücke ohne die Zustimmung Krupps erfolgen durften. So sollte zum Beispiel der Baldeneyer Berg, also der Höhenrücken hinter dem Schloss Baldeney, nicht bebaut werden. Bredeney sei ökologisch orientiert gewesen. Es habe kleinere Handwerksbetriebe gegeben, aber kein großes Gewerbe, das viel Lärm und Dreck verursachte.

Angst vor größerer finanzieller Belastung

Wenig Interesse an der Eingemeindung zu Essen zeigte erst einmal Bredeney selbst. Keinesfalls wollte man die frisch erlangte Unabhängigkeit sofort wieder verlieren. Und die Bredeneyer hatten Angst vor größerer finanzieller Belastung, denn sie zahlten zwar aufgrund ihres Einkommens viele Steuern, aber wenig Zuschläge darüber hinaus. Gegen die Eingemeindung war aus nachvollziehbaren Gründen auch der Landkreis Essen, zu dem Bredeney bis dahin gehörte und der nicht auf die zahlungskräftige Klientel verzichten wollte.

Am Ende brach der Widerstand gegen die Eingemeindung, denn die Stadt Essen lockte den begehrten Stadtteil mit etlichen Zugeständnissen und Sonderregelungen. So sollten die Alt-Bredeneyer bis 1934 den gewohnten Abgabensatz zahlen, während Neu-Bredeneyer mit dem deutlich höheren Essener Durchschnittssatz belastet wurden. Außerdem wurde den Bredeneyern ein Mädchengymnasium versprochen, das bis 1916 gebaut werden sollte. Am Ende dauerte es bis 1928, bis das Versprechen in Form des heutigen Grashof-Gymnasiums eingelöst wurde. Einer der Gründe für die Verzögerung mag der Erste Weltkrieg gewesen sein. Zugesagt wurde auch der Bau einer Straßenbahn nach Werden, die aber tatsächlich – auch aus technischen Gründen – nie gebaut wurde.

Verhandlungen hatten Fahrt aufgenommen

Nachdem auch die preußische Regierung der Eingemeindung zugestimmt hatte und Krupp wegen des Geländes in Borbeck Druck machte, hätten die Verhandlungen Fahrt aufgenommen, so Lindenlaub. Am 15. März 1915 wurden letzte Details festgelegt, so dass der Eingemeindung am 1. April nichts mehr im Weg stand.

Der 100. Jahrestag der Eingemeindung Bredeneys wird am Mittwoch, 15. April, 19.30 Uhr, im alten Rathaus Bredeney, Bredeneyer Straße 131, mit Oberbürgermeister Reinhard Paß, Vertretern der Vereine, Verbände und Gemeinden gefeiert. Den Festvortrag mit historischen Fakten zur Eingemeindung hält Klaus Wisotzky, Leiter des Stadtarchivs.

Spenden sind willkommen

Am Samstag, 30. Mai, ab 14 Uhr, feiert der Bürgerverein Bredeney Aktiv im evangelischen Gemeindezentrum Am Brandenbusch mit den Bürgern. Jürgen Lindenlaub und Hans-Ulrich Philipsenburg werden über „1902 bis 1915 - das selbstständige Bredeney“ sprechen. Musikgruppen und Posaunenchor des Grashof-Gymnasiums wollen musikalische Lebenswelten in Bredeney vor 100 Jahren aufzeigen. Gruppen der Graf-Spee-Schule, der Meisenburgschule und des Grashof-Gymnasiums führen Sketche auf. Ab 16.15 Uhr ist ein geselliges Beisammensein mit Häppchen und Getränken der damaligen Zeit geplant. Die Veranstaltung ist eintrittsfrei, Spenden sind willkommen.

Die Organisatoren suchen noch alte Bilder, Texte, Dokumente oder Briefe aus der Zeit der Eingemeindung. Wer solche zur Verfügung stellen kann, sollte sie bei Delikatessen Weiler, Bredeneyer Straße 154, abgeben. Wer sich über die Stadtteile im Bezirk IX (Werden, Kettwig, Bredeney) und ihre Geschichte informieren will, kann das auf www.essener-ruhrperlen.de tun.

Elli Schulz

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2015-01-25 14:00
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