Wie eine Essener Kita mit 500 Anmeldungen umgeht

Eve Everett (r.) und ihre Stellvertreterin Elke Stachowiak.
Eve Everett (r.) und ihre Stellvertreterin Elke Stachowiak.
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Was wir bereits wissen
Die städtische Tagesstätte an der Brassertstraße veranstaltet erstmals einen Tag der offenen Tür, um die Eltern gebündelt zu informieren.

Essen.. Mit einem Tag der offenen Tür geht die Kita Brassertstraße – die einzige städtische Tagesstätte in Rüttenscheid – am Sonntag, 25. Januar, neue Wege. Damit soll unter anderem die Flut interessierter Eltern an einem Tag gebündelt werden. Aktuell stehen 500 Mädchen und Jungen auf der Warteliste für einen der insgesamt 100 Betreuungsplätze. Vielen Einrichtungen in der Nachbarschaft geht es ähnlich. Leiterin Eve Everett und ihre Stellvertreterin Elke Stachowiak sprechen darüber, wie sie damit umgehen.

500 Kinder auf der Warteliste – wie konnte es dazu kommen?

Eve Everett: Zunächst muss man einschränken, dass die meisten Eltern hier aus dem Einzugsgebiet ihre Kinder in gleich mehreren Einrichtungen in Rüttenscheid anmelden. Das liegt auch an der zunehmenden Attraktivität des Stadtteils und seiner guten Anbindung an Innenstadt und Autobahnen. Das Phänomen ist uns aber auch aus anderen Stadtteilen bekannt. Findet sich dann ein anderer Platz, melden sich die Eltern in den meisten Fällen nicht ab und bleiben damit weiter auf der Liste. Außerdem geben viele Eltern meist mindestens ein Jahr im Voraus Betreuungsbedarf an, wenn das Kind noch im Säuglingsalter ist. Pro Tag haben wir im Schnitt fünf neue Anmeldungen.

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Elke Stachowiak: Grundsätzlich nehmen wir uns für alle Zeit. Auch der Tag der offenen Tür, bei dem Räume und Konzept der Kita vorgestellt werden, ersetzt ja nicht das persönliche Gespräch. Das kann je nach Fragebedarf auch schon mal zwei Stunden dauern.
Everett: Gerade die U3-Betreuung erfordert viel Vertrauen zwischen den Eltern und unserem Team. Da ist es nur verständlich, dass sich Mütter und Väter jede Einrichtung genau anschauen und die Konzepte miteinander vergleichen.

Aber sind nicht auch die Ansprüche grundsätzlich gestiegen?

Stachowiak: Stand früher allein die Betreuung im Mittelpunkt, gewinnen frühkindliche Bildung und Erziehung zunehmend an Bedeutung, was sehr positiv ist. Bei uns können wir festhalten, dass den meisten Eltern eine gesunde Ernährung und frische Luft wichtig sind. Spezielle Angebote, etwa Fremdsprachen, werden eher im Privaten gesucht.

Nach welchen Kriterien werden die Plätze besetzt?

Everett: Das hat der Jugendhilfeausschuss der Stadt in einem Beschluss festgelegt, an den alle Kita-Träger gebunden sind. Er beinhaltet zum Beispiel soziale Komponenten. Beispielsweise hat eine alleinerziehende, berufstätige Mutter eine größere Chance auf einen Betreuungsplatz. Grundsätzlich muss aber jeder Fall einzeln betrachtet werden.

Angenommen, Sie erteilen den Eltern eine Absage. Was passiert dann?

Stachowiak: Im Familienpunkt der Stadt werden alle freien Kita-Plätze gesammelt. Den Eltern wird dann – im besten Fall möglichst wohnortnah – ein Platz in einer anderen Einrichtung angeboten. Dieses Verfahren soll im nächsten Jahr durch ein elektronisches System optimiert werden, das alle suchenden Eltern und verfügbaren Kitaplätze in Essen besser miteinander verknüpft.