Vater und Sohn vereint der Wunsch zu helfen

Peter Bellgardt (links) und Sebastian Bellgardt.
Peter Bellgardt (links) und Sebastian Bellgardt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Sie opfern Wochenenden, auch schon mal den Urlaub, um Menschen in Not zu helfen. Peter und Sebastian Bellgardt sind bei der DLRG.

Heisingen..  „Der größte Teil der Arbeit besteht aus Warten“, sagt Peter Bellgardt, „wenn dann aber etwas passiert, müssen wir sofort hellwach sein und die richtige Entscheidung treffen.“

Der 60-Jährige und sein Sohn Sebastian stehen in rot-gelb gestreiften Anzügen am Ufer des Baldeneysees. Es regnet. Ihre Aufmerksamkeit gilt drei Drachenbooten, die entlang roter Bojen um die Wette fahren. Peter und Sebastian Bellgardt sind für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Einsatz. Sie passen auf, dass beim Drachenboot-Schülercup nichts passiert. „Im vergangenen Jahr ist ein Boot umgekippt“, erzählt Sebastian, „das hieß, 22 Personen waren gleichzeitig im Wasser.“ Die Kinder waren aber auf so einen Fall vorbereitet worden und bewahrten die Ruhe. Es ging alles gut.

Seit 47 Jahren ist Peter Bellgardt, mittlerweile Pensionär, bei der DLRG. Ehrenamtlich, wie alle seine Kollegen. Oft nehmen sie sich Urlaub oder sind das komplette Wochenende unterwegs. „Es ist ein sehr zeitintensives Hobby“, sagt Sebastian, der Verfahrenstechnik studiert. Die Arbeitskleidung müssen sie größtenteils selbst finanzieren, zudem zahlt jeder Erwachsene einen Jahresbeitrag in Höhe von 45 Euro. Was treibt einen Menschen an, das alles in Kauf zu nehmen? „Es ist das Verlangen, anderen Menschen in Not zu helfen“, erklärt Sebastian, der durch seinen Vater in die Aufgabe hineingewachsen ist. „So gesehen bin ich schon seit 25 Jahren bei der DLRG“, sagt er augenzwinkernd.

Die beiden Männer legen die Schwimmwesten an und besteigen das Motorboot. Mit bis zu 60 Stundenkilometern können sie im Notfall über den See rasen, um schnell am Einsatzort zu sein. Der Regen wird stärker und peitscht ins Gesicht, der Fahrtwind saust in die Ohren, es ist eiskalt. Die Fahrt ist kein Vergnügen. Ziel ist die Wache Baldeney: ein renovierter Bungalow mit Küchenzeile und Schlafraum, in dem drei Hochbetten stehen. Hier sammeln sich die Einsatzkräfte.

Nach „Ela“ im Dauereinsatz

Wie das wohl ist, wenn dann der Notruf kommt? „Kein Einsatz ist wie der andere“, sagt Peter, „man weiß nie, was einen erwartet.“ Die Retter erhalten nur Stichworte, erst vor Ort sehen sie, wie schwer ein Mensch wirklich verletzt ist.
„Es gibt immer eine innere Anspannung“, erzählt Sebastian, „gerade bei Anfängern strömt Adrenalin ins Blut und das Herz schlägt schneller.“ Peters bewegendster Einsatz war die Suche nach einem Ertrunkenen. Seine Miene wird ernst. „So etwas bleibt einem lange im Gedächtnis.“

Am gegenüberliegenden Ufer liegen etwa hundert gestapelte Baumstämme. „Das sind die letzten Überreste von Ela“, sagt Peter. Der Pfingststurm hat die DLRG 2014 an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Sebastian wurde an jenem 9. Juni nach Bochum-Wattenscheid beordert. Ein Intercity war auf freier Strecke in der Nähe eines Feldes liegen geblieben und musste evakuiert werden. Als er am nächsten Morgen zum Baldeneysee fuhr, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen, traute er seinen Augen nicht: Er war braun, überall von Blättern und Baumfetzen bedeckt. „Nach Ela waren wir eine Woche lang im Dauereinsatz“, erinnert sich der 25-Jährige. Mit ihren Booten transportierten die DLRG-ler Kräfte des Technischen Hilfswerks mit deren schweren Kettensägen von Baum zu Baum, damit diese die Wege frei räumen konnten.

13.30 Uhr, Peters Funkgerät knackt: Wegen des starken Regens wird der Wettkampf unterbrochen, der Veranstalter überlegt sogar, ihn abzubrechen. Mit dem Boot geht es zurück zum Rennort.
Es ist kein Drachenboot mehr im Wasser, an Land laufen Kinder aufgeregt durcheinander. Es klärt sich wieder auf. Sebastian erkundigt sich in der Sprecherkabine. „Wir machen weiter“, entscheidet der Veranstalter.

Vater und Sohn Bellgardt werden weiter ausharren – und wachsam sein. Sollten sie gebraucht werden, werden sie zur Stelle sein.