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Wenn der Kunde alles vergisst

11.03.2015 | 08:00 Uhr
Wenn der Kunde alles vergisst
Arbeiten für das Demenz-Projekt: (v.l.) Peter Wehr, Andreas Koch, Praktikantin Louicette Ingrid Enie und Arndt Sauer.Foto: Stefan Arend

Essen-Holsterhausen/Frohnhausen.   Demenz-Projekt startet in Holsterhausen und Frohnhausen. Schulungen für Verkäufer und Dienstleister. Senioren sollen sicher leben.

Immer mehr Menschen leiden an Demenz. Um ihnen ein sicheres Leben in ihrem Stadtteil zu ermöglichen, starten der Sportverein TVG Holsterhausen und das Mehrgenerationenhaus Essen jetzt in Holsterhausen und Frohnhausen-Süd das Projekt „Demenzfreundlich im Quartier“. Die Auftaktveranstaltung findet am Donnerstag, 19. März, in der Gesamtschule Holsterhausen statt.

Ähnlich wie bei den Notinseln, also Geschäften, in denen bedrängte Kinder Zuflucht finden, soll es auch Aufkleber für demenzfreundliche Einrichtungen und Läden im Quartier geben.

Geschäftsleute und Dienstleister vor Ort werden täglich mit solchen Situationen konfrontiert: Eine Seniorin betritt innerhalb weniger Tage zum zehnten Mal den Friseursalon und wünscht einen Haarschnitt. Ein älterer Herr will fünfmal am Tag ein bestimmtes Brot kaufen. Eine Frau geht zum x-ten Mal an einem Tag zur Bank, um Geld abzuheben. Für alle Beteiligten keine einfache Situation. Wie man auf Menschen eingeht, die sich nicht mehr erinnern können, wie man ihnen mit Verständnis und Respekt begegnet, sollen Dienstleister, Verkäufer und Bankangestellte lernen.

Die kostenlosen Schulungen laufen am 13. Juni und 24. Oktober, jeweils 7.30 bis 9.30 Uhr, 14 bis 16 Uhr, 17 bis 19 Uhr, bei TVG Holsterhausen an der Keplerstraße 93. Bereits in Kürze wollen Schüler der Gesamtschule Holsterhausen und der BMV im Stadtteil Befragungen zum Thema durchführen, auch die Alfred-Krupp- und Bertha-Krupp-Schule sollen noch mit ins Boot geholt werden.

Fleischer Andreas Koch, zweiter Vorsitzender des Landesverbandes der Marktkaufleute und Schausteller, kennt die unangenehme Situation, wenn jemand zum wiederholten Mal das Gleiche verlangt. „Einerseits ist man Geschäftsmann und will verkaufen, aber man möchte den Kunden natürlich nicht schaden, sie sollen ja wiederkommen“, erklärt er. Spreche man die Leute an, reagierten die einen erbost, nach dem Motto: „Das geht Sie nichts an. Ich bezahle, also kaufe ich, was ich will.“ Andere kämen ins Grübeln, fragten vorsichtig nach: „Ich war heute schon hier?“

„Durch die Schulungen sollen Verkäufer nicht nur die aktuelle Situation retten, sondern die Betroffenen auch auf Hilfsangebote hinweisen, ihnen Flyer mitgeben“, betont Arndt Sauer vom Mehrgenerationenhaus, für die soziale und beratende Komponente beim Projekt zuständig. Man weise die Betroffenen auf Angebote wie die TVG-Tagesbetreuung, Hilfen der Diakoniestation oder das Demenzcafé der Melanchthongemeinde hin. „Die Menschen sollen miteinander reden, auch Angehörige oder Begleitpersonen sollen einbezogen werden. Wenn sich viele mit dem Problem beschäftigen und bewusster damit umgehen, macht das den Stadtteil insgesamt lebenswerter“, erläutert Peter Wehr, Vorsitzender von TVG Holsterhausen und Ansprechpartner in Sachen Sport, Bewegung und Ernährung, die Zielsetzung.

Die Auftaktveranstaltung findet am Donnerstag, 19. März, von 19 bis 21 Uhr in der Aula der Gesamtschule Holsterhausen an der Böcklinstraße 27 statt.

Weitere Informationen zum Demenz-Projekt gibt es beim Mehrgenerationenhaus Essen unter Telefon 80 66 506, Fax 178 43 146 oder per E-Mail unter info@mgh-essen.de

Elli Schulz

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2015-03-11 08:00
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