Von der Tour de Rü zur Mille Miglia

Das Siegerauto, ein Horch 853, bei der Einfahrt auf der Rü. Foto Walter Buchholz/WAZ FotoPool
Das Siegerauto, ein Horch 853, bei der Einfahrt auf der Rü. Foto Walter Buchholz/WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bei sonnigem Wetter begrüßten Hunderte die Teilnehmer der achten Oldtimer-Ausfahrt Tour de Rü bei der Ankunft auf der Rüttenscheider Straße.

Rüttenscheid.. Das sommerliche Wetter bei der Tour de Rü bekam nicht jedem: Die wassergekühlten alten Schätzchen kamen mit der Hitze gar nicht gut klar und auch etliche der PS-strotzenden historischen Rennwagen liefen heiß, die auf der kurvenreichen, steilen Strecke oft im Schritttempo hinter den schwach motorisierten Gefährten herkriechen mussten.

„Die Autos haben halt ein Eigenleben“, kommentierte Oldtimer-Experte und Mitorganisator Franz Maag die thermischen Probleme. Die Temperaturen machten nicht nur den alten Schnauferln und ihrer nach dem Winter noch etwas zähen Bremsflüssigkeit zu schaffen, sondern auch den Cabrio-Fahrern, die trotz der x-ten Ladung Sonnencreme im Ziel an den roten Nasen zu erkennen waren. Dabei hätten es erfahrene Fahrer eigentlich wissen müssen: Wenn die Tour de Rü startet, ist gutes Wetter (bisher jedenfalls).

Der ein oder andere Sonnenbrand tat dem Spaß keinen Abbruch. Die landschaftlich reizvolle, aber äußerst anspruchsvolle Strecke durchs Bergische Land, von Routenplaner Claudio Schlegtendal in zahlreichen Nachtschichten ausgetüftelt, hatte es in sich. „Ich habe eine Acht eingebaut, aber einige Fahrer sind sich nicht wie geplant einmal, sondern gleich dreimal begegnet“, schmunzelte Schlegtendal, der im Feld mitfuhr und im Notfall ansprechbar war. Manche Fahrzeuge waren nur auf Stippvisite in Essen, wie der rote BMW 507 von 1959, der extra für einen Tag aus München gebracht wurde und anschließend gleich bei der Mille Miglia, dem berühmtesten Oldtimer-Rennen der Welt, durchstartet. „Mir ist wichtig, dass die Tour de Rü immer etwas mit der Mille Miglia zu tun hat“, sagt Schlegtendal, der die „Tausend Meilen“ aus eigener Erfahrung kennt.

Hunderte Fans, viele davon mit Kamera, begrüßten die Teilnehmer bei der Vorfahrt an der Martinstraße. Oberbürgermeister Reinhard Paß war die Tour im eigenen VW-Käfer-Cabrio von 1969 mitgefahren und bedankte sich bei den Organisatoren Franz Maag, Claudio Schlegtendal und IGR-Chef Krane, der per Segway zwischen Oldtimern, Teilnehmern und Autofans auf der Rü umherflitzte: „Rüttenscheid ist so schön, weil es ist, wie es ist, und es gibt genug Menschen, die darauf achten, dass das auch so bleibt.“

Als am besten restauriertes Auto wurde der Horch 853 von Hein Gericke gekürt, vor einem Porsche Carrera 356 und einem Jaguar XK 140. Zum Sieger des Concours d’Élégance erklärte die Damen-Jury den Rolls Royce 20/25 HP vor dem Pontiak Bonneville 455 und dem VW T1 Samba-Bus, der nach Jahrzehnten im Wüstensand von Arizona gefunden wurde und mit dieser Patina zwischen den chromblitzenden, auf Hochglanz polierten Edelfahrzeugen schon auffiel.