Veranstalter hält Kritik am Rü-Fest in Essen für überzogen

Die 27. Auflage des Rü-Fests lockte in diesem Jahr wieder Zehntausende in den Stadtteil. Nach dem Fest wurden auch Stimmen laut, die zu viel Müll, Lärm und eine nachlassende Qualität der Stände bemängelten.
Die 27. Auflage des Rü-Fests lockte in diesem Jahr wieder Zehntausende in den Stadtteil. Nach dem Fest wurden auch Stimmen laut, die zu viel Müll, Lärm und eine nachlassende Qualität der Stände bemängelten.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Nach dem Rü-Fest in Essen wird regelmäßig Kritik laut: Müll, nachlassende Qualität, betrunkene Jugendliche. IGR-Chef Rolf Krane hält die Kritik für überzogen.

Essen-Rüttenscheid.. Nach dem Rü-Fest am vergangenen Wochenende wurden nicht nur Stimmen laut, die sich über Müll und Scherben beklagten. So monierten einige Besucher auch die nachlassende Qualität einiger Stände und des Festes insgesamt. Eine Debatte, die nach dem Fest regelmäßig hochkocht. Rolf Krane, Vorsitzender der veranstaltenden Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR), hält die Kritik für überzogen.

Wie steht die IGR zu dem von der Jungen Union geforderten Glasverbot?

Das ist ja kein neues Thema. Wir haben uns in der Vergangenheit an runden Tischen schon Gedanken dazu gemacht, es aber für schlicht nicht umsetzbar gehalten. Schließlich ist jeder Hauseingang auf der Rü ein Zugang zum Fest. Diese und alle weiteren Zugänge zu kontrollieren, würde einen enormen Einsatz von Sicherheitspersonal bedeuten – müssten wir das bezahlen, ließe sich das Fest nicht mehr finanzieren.

Aber bei Bochum Total und beim Karneval in Köln und Düsseldorf funktioniert’s ja auch.

Wir werden uns da sicherlich noch einmal erkundigen, wie die Nachbarstädte das Glasverbot umsetzen. Zudem werden wir das Gespräch mit Supermärkten und Trinkhallen suchen, um auszuloten, wie man den Verkauf von Glasflaschen vermeiden kann. Viele, gerade jugendliche Besucher, bringen sich ihre Getränke aber ohnehin mit.

Zu viele betrunkene Minderjährige – auch das ist nach dem Rü-Fest regelmäßig zu hören.

Ich denke, dass dieser Trend sogar zurückgegangen ist. Das haben mir auch einige Bühnenbetreiber so bestätigt, die in diesem Jahr ein sehr friedliches Fest gelobt haben. Das Rü-Fest ist sauberer und friedlicher geworden, das belegen auch die Einsatzzahlen des Rettungsdienstes. Jugendliche mit Alkohol zu kontrollieren, ist Sache des Jugendamts, das allerdings über zu wenig Personal verfügt, um beim Rü-Fest flächendeckend im Einsatz zu sein.

Gibt es Überlegungen, wie das Müllaufkommen verringert werden könnte?

Bereits im vergangenen Jahr wurden rund 70 Mülleimer und Container mehr aufgestellt. Scheinbar sind es aber immer noch nicht genug, dort werden wir noch einmal nachbessern. Wenn mehrere tausend Menschen eine Veranstaltung besuchen, lässt sich viel Müll aber leider nicht verhindern. Richtig schlimm sieht es außerdem nur an einigen Stellen aus, etwa im Bereich oberhalb der Rüttenscheider Brücke – und dort sammelt sich der Müll erst spät am Abend. Es wäre unfair, singuläre Stellen zu nehmen und sie auf das ganze Fest zu münzen, das tagsüber in erster Linie ein Familienfest ist.

Wer bezahlt die Entsorgung?

Glasverbot Die Gebühren in einer Größenordnung von etwa 10 000 Euro tragen wir als Veranstalter. Dabei sei den Entsorgungsbetrieben ein Lob ausgesprochen – die Reinigung nachts funktioniert reibungslos, am Sonntag wurde nochmals gereinigt und auch im Christinenpark und in den Seitenstraßen aufgeräumt.

Mitunter keimt die Forderung auf, das Rü-Fest zu verkleinern, dafür aber qualitativ aufzuwerten.

Dabei vergessen viele, dass das Rü-Fest bereits verkleinert wurde. Bis Ende der 1990er-Jahre zog sich das Fest bis zu den Stadtwerken hinunter. Grundsätzlich hätten wir auch nichts dagegen, die Strecke zu verkürzen. Problem ist aber, dass dann der Platz an der Flora wegfallen würde, wo mittlerweile die Karnevalisten ein Zuhause gefunden haben und die Bühne gut angenommen wird. Auch die Senioren präsentieren sich dort. Das würden wir nur ungern abschneiden.

Hat die Qualität der Stände nachgelassen?

Die Frage ist, nach welchem Maßstab man die Schönheit der Stände messen kann, das ist sicherlich sehr subjektiv. Natürlich sind bei 240 Ständen auch immer rund zehn dabei, mit denen ich nicht ganz glücklich bin. Wenn sich jedoch jemand mit Modedesign anmeldet, wir die Erlaubnis erteilen und er am Ende Handyschalen verkauft, dann sind uns die Hände gebunden. Grundsätzlich denke ich aber, dass die Stände die Vielfalt Rüttenscheids ganz gut widerspiegeln – wo sich auch ein Aldi neben Sternekoch Nelson Müller findet.